http://www.faz.net/-gpf-8zgxw

In Haft erkrankter Dissident : Deutsche Krebsexperten sollen Liu Xiaobo behandeln

  • Aktualisiert am

Liu Xia kümmert sich nach der Haftentlassung um ihren schwerkranken Ehemann Liu Xiaobo. Bild: AP

Weil er unheilbar erkrankt ist, ließ China den Nobelpreisträger aus dem Gefängnis. Nun sollen sich auch deutsche Ärzte um ihn kümmern.

          Der an Leberkrebs erkrankte chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erhält medizinische Hilfe aus dem Ausland. Auf Bitten seiner Familie seien führende Experten aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und anderen Ländern eingeladen worden, den 61 Jahre alten Dissidenten zu behandeln, teilten die Behörden in der nordöstlichen Provinz Liaoning an diesem Mittwoch wenige Stunden vor dem Deutschlandbesuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping mit. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten getroffen worden.

          Liu war kürzlich wegen seiner schweren Erkrankung, die sich im späten Stadium befinden soll, aus dem Gefängnis entlassen worden und in das Universitätskrankenhaus in der Stadt Shenyang überstellt worden. Menschenrechtsaktivisten und mehrere westliche Länder wie die Vereinigten Staaten forderten die chinesische Regierung daraufhin auf, dem Regierungskritiker eine Behandlung im Ausland zu ermöglichen.

          Verhaftet wegen eines Manifests

          Liu war 2008 verhaftet worden. Mit anderen chinesischen Intellektuellen und Bürgerrechtsaktivisten hatte er das Manifest „Charta 08“ verfasst, das zu politischen Reformen und Demokratisierung in China aufrief. 2009 wurde er wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt.

          Ein Jahr später wurde der Schriftsteller und Menschenrechtler in Abwesenheit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, was Chinas Regierung erzürnte. Seine Ehefrau Liu Xia steht seit 2010 unter Hausarrest.

          Merkel soll Xi auf Menschenrechte ansprechen

          Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, an diesem Mittwoch Defizite bei den Menschenrechten in China offen anzusprechen. Merkel empfängt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Berlin zu politischen Gesprächen und einem gemeinsamen Mittagessen. „Es gibt leider viele Punkte, bei denen wir China kritisieren müssen“, sagte Kofler den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland.

          Kofler appellierte an Merkel, sich für eine Ausreise von Liu einzusetzen. Zudem verwies sie auf die sich demnächst zum zweiten Mal jährende Festnahme von rund 300 Rechtsanwälten und Menschenrechtsverteidigern in China und erinnerte an die Defizite bei der Achtung der Rechte von Minderheiten, etwa der Uiguren oder der Menschen in Tibet.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Das Treffen von Xi und Merkel dient unter anderem der Vorbereitung des G-20-Gipfels in Hamburg, an dem beide ab Freitag teilnehmen.

          Weitere Themen

          Nie mehr unter dem Existenzminimum Video-Seite öffnen

          Nahles will Bürgergeld : Nie mehr unter dem Existenzminimum

          Für die SPD ist Hartz-IV nicht mehr haltbar, ein Bürgergeld soll stattdessen ausgezahlt werden. Bürgerinnen und Bürger dürften nicht unter das Existenzminimum gedrückt werden, erläutert Parteichefin Andrea Nahles.

          Topmeldungen

          Vereinigte Staaten : Wer kann Donald Trump besiegen?

          Sollen die Demokraten nach links rücken oder doch lieber die Mitte besetzen? Die Welt verfolgt gebannt den Ausgang des Richtungskonflikts in den Vereinigten Staaten. Nicht wenige hoffen auf eine Empfehlung des ehemaligen Präsidenten Obama.

          „Totale Verwüstung“ : Trump besucht Brandgebiet in Kalifornien

          Häuser, von denen nur noch die Schornsteine stehen und mehr als tausend Vermisste: Das Ausmaß der Brände in Kalifornien ist gewaltig. Donald Trump besucht einen besonders schwer betroffenen Ort – und zeigt sich erschüttert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.