http://www.faz.net/-gpf-8wmh2

Geberkonferenz in Brüssel : Deutschland stockt Hilfen für Syrien deutlich auf

  • Aktualisiert am

Warten auf Hilfe: eine Flüchtlingsfamilie in einem Flüchtlingscamp nahe dem irakischen Ramadi Bild: dpa

Die Bundesregierung will sich stärker in der Flüchtlingshilfe engagieren. Auf der Geberkonferenz für Syrien kündigt Bundesaußenminister Sigmar Gabriel eine Milliarde Euro zusätzlich an – macht jedoch eine Einschränkung.

          Deutschland stellt weitere 1,169 Milliarden Euro für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs zur Verfügung. Das kündigte Außenminister Sigmar Gabriel bei einer internationalen Geberkonferenz in Brüssel an. Das Geld solle zusätzlich zu den 2,3 Milliarden Euro fließen, die bereits bei der Geberkonferenz in London zugesagt worden waren und bis Ende 2018 ausgezahlt werden sollen.

          Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte zu der Syrien-Konferenz in Brüssel deutlich mehr Engagement der internationalen Gemeinschaft für die vor dem Bürgerkrieg geflohenen Menschen gefordert. Nach Angaben einer Sprecherin sind 2017 erst sechs Prozent der dringend benötigten rund 4,6 Milliarden Dollar – umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro – von den Gebern ausgezahlt worden.

          Das Geld soll den Geflüchteten in Syrien sowie den Nachbarländern zugutekommen. Es wird allerdings nicht an die Staaten direkt überwiesen, sondern über Uno-Organisationen und Hilfsorganisationen ausbezahlt werden. Nachbarländer haben insgesamt mehrere Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Die Situation vor Ort ist oft angespannt: Im Libanon lebten beispielsweise bereits jetzt sieben von zehn Flüchtlingen unter der Armutsgrenze, sagte eine Uno-Sprecherin.

          Giftgas-Angriff : Politiker entsetzt

          Deutschland habe großen Respekt und große Dankbarkeit für Jordanien, den Libanon und auch die Türkei, die trotz geringeren Wohlstands Millionen Flüchtlinge aufgenommen hätten, sagte Gabriel. Angesichts dieser Leistung habe er sich „manchmal in Europa für die Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen geschämt.“

          Solange es keinen Regimewechsel in Syrien gebe, dürfe das Geld allerdings nicht für den Wiederaufbau des Bürgerkriegslands eingesetzt werden, machte Gabriel deutlich. Bis wann die gesamte zugesagte Summe ausbezahlt sein soll, blieb zunächst offen. Nach Uno-Angaben hat die Zahl der Flüchtlinge, die Syrien verlasen haben, im vergangenen Monat erstmals die Fünf-Millionen-Marke überschritten. In Syrien selbst sind 13,5 Millionen Menschen auf der Flucht und auf Hilfe angewiesen. Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2011 habe es „Hunderte, Tausende Tage gegeben, die traurig, dramatisch, schrecklich waren“, sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die Konferenz müsse den Syrern zeigen, „dass wir uns um sie sorgen und wir bereit sind, die noch Lebenden zu unterstützen und den Verlust des Lebens derjenigen zu verhindern, die in Syrien und in den Nachbarländern in Gefahr sind.“

          Überschattet werden die Gespräche in Brüssel von einem folgenschweren Giftgasangriff. Nach Angaben von Oppositionellen starben am Dienstag in der von Rebellen kontrollierten Stadt Chan Scheichun im Nordwesten des Landes Dutzende Menschen, darunter auch Kinder. Die Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich und Großbritannien vermuten Syriens Regierung hinter dem Angriff. Angaben aus Moskau zufolge traf die syrische Luftwaffe hingegen eine Chemiewaffenfabrik. Nach Uno-Schätzungen sind im Bürgerkrieg in Syrien insgesamt bereits mehr als 400.000 Menschen gestorben. Alle Versuche, eine dauerhafte Waffenruhe zu etablieren, scheiterten bisher.

          Quelle: dpa/AFP

          Weitere Themen

          Netanjahu greift Erdogan an Video-Seite öffnen

          Konflikte um Jerusalem : Netanjahu greift Erdogan an

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Israel als "terroristischen Staat" bezeichnet, der "Kinder tötet". Israels Premierminister Benjamin Netanjahu reagiert bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten in Paris deutlich auf Erdogans Vorwürfe und greift ihn direkt an.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Ilse Aigner vor bayerischer Landschaft: Ist sie die Frau von morgen?

          Bayerische Mentalitäten : Auf doppeltem Boden

          Angeblich rückt Bayern heute dem Rest von Deutschland noch ein Stückchen näher. Kann es aber sein, dass sich Bayern zugleich von sich selbst entfernt?
          Der Unternehmenssitz des Spezialmaschinenbauers Aixtron

          Börsenstars 2017 : Der Tec-Dax hängt alle ab

          Kennen Sie Firmen wie Siltronic und Aixtron? Sollten Sie. Denn sie locken mit hohen Gewinnen. Auch generell lohnt sich ein Blick auf den Tec-Dax.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.