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Donald Rumsfeld Ein kaltschnäuziger Visionär

09.11.2006 ·  Mit dem Scheitern im Irak wurde aus dem ironischen Rhetoriker Donald Rumsfeld eine Belastung für die Regierung. Jetzt mußte Bushs siamesischer Zwilling gehen. Ein Porträt mit den besten Zitaten des politischen Entertainers.

Von Matthias Rüb und Jasper von Altenbockum
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Er war der jüngste und der älteste Verteidigungsminister in der Geschichte der Vereinigten Staaten, und wenn er noch einige Wochen ausgeharrt hätte, wäre er auch der am längsten dienende Verteidigungsminister gewesen. Zum ersten Mal führte Donald Rumsfeld das Pentagon von 1975 bis 1977 unter Präsident Gerald Ford. Doch seinen Stempel drückte er dem Pentagon erst auf, als er am 20. Januar 2001 wieder die zivile Führung des Verteidigungsministeriums übernahm.

Er brachte große Visionen mit, wollte die mächtigsten Streitkräfte in der Geschichte der Menschheit noch mächtiger und agiler machen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die Rumsfeld buchstäblich am eigenen Leib erlebte, als ein Flugzeug in den Westflügel des Pentagons stürzte und der Minister gegen den Rat seiner Sicherheitskräfte selbst bei den Rettungsarbeiten mithalf, schien die Zeit gekommen, die Errungenschaften der gerade erst begonnenen Transformation der Streitkräfte im Feld zu erproben.

Es wurde still um ihn

Die Kriege in Afghanistan und im Irak sollten nach der Vorstellung Rumsfelds, die auch Präsident George W. Bush teilte, modellhafte Gefechte für die Kriegsführung des 21. Jahrhunderts werden. Doch der Irak-Feldzug wurde statt dessen zum Musterbeispiel dafür, daß ein Krieg nicht schon dann erfolgreich verlaufen ist, wenn der Sieger ihn nach einem blitzartigen Erfolg für beendet erklärt, sondern erst dann, wenn er auch politisch gewonnen ist - in Afghanistan droht sich diese Lehre noch immer zu wiederholen.

Rumsfeld wurde deshalb mit dem Irak-Krieg zur Belastung der Regierung Bush und rückte spätestens nach dem Folterskandal von Abu Ghraib in den Hintergrund. Es wurde regelrecht still um ihn, der früher die Öffentlichkeit gern mit seinem Markenzeichen, ironischer Kaltschnäuzigkeit, unterhielt. In Europa unvergessen bleiben wohl seine Worte über dessen „alte“ und „neue“ Gegenden.

Bushs siamesischer Zwilling

Rumsfeld hatte angesichts des amerikanischen Mißgeschicks im Irak bereits zweimal seinen Rücktritt angeboten. Doch Bush gab ihm bis zuletzt demonstrative Rückendeckung. „Ich höre die Stimmen, ich lese die Schlagzeilen und ich kenne die Spekulationen“, sagte Bush im April. Einige pensionierte Generäle hatten damals Rumsfelds Rücktritt gefordert, zuletzt war es die Armeezeitschrift „Army Times“, die in der Schlußphase des Wahlkampfs kein gutes Haar am Verteidigungsminister ließ.

Bush hielt wohl auch deshalb so lange an seinem Verteidigungsminister fest, weil Rumsfeld unweigerlich zu seinem siamesischen Zwilling herangewachsen war - eine Entlassung mußte einer politischen Amputation gleichkommen. Um diesen Eindruck zu vermeiden, kommen Bush nun ausgerechnet die Demokraten zur Hilfe. Solange sie einen „Neuanfang“ begrüßen, kann das Bush als Befreiung von einer Last begreifen.

Rumsfelds Sprüche

„Sie denken an Deutschland und Frankreich, wenn Sie an Europa denken. Ich nicht. Ich denke, das ist das alte Europa.“

„Minister Powell und ich sind bei jedem Thema, mit dem sich diese Regierung jemals befaßt hat, einer Meinung - außer in den Fällen, in denen Colin noch lernt.“

„Durch den Tod entsteht ein deprimierendes Bild des Krieges.“

„Man sollte sich nicht für unersetzlich oder unfehlbar halten. Wie Charles de Gaulle sagte, sind die Friedhöfe dieser Welt voll von unersetzlichen Männern.“

„Wie Sie wissen, muß man mit der Armee in den Krieg ziehen, die man hat. Das ist nicht die Armee, die man gerne hätte oder von der man sich wünscht, man werde sie einmal haben.“

„Es ist leichter, in etwas hineinzugeraten als wieder daraus herauszukommen.“

„Man muß lernen 'Ich weiß es nicht' zu sagen. Man wird es oft sagen, wenn man es richtig verwendet.“

„In der Politik bietet jeder Tag zahlreiche Gelegenheiten, ernste Fehler zu machen. Das muß man genießen.“

„Ach du liebe Güte, was man alles im Internet an Luftaufnahmen kaufen kann. Ein trainierter Affe kann jede Menge darüber erfahren, was in dieser Welt vor sich geht, indem er nur auf seiner Maus herumschlägt, und das zu relativ geringen Kosten.“

„Es gibt bekanntes Wissen. Das sind Sachen, von denen wir wissen, daß wir sie wissen. Es gibt bekanntes Unwissen. Das bedeutet, es gibt Sachen, von denen wir wissen, daß wir sie nicht wissen. Aber es gibt auch unbekanntes Nichtwissen. Das sind Sachen, von denen wir nicht wissen, daß wir sie nicht wissen.“

„Wahre die Optionen des Präsidenten! Er könnte sie brauchen.“

„Das ist wie mit Wagners Musik. Es ist nicht so schlimm, wie es klingt.“
(Über einen Vorschlag des früheren Bundeskanzlers Schröder zur Reform der Nato)

Quelle: F.A.Z., 09.11.2006, Nr. 261 / Seite 2
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