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Nordkorea-Kommentar : Den Diktator auf die Probe stellen

Annäherung voraus? Nordkoreanischer Machthaber Kim Jong Un (rechts) und der nationale Sicherheitsberater Südkoreas Chung Eui Yong geben sich die Hand. Bild: dpa

Donald Trump setzt auf Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Doch bei aller Hoffnung auf eine friedliche Lösung, ist im Dialog mit Kim Jong-un Vorsicht geboten.

          Da hat Donald Trump doch zur Abwechslung mal recht. Die Gespräche einer südkoreanischen Delegation in Nordkorea könnten einen Fortschritt bei den Bemühungen um eine dauerhafte Befriedung der Halbinsel einleiten. Genauso ist aber möglich, dass es sich wieder einmal um eines jener politischen Strohfeuer handelt, die Nordkorea seit vielen Jahren von Zeit zu Zeit abbrennt – in der Hoffnung, möglichst viel für möglichst wenig für sich herauszuholen. Vor allem eines mahnt nach der Begegnung der Südkoreaner mit Nordkoreas Staatsführer Kim Jong-un zur Vorsicht. Während die nördliche Seite einstweilen nur von „zufriedenstellenden“ Ergebnissen spricht, weckt der Süden große Hoffnungen. Nordkorea, heißt es, sei möglicherweise zu einer Aufgabe seines Atomwaffenprogramms bereit. Voraussetzung dafür sei eine Sicherheitsgarantie für das Regime.

          Solange diese Botschaft nicht auch über die Staatsmedien des Nordens verbreitet worden ist, bedeuten die Verlautbarungen aus Seoul gar nichts. Denn erstens ist nicht bekannt, was genau Kim Jong-un unter „Sicherheitsgarantie“ versteht. Und zweitens hat es Nordkorea noch immer verstanden, bei Verhandlungen in letzter Minute neue Bedingungen aus dem Hut zu zaubern. Wenn die andere Seite nämlich erst einmal innerlich auf Verständigungskurs ist, lässt sich, so die Hoffnung Pjöngjangs, sicher noch dies und das herausschlagen, weil eine friedliche Lösung eines langwierigen Problems logischerweise populär ist und Pjöngjangs Gesprächspartner sich ungern den Schwarzen Peter des Scheiterns zuschanzen lassen wollen. Trotzdem sollte man Kim Jong-un natürlich auf die Probe stellen und ausloten, ob er sich wirklich bewegen will.

          Dass er nur deshalb mit Gesprächen einverstanden ist, weil der südkoreanische Präsident Moon Jae-in ein netter Mensch ist, glaubt hoffentlich niemand. Vielmehr gibt es schon seit einiger Zeit Indizien dafür, dass die vielgescholtenen Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea durchaus ihre Wirkung entfalten. Zwar muss das Regime im Norden keine Wahlkämpfe führen und sich nicht vor der eigenen Bevölkerung rechtfertigen. Aber wenn auch über die erprobten Schmuggelrouten nicht mehr all das ins Land gelangt, was nötig ist, muss sich sogar ein Kim Jong-un nach neuen Überlebensmöglichkeiten umsehen. Dialog könnte eine solche sein.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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