http://www.faz.net/-gpf-9b78a

Streit um Namen Mazedoniens : „Dieses Abkommen löscht die Geschichte dieses Landes aus“

  • Aktualisiert am

Mazedoniens Präsident Djordje Iwanow will den mit Griechenland ausgehandelten Kompromiss nicht unterschreiben. Bild: EPA

Seit mehr als 25 Jahren streiten sich Mazedonien und Griechenland um den Namen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik. Eine Einigung war in Reichweite – doch dann meldet sich Mazedoniens Präsident zu Wort.

          Mazedoniens Staatspräsident Djordje Iwanow hat dem Kompromiss im Streit um den Staatsnamen seines Landes eine klare Absage erteilt. „Ich werde diese Vereinbarung nicht unterschreiben“, sagte Iwanow am Mittwoch in Skopje. Auch die Opposition in Griechenland und Mazedonien kündigte an, das von den beiden Regierungschefs Alexis Tsipras und Zoran Zaev erzielte Abkommen zu Fall bringen zu wollen.

          Die beiden Länder hatten am Vortag angekündigt, ihren über 25 Jahre dauernden Zwist um den Namen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik beilegen zu wollen. Mazedonien soll seinen Namen auf Nord-Mazedonien (Mazedonisch: Severna Makedonija) ändern. Bei Umsetzung der Vereinbarung wird Athen den Weg für den Beitritt Mazedoniens zur Nato und für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen freimachen. EU, Nato und die Vereinten Nationen (UN) begrüßten die Einigung.

          Der mazedonische Oppositionsführer Hristijan Mickoski wiederholte am Mittwoch seine Einschätzung, das Abkommen sei eine „Kapitulation“ Skopjes. „Griechenland hat alles bekommen, was es verlangt hat und wir nichts“, kritisierte auch Staatschef Iwanow: „Ich werde nicht die Legalisierung einer illegalen politischen Konstruktion erlauben“, sagte er weiter: Denn „dieses Abkommen löscht die 27-jährige Geschichte dieses Landes aus“.

          Die griechische Oppositionspartei Nea Dimokratia hat den Kompromiss ebenfalls scharf kritisiert. Es sei ein „nationaler Rückzug“, dass Athen die Existenz einer mazedonischen Sprache und einer mazedonischen Ethnie akzeptiert hat, erklärte Parteichef Kyriakos Mitsotakis. Die Regierung habe keine Mehrheit im Parlament, um dieses Abkommen zu billigen, sagte er weiter.

          Griechische Medien berichteten unter Berufung auf Kreise der Partei Nea Dimokratia, dass Mitsotakis am Donnerstag oder Freitag ein Misstrauensvotum gegen Regierungschef Alexis Tsipras beantragen werde. „80 Prozent des Volkes will dieses Abkommen nicht“, sagte ND-Sprecherin Martian Spyraki der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend. Am Freitag will Tsipras das Parlament im Detail informieren.

          Auch der Chef des Junior-Koalitionspartners der Regierung Tsipras, der Rechtspopulist Panos Kammenos, hatte am Dienstag erklärt, seine Partei werde das Abkommen nicht billigen.

          Weitere Themen

          Wer anderen eine Brücke baut

          Chinas Macht wächst : Wer anderen eine Brücke baut

          China weitet seinen Einfluss in Europa aus, durch Investitionen erzeugt das Land Abhängigkeiten. Das führt dazu, dass Kritik an Peking immer mehr verstummt – Europa hat kein Gegenmittel.

          Beherrscht Peking bald die Welt?

          F.A.Z.-KAS-Debatte : Beherrscht Peking bald die Welt?

          Wichtige außenpolitische Themen erörtern – das ist das Ziel der Debatte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ende Oktober geht es in Leipzig und Bremen um China. Sie sind herzlich dazu eingeladen.

          Der Kampf gegen Fake News beginnt Video-Seite öffnen

          Facebook : Der Kampf gegen Fake News beginnt

          Der amerikanische Internetriese musste sich vorwerfen lassen, dass Manipulationen auf seinen Netzwerken verschiedene Wahlen und Abstimmungen beeinflussten. Jetzt zieht Facebook die Konsequenzen und versucht Fake News schneller zu stoppen.

          Topmeldungen

          Kritik an den Kritikern : Der FC Bayern holt zum Rundumschlag aus

          Denkwürdige Pressekonferenz beim FC Bayern: Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Aufsichtsratschef Uli Hoeneß wettern gegen Kritiker und Medien – und mahnen gar die Achtung der Würde des Menschen an.

          Baumsterben : Patient Wald

          Noch nie waren die Schäden im Wald so groß wie in diesem Jahr – auch die finanziellen Auswirkungen auf die Forstwirtschaft sind verheerend. Was sind die Gründe?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.