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Nachwahl in Alabama : Showdown der Hardliner

  • -Aktualisiert am

Senator Luther Strange (links) Bild: AP

In Alabama streiten sich zwei Republikaner um einen Platz in der Senatsnachwahl. Deren Kampf untereinander könnte zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten und seinem ehemaligen Chefstrategen führen.

          Luther Strange will in der kommenden Woche die republikanische Vorwahl in Alabama gewinnen. Er ist ein Kandidat ganz nach Donald Trumps Geschmack. Dessen Wahl zum Präsidenten nannte Strange ein „biblisches Wunder“. Zurzeit sitzt er vorläufig auf dem frei gewordenen Senatssessel von Justizminister Jeff Sessions. Dass der Platzverwalter Strange im Dezember allerdings auch gegen den Demokraten Doug Jones antritt, ist gar nicht mehr sicher. Denn im ersten Wahlgang hatte der ehemalige Oberste Richter von Alabama Roy Moore die Nase vorn – zwischen ihm und Luther Strange kommt es nun zu einer parteiinternen Vorwahl. Hinter Moores Erfolg steht die amerikanische Rechte. Steve Bannon, der ehemalige Chefstratege von Donald Trump, will in Alabama seinem Wunschkandidaten zum Sieg verhelfen.

          Luther Strange, der Favorit von Donald Trump, ist ein konservativer Hardliner, der nun also von noch weiter rechts herausgefordert wird. Strange war von 2011 bis Februar 2017 Justizminister von Alabama, dann wurde er zum Senator ernannt. Während seiner Zeit als Justizminister wurde er vor allem dadurch bekannt, dass er die Politik der Obama-Regierung rechtlich angriff. So war er an einem Verfahren mehrerer Staaten gegen Obamas „Clean Power Plan“ beteiligt, der den Klimawandel bekämpfen sollte. Als Exxon Mobil in der Kritik stand, weil der Konzern Informationen über seine eigenen Erkenntnisse zum Ausstoß von Treibhausgasen zurückgehalten und die Leugnung des Klimawandels befördert hatte, war Strange unter jenen, die Exxon verteidigten. Er steht fϋr eine Beschränkung des in Amerika geltenden Rechts auf einen Schwangerschaftsabbruch und ist ein entschiedener Gegner der Legalisierung der Ehe für Alle. Strange steht also rechts – aber nicht weit genug rechts für Steve Bannon.

          Ein Volksheld

          Dessen Kandidat Roy Moore ist für viele Rechtskonservative in Alabama so etwas wie ein Volksheld. Im Jahr 2003 wurde er von seinem Amt als Oberster Richter entbunden, weil er sich geweigert hatte, eine Skulptur der Zehn Gebote vom Justizgebäude zu entfernen, wie es ein Bundesrichter angeordnet hatte, weil diese eine in der Verfassung nicht vorgesehene Bevorzugung einer Religion darstelle. Die Mehrheit der Wähler fand Moore gut und beförderte ihn 2013 abermals ins Amt – aber drei Jahre danach musste man ihn wiederum entfernen, weil er Richtern rechtswidrig befohlen hatte, keine Heiratserlaubnis für gleichgeschlechtliche Paare auszustellen.

          In seinen Aussagen ist Moore extremer als Luther Strange. Im Februar zitierte er in einer Kirche Verse aus der Bibel, die einigen extremistischen Christen als Prophezeiung der Terrorattacken vom 11. September zur Strafe „für die Abkehr von Gott“ gelten. Beim Propheten Jesaja heißt es: „Weil ihr dies Wort verwerft und verlasst euch auf Frevel und Mutwillen und trotzt darauf, soll euch solche Untugend sein wie ein Riss an einer hohen Mauer, wenn es beginnt zu rieseln, die plötzlich unversehens einfällt und zerschmettert.“ Nachdem er diese Stelle verlesen hatte, sagte Moore: „Hört sich ein bisschen an wie das Pentagon, dessen Zerschmettern plötzlich unversehens kam, nicht wahr?“ Moore verbreitete auch andere krude Theorien – unter anderem die von Donald Trump immer wieder aufgebrachte Behauptung, der ehemalige Präsident Barack Obama sei nicht in den Vereinigten Staaten geboren.

          Der frühere Richter Roy Moore
          Der frühere Richter Roy Moore : Bild: AP

          Dass Steve Bannon mit einem religiösen Extremisten wie Moore gemeinsame Sache macht, scheint folgerichtig, denn beide verfolgen viele gemeinsame Ziele. In Bannons Ideologie spielt seine katholische Religion in mehrfacher Hinsicht eine Rolle, auch wenn er den jetzigen Papst als zu liberal kritisiert. Bannon konstruiert immer wieder einen apokalyptischen Kulturkampf zwischen dem „christlichen“ Westen und dem Islam und hält Kontakte zur religiösen Rechten in Europa. Bannon weiß zudem, wie zugänglich Teile der Wählerbasis in Staaten wie Alabama für christlichen Extremismus sind. Moore ist daher ein guter Kandidat für ihn, denn er passt zu den antimuslimischen, rassistischen und anti-egalitären Vorstellungen Bannons und der „Alt-Right“-Bewegung.

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