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F.A.Z. exklusiv : Der Traum vom großen Iran-Geschäft ist geplatzt

Doch kein Markt für große Geschäfte: Gasflamme auf einer iranischen Ölplattform. Bild: Reuters

Nach dem Ende der meisten Sanktionen gegen Iran war die Hoffnung in der deutschen Wirtschaft auf neue Geschäfte immens. Das hat sich längst geändert – die angespannte politische Lage belastet außerdem.

          Die Hoffnungen waren riesig: Kaum hatte Iran das Atomabkommen mit dem Westen abgeschlossen, reiste Sigmar Gabriel (SPD), damals Wirtschaftsminister, mit einer Wirtschaftsdelegation nach Teheran. Die Aussicht auf den Wegfall der Sanktionen und einen Wirtschaftsaufschwung in Iran lockte deutsche Unternehmen in den neuen Markt. Mitte 2015 war das – zweieinhalb Jahre später ist davon nicht viel geblieben. Viele Iraner sind mit der wirtschaftlichen Entwicklung unzufrieden, und auch die meisten deutschen Betriebe haben ihre Hoffnungen abgeschrieben.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Leider haben sich die Erwartungen in das Iran-Geschäft nicht erfüllt“, sagt Ulrich Ackermann vom Maschinenbauverband VDMA. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) muss seine Prognose von 2015, das Handelsvolumen könnte sich bis 2020 auf 10 Milliarden Euro vervierfachen, revidieren. Zwar habe es stetig zugelegt, zuletzt um 20 Prozent. Doch reicht das nur für 3,5 Milliarden im vorigen und vielleicht 4 Milliarden Euro im neuen Jahr. Obwohl Iran mit mehr als 80 Millionen Einwohnern ein attraktiver Partner sei, blieben Entwicklung und Handelsbeziehungen hinter den Erwartungen zurück, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der F.A.Z.. „Die angespannte politische Lage dürfte die Situation weiter belasten.“

          Gefahr von Vereinigten Staaten belangt zu werden

          Als wichtigen Grund für die schwierige Lage macht er die Nicht-Bestätigung des Atomabkommens durch Präsident Donald Trump im Oktober aus. Mitte Januar müsse Trump die 2015 beschlossene Aussetzung der Iran-Sanktionen abermals bestätigen. „Damit ist die Gefahr für deutsche Unternehmen virulent, bei Iran-Geschäften von den Vereinigten Staaten wieder belangt zu werden“, warnt Treier.

          Auch Holger Bingmann, der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, sieht in der Washingtoner Iran-Politik das größte Hindernis. „Größtes Problem sind und bleiben die Finanzierungen“, sagte er. Die weiterhin existierenden Sanktionen und damit drohende amerikanische Strafmaßnahmen führten dazu, dass sich europäische Großbanken weigerten, mit Iran zusammenzuarbeiten.

          Ackermann vom VDMA verweist auch auf Versäumnisse Irans. Große Investitionen in die Gas- und Petrochemie sowie die Stahlindustrie würden zwar angekündigt, doch folgten oft keine Taten. Wenn Lieferanten zum Zuge kämen, seien es immer öfter Asiaten. Vor zehn Jahren hätten die Deutschen knapp 30 und die Italiener 20 Prozent des Maschinenmarktes gehalten, heute gehöre er zu Hälfte China. In der Liste der wichtigsten deutschen Handelspartner steht Iran an 61. Stelle. Das bilaterale Handelsvolumen betrug 2016 laut BGA 2,9 Milliarden Euro, wovon 2,6 Milliarden auf die deutsche Ausfuhr entfiel. Iranische Exporte erreichten nur einen Wert von 314 Millionen Euro.

          Erst im Dezember hatte die bundeseigene Außenhandelsorganisation Germany Trade and Invest festgestellt, dass es nur in einzelnen Bereichen der verarbeitenden Industrie deutlich bergauf gehe. Doch sah sie Zeichen einer langsamen Erholung. Politische Entwicklungen könnten den erhofften Aufschwung jedoch behindern. Als sie den „Wirtschaftsausblick Dezember 2017“ verbreitete, war es in Iran noch ruhig. Iran brauche viele Investitionen, schrieb die Agentur. „Völlig unzureichend“ seien etwa die Internet- und Mobilfunkversorgung. Dennoch reichte das bisschen Netz kurze Zeit später aus, um die verängstigten Machthaber dazu zu bewegen, den Kanal abzuschalten.

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