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Veröffentlicht: 03.12.2012, 17:59 Uhr

David Petraeus Kein Kampf mehr um Herzen und Köpfe

Lange vor der Person David Petraeus kam die nach ihm benannte Doktrin zu Fall. In dessen Zentrum stand der Schutz der Zivilbevölkerung im Kampf gegen Terrornetze. Das ist nun anders.

von , Washington
© dapd Der General: 2010 wurde David Petraeus Oberbefehlshaber in Afghanistan

Nach dem Rücktritt von CIA-Direktor David Petraeus am 9. November hieß es allenthalben, die außereheliche Affäre mit seiner Biographin Paula Broadwell werde dessen Vermächtnis als einer der wichtigsten Generäle seiner Generation nicht beschädigen. Die Leistung des Heeresgenerals etwa, in dem schon fast verlorenen Krieg im Irak von Januar 2007 an als Befehlshaber aller Truppen doch noch die Wende erreicht zu haben, bleibe bestehen. Dort habe Petraeus die wesentlich von ihm mitentwickelte Strategie zur Bekämpfung von Aufständischen erfolgreich zur Anwendung bringen können.

Matthias Rüb Folgen:

Als David Petraeus Anfang 2007 nach Bagdad kam, begann er seinen dritten Einsatz im Irak. Beim Einmarsch im Frühjahr 2003 hatte Petraeus, damals noch im Range eines Generalmajors, die 101. Luftlandedivision des Heeres geführt, die nach heftigen Kämpfen in Nadschaf, Kerbela, Hilla und Bagdad bis nach Mossul in den Norden des Landes durchmarschierte. Es war der erste wirkliche Kampfeinsatz für den Absolventen der Militärakademie West Point, wo er die Ausbildung 1974 im Alter von 22 Jahren abgeschlossen hatte. In Mossul gelang es der von Petraeus geführten Division bald, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.

Kaderschmiede für den Führungsnachwuchs

Mit kleinen, mobilen Einheiten wurden strategisch wichtige Punkte gesichert, die Bevölkerung wurde vor Übergriffen von Extremisten und Kriminellen geschützt. Die örtliche Wirtschaft und die Infrastruktur wurden mit massiven Infusionen von Bargeld rasch wieder aufgebaut. Die Offiziere pflegten enge Verbindungen mit den örtlichen Stammesführern und gewählten Politikern. „Was hast du heute getan, um die Herzen und Köpfe der Iraker zu gewinnen?“, ließ Petraeus auf Plakate schreiben, welche die Soldaten in ihren Unterkünften an den Kern ihrer Aufgabe erinnerten. Als der damalige Direktor der amerikanischen Übergangsverwaltung in Bagdad, Paul Bremer, im Mai 2003 erstmals nach Mossul kam, begründete Petraeus sein Vorgehen mit den Worten: „Geld ist Munition.“

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Bei seinem zweiten Einsatz im Irak von Juni 2004 bis September 2005 war Petraeus, inzwischen zum Generalleutnant befördert, in Bagdad als Befehlshaber des multinationalen Kommandos zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung für den Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte zuständig. Diese Aufgabe konnte er freilich nicht zu Ende bringen, mit mäßigem Erfolg verließ er Bagdad. Anschließend wurde Petraeus zum Befehlshaber des „Combined Arms Center“ in Fort Leavenworth in Kansas ernannt. Das Center ist Kaderschmiede für den Führungsnachwuchs und überwacht zugleich die Tätigkeit der meisten Hochschulen der Streitkräfte. Gemeinsam mit anderen Offizieren verfasste Petraeus dort das neue Feldhandbuch des Heeres und der Marineinfanterie für den Kampf gegen Aufständische (FM 3-24). Im Vorwort des Handbuches heißt es unter anderem: „Soldaten müssen zugleich kämpfen und Nationen aufbauen.“ Als historische Folie für die neue Doktrin dienten die Kriege der Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich in der arabischen Welt und im Maghreb, die jugoslawischen Zerfallskriege auf dem Balkan und der Krieg in Vietnam, dem Petraeus schon seine Dissertation an der Universität Princeton von 1987 gewidmet hatte.

Ausgehuniform gegen Kampfanzug getauscht

Als Befehlshaber der Koalitionstruppen im Irak von Januar 2007 bis September 2008 erreichte Petraeus, inzwischen zum Vier-Sterne-General aufgestiegen, bei seinem dritten Einsatz im Irak die kaum noch für möglich gehaltene Wende im Krieg. Mit gut 20.000 zusätzlichen amerikanischen Soldaten sowie unterstützt von der Bewegung des sunnitischen „Erwachens“, die sich von den Extremisten um das Terrornetz Al Qaida abgewandt hatte, gelang die Stabilisierung der Lage. Im Zentrum der Strategie zur Aufstandsbekämpfung (Counterinsurgency), die bald als Petraeus-Doktrin bezeichnet wurde, stand der Schutz der Zivilbevölkerung, nicht die Eliminierung von Aufständischen.

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