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Neujahrsansprachen : Die Wünsche der Mächtigen für 2018

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Chinas Parteichef Xi Jinping kündigt in seiner Neujahrsansprache an, dass bis 2020 alle armen Landbewohner über die Armutsgrenze gebracht werden. Bild: dpa

Ob Chinas Parteichef Xi Jinping, Vladimir Putin, Emmanuel Macron oder auch Donald Trump - die Mächtigen der Welt richten zu Silvester an die Bürger ihre Wünsche. Diese fallen sehr unterschiedlich aus. Donald Trump bleibt sich auch 2018 treu.

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Bürgern seines Landes für das neue Jahr eine „französische Renaissance“ in Aussicht gestellt. Die 2017 begonnenen „tiefgreifenden Transformationen“ sollten im neuen Jahr fortgeführt werden, versicherte der Staatschef am Sonntag bei seiner live aus dem Elysée-Palast übertragenen Neujahrsansprache.

          Die Reformen würden 2018 „mit derselben Kraft, im selben Rhythmus und mit derselben Intensität“ wie im ablaufenden Jahr fortgesetzt werden. Als Themenfelder nannte Macron unter anderem Schulen, Arbeit und Klimawandel. Der Präsident kündigte ferner ein „großes soziales Projekt“ an, das etwa den Gesundheitssektor und die Unterbringung von Obdachlosen umfassen solle.

          Zugleich wandte sich der französische Präsident an alle Europäer, um ein „großes Projekt“ für Europa zu schaffen. „Meine lieben europäischen Mitbürger, 2018 ist ein ganz besonderes Jahr, und ich werde Sie in diesem Jahr brauchen“, sagte Macron. „Wir müssen den europäischen Ehrgeiz wiederfinden, ein souveräneres, geeinteres, demokratischeres Europa, weil das gut für unsere Völker ist.“

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verspricht eine französische Renaissance und wendet sich zugleich an alle Europäer.

          Er glaube fest daran, dass Europa gut für Frankreich sei. Macron kündigte an, er werde „ganz besonders“ seine Zusammenarbeit mit Deutschland fortsetzen. Dies sei eine notwendige Bedingung für jeglichen europäischen Fortschritt.

          Guterres ruft „Alarmstufe rot“ für den Planeten aus

          Derweil hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres angesichts der Konflikte und Gefahren weltweit die „Alarmstufe rot“ für den Planeten Erde ausgerufen. Als er vor einem Jahr sein Amt angetreten habe, habe er dazu aufgerufen, 2017 zu einem Jahr des Friedens zu machen, erinnerte Guterres in seiner Neujahrsansprache am Sonntag. „Leider ist das Gegenteil eingetreten“. Die Konflikte hätten sich verschlimmert, neue Gefahren seien aufgetaucht.

          UN-Generalsekretär Antonio Guterres (Archivbild vom 19. September in New York) ruft die Alarmstufe Rot für den Planeten aus.

          Noch nie zuvor seit dem Ende des Kalten Krieges seien die durch Atomwaffen ausgelösten Sorgen so groß gewesen, erklärte Guterres in Anspielung auf den Konflikt mit Nordkorea weiter. „Der Klimawandel ist schneller als wir“, die Ungleichheiten würden immer größer, begleitet von „schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen“.

          Guterres mahnte, die Konflikte könnten gelöst, der Hass überwunden „und unsere gemeinsamen Werte geschützt“ werden. „Aber wir müssen geeint sein, um das zu schaffen.“ Die Einheit sei der Weg, „unsere Zukunft hängt davon ab“, fügte der UN-Generalsekretär hinzu.

          Putin ruft zu mehr Zusammenhalt zwischen Jung und Alt auf

          Unterdessen hat Russlands Präsident Wladimir Putin seine Landsleute zu mehr Zusammenhalt zwischen den Generationen aufgerufen. Auch 2018 werde es wichtige Veränderungen für das Land geben, sagte Putin in seiner jährlichen Neujahrsansprache, die am Sonntag im Fernsehen ausgestrahlt wurde. „Sie werden kommen, (...) wenn wir versuchen, unsere Kinder zu verstehen, und auch ihre Hoffnungen und Träume.“ Gleichzeitig sollten junge Menschen sich um ihre Eltern kümmern.

          In Russland wird 2018 gewählt - und so wünscht sich Präsident Vladimir Putin mehr Zusammenhalt.

          Am 18. März 2018 findet in Russland die nächste Präsidentenwahl statt. Putins Wiederwahl gilt als sicher; er ist dann bereits seit 18 Jahren im Amt. Eine niedrige Wahlbeteiligung könnte der Führung allerdings zu schaffen machen. Besonders junge Menschen gingen in diesem Jahr mit der Forderung nach einem Wechsel an der Staatsspitze massenweise auf die Straße.

          Chinas Staatschef Xi sagt Einsatz für UN und Klimaschutz zu

          China wird im Neuen Jahr nach den Worten seines Staatschefs Xi Jinping seinen Teil zur Verteidigung der internationalen Weltordnung und zum Klimaschutz beitragen. In seiner Neujahrsansprache sagte Xi am Sonntag zudem, dass der Lebensstandard für die chinesische Bevölkerung verbessert werden solle. Die Nation sei 2018 wirtschaftlichen Reformen verpflichtet.

          Konkret sagte Xi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, dass bis 2020 alle armen Landbewohner über die Armutsgrenze gebracht werden sollten. Es wäre dann das erste Mal in tausenden Jahren chinesischer Geschichte, dass extreme Armut beseitigt worden wäre, sagte er. Xi fügte hinzu: „Das ist unser feierliches Versprechen.“

          Chinas Parteichef Xi Jinping kündigt in seiner Neujahrsansprache an, dass bis 2020 alle armen Landbewohner über die Armutsgrenze gebracht werden.

          Der Präsident räumte auch Versäumnisse der Regierungspolitik ein. Der Verantwortungssinn müsse gestärkt und das Wohl des Volkes im Auge behalten werden.

          Mit Blick auf die internationale Politik hob Xi hervor, dass China nachdrücklich für „die Autorität der Vereinten Nationen“ einstehen werde. Auch seine Verpflichtungen für den Klimaschutz werde sein Land einhalten. Amerikas Präsident Donald Trump ist ein scharfer Kritiker der Vereinten Nationen und hält auch nichts vom Pariser Klimaschutz-Abkommen.

          Trump stichelt auch im neuen Jahr gegen die Medien

          Amerikas Präsident Donald Trump hat das neue Jahr mit einem Seitenhieb auf die Medien begrüßt. Er wünsche all seinen „Freunden, Unterstützern, Feinden, Hassern und sogar den sehr verlogenen Fake-News-Medien ein glückliches und gesundes Neues Jahr“, twitterte Trump in der Nacht zum Montag. „2018 wird ein großartiges Jahr für Amerika!“

          Trump ist für seine unablässigen Attacken gegen die Medien bekannt. In der Vergangenheit hatte der Republikaner die „Fake News Media“ unter anderem als „Feinde des amerikanischen Volkes“ bezeichnet.

          Silvester hat Trump - wie schon seit fast 20 Jahren - in seinem privaten Club Mar-a-Lago in Palm Beach (Florida) gefeiert. Aber jetzt ist er nicht mehr Privatmann, sondern Präsident - und das hat sich natürlich auch auf die diesjährige Gala zum Jahreswechsel ausgewirkt. Erwartet wurden mehr Gäste und weitaus stärkere Sicherheitsmaßnahmen, und wer mit dabei sein wollte, musste mehr bezahlen, wie amerikanische Medien berichteten.

          Demnach kostete die Eintrittskarte für Clubmitglieder 600 Dollar (500 Euro), für Gäste 750 Dollar (625 Euro), während es der Zeitung „USA Today“ zufolge vor einem Jahr 525 beziehungsweise 575 Dollar waren.

          Sorgen, dass die glamouröse Party samt rotem Teppich nicht ausverkauft würde, musste sich Trump nicht machen. „Es ist eine sehr glanzvolle Nacht. Ich glaube, jeder ist noch begeisterter als im letzten Jahr. Er ist jetzt der Präsident, und er hat schon so viel erreicht“, zitierte die Zeitung „Washington Post“ Clubmitglied Toni Holt Kramer, Mitbegründerin der Fan-Gruppe „Trumpettes USA“. Tatsächlich ist der Andrang auf eine Mitgliedschaft im Club seit dem Wahlsieg Trumps im November 2016 stark gestiegen - so sehr, dass die Aufnahmegebühr dieses Jahr verdoppelte wurde: auf 200.000 Dollar.

          Auf die Galateilnehmer warteten ein Menü aus vier Gängen, Showdarbietungen auf einer Bühne, Tanz zur Musik einer Band namens Party on the Moon (Party auf dem Mond) und eine Rede von Trump - das alles neben der Chance, mit dem Präsidenten zusammen abgelichtet zu werden.

          Italiens Präsident nutzt Neujahrsansprache als Wahlappell

          Der italienische Staatspräsident hat derweil seine Neujahrsansprache für einen Wahlappell genutzt. „Die Wahlen schlagen, wie immer, eine leere Seite auf: Beschrieben wird sie erst von den Wählern und anschließend von den Parteien und dem Parlament. Ihnen vertrauen wir unsere Hoffnungen und Erwartungen an“, sagte Sergio Mattarella am Sonntag in Rom. „Ich wünsche mir eine breite Wahlbeteiligung.“ Insbesondere hoffe er, dass die Erstwähler am 4. März 2018 von ihrem Recht Gebrauch machten.

          Mattarella hatte am Donnerstag das Parlament aufgelöst und damit den Weg für Wahlen freigemacht. Dass die Legislaturperiode nun turnusgerecht nach fünf Jahren ende - und nicht schon früher - sei „wichtig gewesen“, sagte Mattarella.

          Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella wünscht sich in seiner Neujahrsansprache, dass 2018 möglichst viele Italiener wählen gehen.

          Wer das Land künftig regieren wird, ist völlig unklar. Stärkste Einzelpartei ist die Fünf Sterne Bewegung. Gefolgt wird sie in den Umfragen von den deutlich geschwächten Sozialdemokraten, die der ehemalige Ministerpräsident Matteo Renzi in die Wahlen führen will. Als Allianz bekommt derzeit Silvio Berlusconis Forza Italia gemeinsam mit der ausländerfeindlichen Lega Nord den größten Zuspruch. Aber auch ihnen wird wohl die Mehrheit fehlen, um in Rom zu regieren.

          Auf die neue Regierung wartet eine Vielzahl an Aufgaben, wie Mattarella am Silvesterabend deutlich machte. Es sei aber nicht seine Aufgabe, den Parteien Anweisungen zu geben. „Ich beschränke mich darauf, wieder einmal zu unterstreichen, dass die Arbeit die vordergründige und ernstzunehmendste soziale Frage ist. Vor allem für die jungen Leute, aber nicht nur für sie“, sagte er. In Italien lag die Jugendarbeitslosigkeit zuletzt bei mehr als 34 Prozent.

          In Zeiten, in denen das Wort „Zukunft“ auch Unsicherheit und Beunruhigung hervorrufen könne, sei Aufgabe der Politik, sich mit Innovationen messen zu können und Veränderungen wie den Klimawandel zu steuern. Nur so könne die „die neue Phase, die sich öffnet, gerechter und nachhaltiger“ gemacht werden.

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