http://www.faz.net/-gpf-7u7id

Belagerte Kurden in Syrien : Hoffen auf den Westen

  • -Aktualisiert am

Bedroht durch die islamistische Terrormiliz: Kurdische Flüchtlinge an der syrisch-türkischen Grenze Bild: dpa

Zehntausende Flüchtlinge werden in der syrischen Stadt Kobane von IS-Milizen  belagert. PKK-Kämpfer und Peschmerga wollen die Menschen befreien. Doch der Westen lässt die Kurden im Stich – wieder einmal.

          Die Allianz gegen den „Islamischen Staat“ wird immer größer. Am Montag forderte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ihre Anhänger dazu auf, die Grenze nach Syrien zu überqueren und sich dem Kampf gegen die Terrorgruppe anzuschließen. Nur durch eine solche „Mobilisierung“ sei die Belagerung der von Zehntausenden kurdischen und arabischen Flüchtlingen übervölkerten Stadt Kobane zu beenden. Bereits am Sonntag hatte der Kommandeur der irakisch-kurdischen Peschmerga-Spezialeinheiten Zeravani seine Bereitschaft bekundet, den belagerten Bewohnern Kobanes zur Seite zu springen.

          Dazu freilich bedürfe es einer politischen Übereinkunft mit der Führung der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), deren Volksverteidigungseinheiten (YPG) die Verteidigung gegen den „Islamischen Staat“ anführen.

          PKK-Anhänger demonstrieren im nordsyrischen Kobane gegen die Terrormilz IS

          Im Gespräch mit FAZ.NET hatte PYD-Chef Salih Muslim am Sonntag „schwere Waffen“ gefordert, „um die amerikanischen Panzer des ,Islamischen Staats‘ zu stoppen“. Diese hatte die Terrorgruppe im Juni und Juli aus Beständen der irakischen Regierungsarmee geplündert. Und er wurde noch deutlicher: „Wenn die internationale Gemeinschaft nicht bald aufwacht, werden wir eine Wiederholung des Massakers erleben, wie es an den Yeziden in Sindschar im August verübt wurde.“

          Doch aus Rücksicht auf den Nato-Verbündeten Türkei, der Berichten zufolge an der Belagerung Kobanes beteiligte Einheiten des „Islamischen Staat“ mit Munition ausstatten soll, halten sich Frankreich, Amerika und Deutschland zurück. Alles, was etwa von Außenminister Frank-Walter Steinmeier bislang zu dem drohenden Genozid zu vernehmen war, war eine reine Bestandsaufnahme: „Wir haben heute erneut zur Kenntnis nehmen müssen“, sagte er am Wochenende in New York, dass der IS „weitere Regionen, diesmal in Nordsyrien überfallen hat. Die Stadt Ain al-Arab und die umliegenden Ortschaften sind überfallen worden, die Menschen vertrieben worden.“

          Kontakte zum Assad-Regime?

          Pläne, etwas dagegen zu tun? Fehlanzeige. Weshalb er die Luftangriffe auf Stellungen der Terrorgruppe im Irak, nicht aber in Syrien unterstützt, sagte Steinmeier auch nicht. Im Dezember 2006 war der Sozialdemokrat das erste westliche Regierungsmitglied, das Syriens Diktator Baschar al Assad in Damaskus besuchte. Berichten zufolge soll der Bundesnachrichtendienst bereits seit Anfang des Jahres wieder Kontakte zum syrischen Repressionsapparat pflegen, um Informationen über aus Deutschland eingereiste Dschihadisten zu erhalten.

          Kobane

          Ein gemeinsames Vorgehen mit dem Regime erscheint aus Berliner Sicht mittelfristig offenbar effektiver als die mühevolle Arbeit, die Opposition zu stärken. Dass dabei die kurdischen Volksverteidigungseinheiten PYG auf der Strecke bleiben, obwohl diese es waren, die im August den Genozid an den Yeziden im Sindschar-Gebirge verhinderten, ist ein Preis, den die Bundesregierung und ihre Alliierten zu zahlen bereit scheinen. Dreieinhalb Jahre nach Beginn der arabischen Aufstände ist die westliche Nahostpolitik zurück auf Null: Bündnisse mit Diktatoren gegen Terroristen statt Unterstützung bedrängter Minderheiten, lautet die Devise.

          Weitere Themen

          Für ein Europa in Dunkelblau

          AfD-Parteitag : Für ein Europa in Dunkelblau

          Die AfD stellt in Magdeburg ihre Liste für die Wahl zum EU-Parlament auf. Mit dabei sind einige Vertreter des radikalen Flügels.

          Europa zusammen voranbringen Video-Seite öffnen

          Macron und Merkel : Europa zusammen voranbringen

          Präsident Emmanuel Macron hat bei seiner Rede zum Volkstrauertag die „unerschütterliche“ deutsch-französische Freundschaft beschworen. Angesichts der globalen Herausforderungen forderte er mehr europäische Souveränität. Merkel scheint diesmal mitziehen zu wollen.

          Finanzpoker mit Brüssel

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.

          Topmeldungen

          Matteo Salvini und Silvio Berlusconi

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.
          Jörg Meuthen, Ko-Vorsitzender der AfD, schaut während des Parteitags der Rechtspopulisten im Magdeburg am 16. November auf sein Smartphone.

          AfD-Parteitag : Für ein Europa in Dunkelblau

          Die AfD stellt in Magdeburg ihre Liste für die Wahl zum EU-Parlament auf. Mit dabei sind einige Vertreter des radikalen Flügels.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.