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Kommentar : Endlich auf Augenhöhe

Begegnung auf Augenhöhe: Chinas Präsident Xi Jingping und Donald Trump. Bild: AFP

Das Treffen Trumps und Xi Jingpings zeigt, dass sich die Vereinigten Staaten und China mittlerweile ebenbürtig begegnen. Doch wird das China genügen?

          Chinas Führer neigen nicht zu Gefühlsausbrüchen. Aber wenn Deng Xiaoping, der „Architekt“ der Modernisierung der Volksrepublik, das noch hätte erleben können, was sich am Donnerstag in Peking abgespielt hat, wären ihm womöglich Freudentränen in die Augen getreten. Xi Jinping, einer seiner Nachfolger, hat ein Etappenziel erreicht, von dem Chinas Mächtige lange geträumt haben: Ihr Land wird von den Vereinigten Staaten als ebenbürtig behandelt. Der amerikanische Präsident Donald Trump, der ebenso wie Xi Jinping lieber bilateral verhandelt, als sich den Ungewissheiten großer Foren auszuliefern, spricht zwar gerne von Amerikas Größe. Aber er muss akzeptieren, dass sein Land nicht mehr stark genug ist, den Lösungsweg für wichtige Probleme der Weltpolitik vorzugeben.

          Diesen Prozess mag man angesichts der Größe sowie wirtschaftlichen und militärischen Potenz Chinas für zwangsläufig halten. Aber das bedeutet nicht, dass die neue Welt der G2 (Amerika und China) besser ist als die alte. Denn China hat jetzt zwar „Augenhöhe“ mit Amerika erreicht. Aber es wäre eine Sensation, wenn sich Peking mit diesem Status auf Dauer zufriedengäbe. Niemand wird China den Rang einer Großmacht streitig machen. Entscheidend ist aber, wie die Volksrepublik damit umgeht. Und da wiederum wäre es im Interesse aller gut, wenn es nicht seine „Partner“ gegeneinander ausspielen könnte.

          Für die Vereinigten Staaten und für die Europäische Union heißt das: Die transatlantische Zusammenarbeit, aber auch die mit Chinas Nachbarn in Ost- und Südostasien sollte ausgeweitet und vertieft werden. Dabei sollte man keine Angst davor haben, von China beschuldigt zu werden, man wolle das Land „einkreisen“. Dieser Vorwurf wird gewiss erhoben werden. Warum? Bei den friedfertigen Europäern könnte er dazu führen, dass sie „defensiver“ agieren als notwendig. Denkbar wäre allerdings auch, dass sich die chinesische Führung bei aller zur Schau gestellten Stärke ihrer Stellung ganz und gar nicht sicher ist. Die panikartigen Reaktionen, wenn es nur eine Andeutung von „Instabilität“ im Land gibt, lassen diese Deutung nicht unplausibel erscheinen. Chinas Führung mag eine Dominanz anstreben. Aber die ist nicht naturgegeben. Der Rest der Welt ist aufgefordert, auf eine Konstellation hinzuarbeiten, in der man mit Peking auf Augenhöhe bleibt – dauerhaft.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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