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Delegiertenkonferenz : Daimler-Chef Zetsche verteidigt sich bei Grünen-Parteitag

  • Aktualisiert am

Im Angesicht der Sonnenblume: Daimler-Chef Zetsche verteidigt sich auf dem Grünen-Parteitag. Bild: dpa

Trifft Auto-Boss auf Öko-Partei: Daimler-Chef Zetsche hält eine Rede beim Grünen-Parteitag. Die Basis kocht und will das vorher verhindern. Noch vor seiner Rede wird Zetsche von Parteichefin Simone Peter angegriffen.

          Es ist ein Auftritt, der mit Spannung erwartet wird. Der Chef des Autobauers Daimler, Dieter Zetsche, besucht den Parteitag der Grünen in Münster und hält dort eine Rede. Noch vor seiner Rede gibt es heftige Kritik an Zetsche. Parteichefin Simone Peter vom linken Flügel hielt ihm am das militärische Engagement des Autobauers vor: „Eine halbe Milliarde Umsatz mit Militärfahrzeugen ist immer noch 500 Millionen zu viel“, sagte sie zum Auftakt der Debatte über Verkehr und Klimaschutz. Mit zögerlichen Investitionen in Elektroautos und Tricks bei den Schadstoffwerten riskierten die Automobilkonzerne „radikale Brüche und Arbeitsplätze“.

          Auch Peters Co-Vorsitzender Cem Özdemir sprach vor Zetsches Auftritt. „Wovor haben wir Angst?“, fragte er die Delegierten. „Wir haben doch die Argumente.“ Es sei ein Kompliment für die Grünen, wenn einer der wichtigsten Konzernlenker zu ihnen komme, um über die Zukunft zu reden, sagte er vor dessen Auftritt. Klimaschutz sei nicht verhandelbar.

          Ohne Krawatte, in Jeans und Sneaker – betont lässig kam Zetsche zum Parteitag. Für seine Rede bekam er viel freundlichen Applaus und am Ende nur vereinzelte Buhrufe. Die Grüne Jugend hatte Zetsche zum Start seiner Rede im Saal mit einem Aufmarsch empfangen. Der Parteinachwuchs hielt Protestplakate in die Höhe und trug aufgeklebt den berühmten Zetsche-Schnäuzer. „Einigen von Ihnen steht das richtig gut“, sagte der Manager und wartete ab, bis der Nachwuchs von der Parteitagsregie freundlich wieder zur Seite gebeten wurde.

          Zetsche bekannte sich in seiner Rede zu den vereinbarten Klimaschutzzielen und betonte Übereinstimmungen mit den Forderungen des Grünen-Vorstands. „Die Grünen sagen, dass die Automobilindustrie nur überleben wird, wenn sie ein emissionsfreies Fahrzeug entwickelt. Das sehe ich genauso“, sagte Zetsche zu den Delegierten.

          Zuvor hatte es Protest gegen die Einladung Zetsches gegeben. Parteitagsanträge, ihn doch nicht sprechen zu lassen, fanden aber keine Mehrheit.

          Grüne gegen Burka-Verbot

          Am Morgen hat die Partei beschlossen, die vier großen Islamverbände in Deutschland vorerst nicht als Religionsgemeinschaften anerkennen zu wollen. Ditib, Islamrat, Zentralrat der Muslime und VIKZ seien religiöse Vereine, beschlossen die Delegierten auf einem Bundesparteitag am Sonntag in Münster. „Die gläubigen Muslime und ihre Gemeinschaften haben den rechtlichen Anspruch auf Gleichstellung“, sagte der religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Volker Beck. „Aber eine Struktur von Verbänden, die ihre Identität nicht der Religion, sondern der Politik der Heimatländer verdankt, hat mit Religionsgemeinschaft nichts zu tun.“

          Parteitag in Münster : Grüne beschließen Vermögenssteuer für Superreiche

          Mehrere islamische Verbände streben in Deutschland eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts an. Dadurch würden sie im Prinzip die gleichen Rechte erhalten wie die großen Kirchen. Dahinter steht auch das Problem, wer islamischen Religionsunterricht an Schulen verantworten soll. Die Bundesländer haben Probleme, anerkannte Religionsgemeinschaften dafür zu finden.

          Burka und Gesichtsschleier seien oft Ausdruck eines frauenfeindlichen Gesellschaftsbildes, heißt es im Beschluss weiter. Aber auch: „Nicht alles, was man falsch findet, kann man verbieten.“ Partielle Verbote, etwa zur Sicherheit im Straßenverkehr, müssten „gut begründete Ziele haben“.

          Quelle: tist./dpa

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