15.07.2011 · Ein Gericht in Buenos Aires hat am Donnerstag lebenslange Haftstrafen gegen zwei frühere Offiziere verhängt, die zur Zeit der Militärdiktatur für Mord in 16 und gewaltsame Entführung in 156 Fällen im geheimen Folterlager „El Vesubio“ verantwortlich gemacht werden.
Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der Diktatur sind in Argentinien zwei ehemalige Militärs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für weitere fünf Angeklagte verhängte ein Gericht in Buenos Aires am Donnerstagabend Gefängnisstrafen zwischen 18 Jahren und 22 Jahren und sechs Monaten.
Sie wurden für Morde, Folter und Misshandlungen Mitte der 1970er Jahre in dem berüchtigten Folterzentrum „El Vesubio“ in Buenos Aires verantwortlich gemacht. Dort war auch die 1977 ermordete deutsche Studentin Elisabeth Käsemann interniert. Auch der Kommandant des Lagers, Pedro Durán Sáenz, gehörte zu den Angeklagten. Er starb aber Anfang Juni im Alter von 76 Jahren an Herzversagen. Der Prozess war im Februar 2010 eröffnet worden. Etwa 150 Zeugen wurden gehört, darunter über 50 ehemalige Gefangene.
Nach Schätzung von Überlebenden sollen bis zu 2.500 Menschen zweitweise dort eingesperrt gewesen sein. Hunderte von ihnen „verschwanden“ spurlos. „El Vesúbio“ gehörte zu den berüchtigtsten der rund 600 Folterzentren, die während der Diktatur (1976-1983) in ganz Argentinien existierten. Prozesse wegen der Diktatur-Verbrechen sind dort erst seit Aufhebung der Amnestiegesetze im Jahr 2005 möglich.
Mehr als 1755 Personen wurden angeklagt
Seither wurden nach Angaben Menschenrechtlern mehr als 1755 Personen angeklagt. 191 von ihnen wurden zu teils hohen Haftstrafen verurteilt, 15 wurden freigesprochen. Die beiden Verurteilten sind über 80 Jahre alt. Ihnen wurden mehrere Morde zur Last gelegt. Elisabeth Käsemann war eines der deutschen Opfer der argentinischen Diktatur (1976-83). Die Tochter des bekannten Theologie-Professors Ernst Käsemann (1906-1998) war von Junta-Angehörigen verschleppt und am 24. Mai 1977 ermordet worden. Die Bundesregierung trat in dem Prozess als Nebenkläger auf.
In Argentinien hatten die Militärs Anschläge linker Gruppen sowie die politische Schwäche der damaligen peronistischen Präsidentin Isabel Perón 1976 für einen Putsch genutzt. Anschließend eröffnete die Junta eine Hexenjagd auf sogenannte „subversive“ Regimekritiker. Menschenrechtsrechtsgruppen schätzen die Zahl der Ermordeten auf 30.000. Die meisten Opfer sind bis heute spurlos verschwunden. Die Militärs verbrannten ihre Opfer, verscharrten sie anonym oder stürzten sie betäubt aus Flugzeugen ins Meer.