http://www.faz.net/-gpf-8p59l

Trump und Putin : Warum Amerikas Rechte plötzlich Russland lieben

  • -Aktualisiert am

Ein typischer Vertreter dieser Gruppe ist der ehemalige Präsident der American Conservative Union David Keene, der in einem Artikel in der Washington Times Zweifel an der Einschätzung der Geheimdienste im Fall der gehackten E-Mails äußerte. Dort zitierte er zustimmend den rechtsgerichteten früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus (der wegen seiner putinfreundlichen Haltung eine Sinekure am Cato Institute verlor) und der meinte: »Ein Land und seine Führer mögen Verachtung verdienen, ohne deshalb gefährlich zu sein.« (Wie der als Außenminister vorgesehene Rex Tillerson hat Klaus von Putin einen russischen Orden erhalten.) »Da draußen gibt es neue Monster, und wir müssen uns auf die von ihnen ausgehenden Bedrohungen konzentrieren statt uns die Rückkehr der bereits geschlagenen Monster zu wünschen«, rät Keene in seinem Artikel und klingt damit wie ein Linker zu Zeiten des Kalten Kriegs, der den Konservativen »Hetze gegen Rote« vorwarf.

Nicht mehr Ost-West, sondern Nord-Süd

Dana Rohrabacher, republikanischer Abgeordneter des Repräsentantenhauses (für Kalifornien), ist die perfekte Verkörperung dieser ideologischen Kehrwende. In den späten 1980er Jahren schrieb der stramme Orange-County-Republikaner Reden für Ronald Reagan, der in Wirklichkeit zusammen mit den Mudschaheddin in Afghanistan gegen die Russen kämpfte. Heute ist Rohrabacher (der die russischen Hackerangriffe als »großartig« bezeichnete) im Kongress der größte Verteidiger Putins, den er als einen Gegner des radikalislamischen Terrorismus beschreibt.

Der designierte nationale Sicherheitsberater Mike Flynn brachte letztes Jahr ein Buch heraus, in dem er Russland zu den Gründungsmitgliedern einer »internationalen Allianz böswilliger Länder« zählte. Zugleich ist er berüchtigt dafür, dass er 2015 in Moskau bei einer Gala für RT, den weltweit agierenden Desinformationssender des Kreml, neben Putin saß – eine Einladung, die anzunehmen für den früheren Leiter der Defence Intelligence Agency doch recht sonderbar erscheint. »Es ist Zeit, zu begreifen, dass dies keine Ost-West-Welt ist, Leute«, sagte er beim Dinner zu seinen Zuhörern. In Wirklichkeit handle es sich »eher um eine Nord-Süd-Welt«.

Ein Graffiti, das die Liebe zwischen Trump und Putin ausdrücken soll: Den gemeinsamen Joint rauchen die bald wohl beiden mächtigsten Männer der Welt vor einem Restaurant im litauischen Vilnius.
Ein Graffiti, das die Liebe zwischen Trump und Putin ausdrücken soll: Den gemeinsamen Joint rauchen die bald wohl beiden mächtigsten Männer der Welt vor einem Restaurant im litauischen Vilnius. : Bild: dpa

Trumps Unterstützer in der weiß-nationalistischen Alt-Right-Bewegung verehren Russland gleichfalls als ein reaktionäres Regime, das sich gegen einen liberalen, kosmopolitischen Westen wendet, der Feminismus und Homosexualität fördert. Als ich im vergangenen Jahr den Alt-Right-Führer Richard Spencer interviewte, schwärmte der, das »Verständnis zwischen Trump und Putin« eröffne die »Vision einer weißen Welt, die sich nicht bekriegt«.

Republikanische Russlandkritiker ohne Macht

Einige Republikaner wie die Senatoren John McCain (Arizona) und Lindsey Graham (South Carolina) stellen Prinzipien über ihre Partei und protestieren gegen Trumps freundlichen Umgang mit einem Regime, das der einstige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zu Recht den »geopolitischen Gegner Nummer eins« der Vereinigten Staaten genannt hat. Aber sie scheinen zu verlieren. Letzte Woche nahmen die beiden unter dem Druck des Mehrheitsführers im Senat Mitch McConnell (Kentucky) ihre gemeinsam mit den Demokraten erhobene Forderung zurück, einen Sonderausschuss zur Untersuchung der russischen Einmischung in die Präsidentschaftswahlen einzusetzen.

In einem Interview, dass vor mehr als 30 Jahren aufgezeichnet wurde, enthüllte der russische Überläufer Yuri Bezmenov die eigentlich jeglicher Intuition widersprechende Rekrutierungsstrategie des KGB: »So lauteten meine Instruktionen: Versuche, in etablierte konservative Medien mit weiter Verbreitung einzudringen. Finde… zynische, egozentrische Leute, die dir mit einer Unschuldsmiene ins Gesicht blicken und dabei Lügen erzählen können. Das sind die Leute, die sich am ehesten rekrutieren lassen – Leute ohne moralische Prinzipien, die entweder zu habgierig oder zu sehr von sich selbst überzeugt sind.« Bezmenov jedenfalls wusste, wo der Hase läuft.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael Bischoff.

Zum Autor

James Kirchick, geboren 1983, ist ein amerikanischer Journalist und Publizist und war als Stipendiat der Robert Bosch Stiftung in Berlin.

Quelle: FAZ.NET

Weitere Themen

Stabschef Kelly verteidigt Trumps Verhalten Video-Seite öffnen

Umgang mit Hinterbliebenen : Stabschef Kelly verteidigt Trumps Verhalten

John Kelly, Donald Trumps Stabschef, ist dem amerikanischen Präsidenten im Streit um den Umgang mit der Witwe eines getöteten Soldaten zur Seite gesprungen. Er habe gedacht, wenigstens die Kondolenzanrufe des Präsidenten seien noch heilig. Trump wurde zuvor wegen seiner an die Öffentlichkeit geratenen Aussagen heftig kritisiert.

Vierte Amtszeit für Abe? Video-Seite öffnen

Wahl in Japan : Vierte Amtszeit für Abe?

Aus der vorgezogenen Parlamentswahl in Japan dürfte die nationalistisch-konservative Liberaldemokratische Partei von Ministerpräsident Shinzo Abe als Sieger hervorgehen. Für ihn wäre es seine vierte Amtszeit. Die Opposition hat keine echten Chancen.

Topmeldungen

Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

Brexit-Verhandlungen : Ohne Qualen geht es nicht

Theresa May flehte diese Woche in Berlin, Paris und Brüssel um Hilfe bei den Brexit-Verhandlungen. Die Europäer blieben hart. Aber sie gaben sich Mühe, nett zu sein.
Für mehr Recht und Ordnung im eigenen Land: Macron will härter gegen kriminelle Ausländer vorgehen.

Macrons Abschiebekurs : Mit harter Hand

Der brutale Mord an zwei jungen Frauen durch einen illegalen Einwanderer erschüttert Frankreich. Nun plant Präsident Macron konsequenter bei der Abschiebung krimineller Ausländer durchzugreifen. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwerer als gedacht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.