14.12.2006 · Immer mehr Franzosen stimmen nach einer Umfrage mit den Vorstellungen des rechtsextremen Politikers Le Pen „völlig überein“. Beinahe die Hälfte der Befragten fühlt sich im eigenen Land nicht mehr „zu Hause“.
Nur noch jeder dritte Franzose hält die Vorstellungen des rechtsextremen Politikers Jean-Marie Le Pen für „inakzeptabel“. Vier Monate vor den Präsidentenwahlen in Frankreich hat das Umfrageinstitut TNS-Sofres ermittelt, daß immer mehr Wähler mit Le Pens Vorstellungen übereinstimmen. 1997 hatten noch gut die Hälfte der Franzosen in einer Umfrage das Gedankengut Le Pens strikt zurückgewiesen.
Jetzt gaben 26 Prozent der Befragten an, vollkommen mit den Forderungen der rechtsextremen Front National (FN) einverstanden zu sein. Dazu zählt ein „Ausstieg“ aus der Europäischen Union, ein Einwanderungsverbot, eine „Präferenzpolitik“ für gebürtige Franzosen und eine Abschottung des französischen Marktes durch neue Zölle und Einfuhrbeschränkungen.
„Lepenisierung“ der politischen Ideen
Besonders hohe Zustimmung erhält Le Pen für seine Aussage, in Frankreich gebe es zu viele Einwanderer. 59 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage zu. 46 Prozent antworteten, sie fühlten sich in Frankreich aufgrund des hohen Ausländeranteils nicht mehr „zu Hause“.
39 Prozent teilen Le Pens Forderung nach einer notwendigen Rückkehr zu traditionellen Werten wie Disziplin und Autorität, 33 Prozent seine Kritik an der sozialen Interpretation der Banlieue-Krise, 32 Prozent seine Forderung nach einer effizienteren Politik der inneren Sicherheit und Justiz und 29 Prozent seine Kritik an der „politischen Klasse“ allgemein.
Die Verbreitung der Vorstellungen Le Pens schreitet voran, obwohl seine Partei nicht im Parlament vertreten ist. Die Strategie, die Front National zu diabolisieren, die nach dem Wahlerfolg Le Pens im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl 2002 erfolgreich Linkswähler in die Arme Chiracs getrieben hatte, greift immer weniger. Drei von zehn Franzosen sagen in der Umfrage, für die 1000 repräsentativ ausgewählte Franzosen befragt wurden, daß Le Pen keine Gefahr für die französische Demokratie darstelle.
Die „Lepenisierung“ der politischen Ideen bedeutet nach Interpretation der Sofres-Mitarbeiter jedoch nicht automatisch einen höheren Stimmenanteil für Le Pen. Er könne im April 2007 mit 13 Prozent der Stimmen rechnen. Das Umfrageinstitut CSA sagt ihm hingegen ein Ergebnis von 17 Prozent voraus. Der 78 Jahre alte Le Pen ist derweil damit beschäftigt, die nötigen politischen Patenschaften für eine Präsidentschaftskandidatur zu sammeln. Er beklagt eine Obstruktionspolitik der bürgerlichen Rechten, die ihn aus Angst davon abhalten wolle, bei der Wahl antreten zu können.
Objektivierung?
Michael Krause (MFK1)
- 14.12.2006, 19:19 Uhr
Meldung: Rechtsruck in Frankreich
Andreas Pesch (andpesch)
- 14.12.2006, 20:29 Uhr
Frankreich und Deutschland im Gleichschritt, um ihre Privilegien zu sichern
thomas schulz (peanutbutter)
- 15.12.2006, 14:17 Uhr