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Die Castro-Brüder und Chavez Havanna Club

Die Zukunft Venezuelas wird in Kuba entschieden: Fidel und Raúl Castro bereiten die Nachfolge des schwer kranken Präsidenten Hugo Chávez vor. Sie sind abhängig von dem Öl des Freundeslandes - Wahlen und andere Unwägbarkeiten würden da nur stören.

© AFP Beten für Chávez bei einer Messe in Havanna in der vergangenen Woche

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Geschicke Venezuelas maßgeblich von Kuba aus bestimmt werden, so lieferten ihn die vergangenen Tage. Statt im Präsidentenpalast in Caracas, dem Palacio Miraflores, zu tagen, reiste die kommissarisch tätige Regierungsspitze nach Havanna, um dort zu beraten, wie die komplizierte Lage zu bewältigen sei. Die beiden Brüder Raúl und Fidel Castro sind nicht nur an den Entscheidungen beteiligt, sie geben offenbar auch die strategischen Ziele vor.

Zuletzt gab es erste Anzeichen dafür, dass der schwer krebskranke venezolanische Präsident Hugo Chávez, der vor vier Wochen in Havanna zum vierten Mal operiert wurde und sich seitdem in Kuba aufhält, wieder eingebunden ist. Chávez selbst habe den früheren Vizepräsidenten Elías Jaua zum neuen Außenminister ernannt, sagte der amtierende Vizepräsident Nicolás Maduro nach seiner Rückkehr vor dem Parlament in Caracas. Mit dem Comandante gehe es „bergauf“.

Chávez hat seinen Amtseid zum Beginn seiner neuen Präsidentschaftsperiode bislang nicht geleistet, weil er dazu an dem von der Verfassung vorgeschriebenen Tag, dem 10. Januar, offenbar nicht einmal von seinem Krankenbett aus in der Lage war. Kritische Beobachter bezweifeln deshalb die Rechtmäßigkeit der Ernennung Jauas. Mit Verfahrenstricks ist Maduro geschäftsführender Präsident geworden. In dieser Position hat er vor der Nationalversammlung jetzt den alljährlichen Rechenschaftsbericht abgelegt - in weniger als zehn Minuten. Der damals schon schwerkranke Chávez hatte bei seinem Auftritt vor einem Jahr neuneinhalb Stunden ununterbrochen vor den Abgeordneten gesprochen. Maduro ist nicht wie in anderen lateinamerikanischen Ländern zusammen mit dem Präsidenten als dessen Stellvertreter gewählt worden. Er hat deshalb keinerlei Legitimation durch eine Entscheidung des Wahlvolks. Chávez hatte ihn fast in letzter Minute vor seiner jüngsten, besonders heiklen Krebsoperation benannt und ihn später seinen Landsleuten sogar als Nachfolgekandidat bei möglichen Neuwahlen empfohlen.

Opposition soll überrumpelt werden

Hauptziel in dem Machtgerangel hinter den Kulissen war bisher jedoch stets, möglichst lange ohne Wahlen auszukommen. Hinter diesem Plan kann man die regieführende Hand der Castros vermuten. Eine Wahl in Venezuela in allernächster Zeit käme ihnen besonders ungelegen. Sie müssten fürchten, dass ein Kandidat an die Macht kommen könnte, der ihre Privilegien kappen könnte. Ungünstigstes Szenario für die Castros wäre es, wenn der frühere Präsidentschaftskandidat der venezolanischen Opposition, Henrique Capriles Radonski, bei Neuwahlen siegreich wäre. Capriles hatte zwar immer wieder behauptet, die Beziehungen zu Kuba im Falle seines Wahlsiegs weiterhin pflegen zu wollen, doch hat er auch durchblicken lassen, dass er mit den Vergünstigungen wie der täglichen Lieferung von etwa 100000 Fass Erdöl zu extrem niedrigen Vorzugspreisen Schluss machen würde - das wäre für das Castro-Regime fatal. Die mutmaßlich in Havanna ausgeheckte Taktik sieht deshalb vor, die Opposition in Venezuela mit vollendeten Tatsachen zu überrumpeln, wie es jetzt Maduro vor dem Parlament praktizierte, sie zu entzweien und auszugrenzen.

Die Castros hätten es am liebsten gesehen, wenn der Chávez-Bruder Adán die Führung übernommen hätte. Er ist zwar als Gouverneur des Bundesstaats Barinas, in dem der Chávez-Clan heimisch ist, jüngst wiedergewählt worden, doch hat er keine Legitimation für die Nachfolge im Präsidentenamt. Außerdem gilt er in der Bevölkerung als unbeliebter Apparatschik.

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