Home
http://www.faz.net/-gq5-t4e0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Die Spur führt nach Pakistan „Informationen herausgepreßt“

11.08.2006 ·  Pakistan hat immer wieder Kritik einstecken müssen für die wankelmütig erscheinende Haltung im Kampf gegen den Terrorismus. Diesmal haben die Behörden des Landes selbst die Rolle herausgestellt, die sie bei der Aufdeckung des vereitelten Mordkomplotts gespielt hätten.

Von Peter Sturm
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Botschaft klang vertraut. Und doch war diesmal vieles ganz anders.

Nach den Terroranschlägen in London im vergangenen Jahr war nachträglich immer wieder von der „pakistanischen Spur“ die Rede gewesen. Auch im Zusammenhang mit den verhinderten Anschlägen auf Flugzeuge ist nun wieder der Name des südasiatischen Landes gefallen. Diesmal kommt die Botschaft aber nicht, mit vorwurfsvollem Unterton, aus Europa oder den Vereinigten Staaten. Diesmal haben die pakistanischen Behörden selbst die Rolle herausgestellt, die sie bei der Aufdeckung des Mordkomplotts gespielt hätten.

Einige Tage vor dem Zugriff der britischen Behörden seien in Pakistan drei Verdächtige festgenommen worden, erzählten pakistanische Sicherheitsleute dortigen Zeitungen. Die Festnahmen seien nach dem Abhören von Gesprächen vorgenommen worden. Dabei sei es um den Plan gegangen. Eine der Zeitungen, „The Nation“, zitierte einen anonymen Sicherheitsbeamten mit den Worten, man habe wichtige Informationen aus den Verdächtigen „herausgepreßt“. Die Festgenommenen hätten, so die pakistanischen Behörden weiter, über alle Einzelheiten des vereitelten Mordplanes Bescheid gewußt. Die von den Pakistanern gewonnenen Informationen seien sofort an die britischen Behörden weitergegeben worden.

Aktive Öffentlichkeitsarbeit

Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao legte großen Wert auf die Feststellung, daß sein Land eng mit Großbritannien und auch den Vereinigten Staaten zusammengearbeitet habe. Als Ergebnis von Informationen aus Großbritannien befinden sich nach pakistanischen Medienberichten weitere sieben Verdächtige in Haft.

Im Gegensatz zu früheren Fällen haben die pakistanischen Behörden eine sehr aktive Öffentlichkeitsarbeit über ihre Rolle begonnen. Die Regierung von Präsident Musharraf hat in den vergangenen Jahren viel Kritik für ihre in den Augen mancher Ausländer wankelmütige Haltung im Kampf gegen den Terrorismus einstecken müssen. Jetzt lautet die Botschaft, daß die Briten im Grunde den Pakistanern die Vereitelung des Mordplanes zu verdanken hätten.

Fester im Sattel?

Inwieweit in der Botschaft, man habe die Informationen aus den Verdächtigen „herausgepreßt“, ein Signal an den Westen steckt, wird man abwarten müssen. Pakistan ist, wie auch andere Länder, oft für die Verhörmethoden seiner Sicherheitskräfte kritisiert worden. Unter Folter erzwungene Geständnisse sind in westlichen Staaten vor Gericht nicht verwertbar. Wenn wieder einmal jemand Pakistan kritisieren sollte, könnte er zur Antwort bekommen, es habe im Falle der verhinderten Attentäter von London doch wohl geholfen, die Verdächtigen ein wenig härter anzufassen.

Die offensive Herangehensweise der pakistanischen Regierung an das Thema Zusammenarbeit mit dem Westen beim Kampf gegen Islamismus könnte auch signalisieren, daß sich die Führung um General Musharraf fester im Sattel wähnt als in der Vergangenheit. Wie weit sie mit ihrem Handeln freilich die Stimmung im Lande trifft, steht dahin. Anhänger der Islamisten schaffen es immer wieder, aus allen möglichen Anlässen große Mengen von Demonstranten gegen den Westen auf die Straße zu bringen. Islamisten haben in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, General Musharraf umzubringen.

International war Pakistan in den vergangenen Wochen in die Defensive geraten. Nach den Attentaten in der Wirtschaftsmetropole Bombay hatte Indien das Nachbarland beschuldigt, den Terror nicht energisch genug zu bekämpfen. Pakistan gilt für Indien grundsätzlich als Ursache aller terroristischen Übel im eigenen Land. Zusätzlich zum Nachteil Pakistans beginnt sich die intensivierte Kooperation Indiens mit den Vereinigten Staaten auf nuklearem Gebiet auszuwirken. Mit dem Schlag gegen die islamischen Extremisten hat sich Islamabad international wieder in Erinnerung gebracht.

Quelle: F.A.Z., 12.08.2006, Nr. 186 / Seite 2
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 1