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Kommentar zu Trump-Attacken : Der Hass des Präsidenten

Schweigen sich auch mal an: Kanzlerin Merkel und Amerikas Präsident Trump am Mittwoch in Brüssel. Bild: dpa

Deutschland ist der Gegner, an dem sich Donald Trump besonders gern abarbeitet – auch beim Nato-Gipfel. Was steckt dahinter? Eine Erklärung: Die Wertschätzung, die der Kanzlerin in Amerika zuteil wird.

          Noch vor Beginn der Nato-Konferenz eine volle Breitseite gegen Deutschland, diesmal wegen der russischen Gaslieferungen. Deutschland sei, so behauptet der amerikanische Präsident Trump, deswegen ein Gefangener Russlands – und lasse sich dann von der Nato vor diesem Russland beschützen. Dieser Attacke begegnete die Kanzlerin in schneidender Nüchternheit: mit dem Hinweis auf die Erfahrung sowjetischer Besatzung in Ostdeutschland und darauf, dass Deutschland heute eigenständig Politik mache. Im Moment käme man nicht auf die Idee, dass Amerika und Deutschland enge Partner sind und das Land in der Mitte Europas von einem früheren republikanischen Präsidenten zum Partner in der Führung promoviert worden war. Deutschland ist der Gegner, an dem sich Trump besonders gern abarbeitet. Aber warum?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Ist der Verdacht völlig haltlos, bei Trumps Angriffen könnte mehr im Spiel sein als Lastenteilung und Handelsdefizite? Etwas Biographisches? Es gibt eine politische Rationalität seiner Attacken, in der Amerika nur in der Rolle des ausgenutzten Opfers vorkommt. Aber diese sind einfach maßlos. Selbst wenn sie einen Kern Berechtigung haben – tatsächlich gibt Deutschland für die Verteidigung zu wenig aus; ist die Gasleitung durch die Ostsee umstritten; sind die Lobbydienste eines früheren Kanzlers für Putin ein Skandal –, so macht der Stil des Vortrags die Kritik schon wieder unglaubwürdig. Trump sieht im demokratischen Deutschland nicht eine Erfolgsgeschichte, zu der auch amerikanische Politik beigetragen hat, sondern einen raffinierten Trittbrettfahrer.

          Wie eine Furie durch die Welt

          Ob Zölle, Verteidigungsausgaben oder russische Energielieferungen – Entgegenkommen und pragmatische Lösungsversuche werden den Oberpopulisten im Weißen Haus nicht zufriedenstellen. Er wird immer etwas Neues finden, um Deutschland anzugreifen. Und die Bundeskanzlerin. Merkel war schließlich von liberalen Zeitungen in Amerika, mit denen Trump in Dauerfehde liegt, zur Ersatzanführerin des Westens ausgerufen worden. Wer so geschätzt – auch überschätzt – wird, der erntet Donald Trumps Hass.

          Alle, die vorhersagten, er werde wie eine Furie durch die Welt fahren und Amerikas Allianzen nicht zu würdigen wissen, haben recht behalten. Die Nato hält Trump für einen Inkassobetrieb. Das ändert nichts an Amerikas bleibender Bedeutung für Europa. Aber transatlantische Feldgottesdienste werden nicht mehr gefeiert.

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