Home
http://www.faz.net/-gpf-7599b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Debatte über Waffenrecht „Paranoide Vision eines noch gewalttätigeren Amerikas“

„Realitätsverweigerung“, „wahnhaft“, „verlogen“: Mit ihrer Forderung, mit noch mehr Waffen an Schulen auf das Blutbad von Newtown zu reagieren, hat die amerikanische Waffenlobby empörte Reaktionen ausgelöst.

© AFP Vergrößern „Die NRA tötet unsere Kinder“ steht auf einem der Transparente, mit denen Demonstranten am Freitag auf der Pressekonferenz der NRA gegen die Waffenlobby protestierten

Die amerikanische Waffenlobby ist mit  ihrer Forderung nach mehr Waffen an Schulen als Reaktion auf das Blutbad von Newtown auf scharfe Kritik gestoßen. Der New Yorker  Bürgermeister Michael Bloomberg warf dem Lobbyverband NRA eine  „paranoide Vision eines noch gewalttätigeren Amerikas“ vor. Senator  Frank Lautenberg aus New Jersey sagte, der Verband liege weit von  dem entfernt, was die amerikanische Öffentlichkeit wolle. Die „New York Times“  bezeichnete die Äußerungen des NRA-Vizepräsidenten Wayne LaPierre  am Samstag als „verlogen, wahnhaft“ und eine „fast verwirrte  Hasstirade“. Die stellvertretende Direktorin des Anti-Waffen-Gruppe Code Pink, Medea Benjamin, warf der NRA Realitätsverweigerung vor: „Sie haben die Schuld für die Gewalt auf alle möglichen Dinge geschoben - nur nicht auf die Waffen selbst.“

LaPierre war am Freitag eine Woche nach dem Schulmassaker von  Newtown vor die Presse getreten. Er hatte sich dabei für den Einsatz bewaffneter Polizisten an jeder Schule ausgesprochen. „Das  einzige, was einen bösen Menschen mit einer Waffe aufhält, ist ein  guter Mensch mit einer Waffe“, sagte er in Washington.

Mehr zum Thema

Bei dem Amoklauf in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown hatte ein 20 Jahre alter Mann am Freitag vor einer Woche 20 Kinder sowie sechs  Erwachsene erschossen. Zuvor hatte der Attentäter zuhause auch  seine Mutter getötet. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst. Das  Verbrechen hatte die Debatte um Waffenbesitz in den Vereinigten Staaten neu entfacht.

Am Freitag veröffentlichten zahlreiche Hollywood-Stars, darunter  Gwyneth Paltrow, Julianne Moore und Jamie Foxx, ein Video, in dem  sie sich unter anderem für ein Verbot von automatischen  Schnellfeuergewehren sowie eine schärfere Überprüfung von  Waffenkäufern aussprechen. „Columbine. Virginia Tech. Tucson.  Aurora. Fort Hood. Oak Creek. Newtown. Newtown. Newtown,“ zählen  die Schauspieler den letzten und vorangegangene Amokläufe in dem  Video auf. „Wie viele mehr?“

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streit um das G36 Heckler & Koch kritisiert Auswahl der Vergleichswaffen

Bei Hitze und schnellem Feuer soll das Sturmgewehr G36 schlechter schießen als andere Waffen – sagt die Bundeswehr, und beruft sich auf einen umfangreichen Test. Das Rüstungsunternehmen wittert Manipulation. Und begründet den Vorwurf mit der Auswahl der Vergleichswaffen. Mehr

21.04.2015, 16:44 Uhr | Wirtschaft
Pakistan Lehrer erhalten Schusswaffentraining nach Schul-Anschlag

Als Reaktion auf das verheerende Schulmassaker der radikalislamischen Taliban in Peshawar im Nordwesten Pakistans unterrichtet die Polizei nun interessierte Lehrkräfte im Umgang mit Waffen. Mehr

30.01.2015, 13:04 Uhr | Politik
Kino-Amoklauf in Aurora Der Typ ist geistig gesund

War James Holmes bei Verstand, als er in eine Batman-Vorstellung stürmte, zwölf Menschen tötete und siebzig weitere verletzte? Er war geisteskrank, behauptet die Verteidigung beim Prozessauftakt. Der Staatsanwalt und zwei Gutachter sehen das anders. Mehr Von Christiane Heil

28.04.2015, 10:42 Uhr | Gesellschaft
Flughafen Frankfurt Jeder zweite könnte Waffen schmuggeln

EU-Ermittler haben sich den Flughafen in Frankfurt vorgenommen: Offenbar konnten sie mehrfach Waffen oder andere gefährliche Gegenstände durch die Sicherheitskontrollen schmuggeln. Grund sei laut der EU-Kommission schlecht geschultes Personal. Mehr

22.12.2014, 09:37 Uhr | Gesellschaft
Wie beim G36 Auch amerikanische Soldaten schießen daneben

Nicht nur die deutschen Soldaten haben Probleme mit ihrem Sturmgewehr, sondern auch die amerikanischen Streitkräfte: Das M4 gelangt nicht nur im Afghanistaneinsatz an seine Grenzen. Nun soll es modernisiert werden. Mehr Von Lorenz Hemicker

29.04.2015, 13:51 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.12.2012, 08:59 Uhr

Die konkrete Gefahr

Von Katharina Iskandar

Nach dem vereitelten Anschlag in Oberursel ist die Gefährdungslage nicht mehr abstrakt. Nun kommt es auch auf die Wachsamkeit der Bürger an. Mehr 11