Über keine Nation erheben sich die Briten so gerne wie über die vermeintlich ungebildeten Amerikaner, die nicht einmal Manchester oder Birmingham einem Land zuordnen können. Dieses Vorurteil erkor der amerikanische Talkshow-Veteran David Letterman zum Leitmotiv und fragte seinen Gast, den britischen Premierminister David Cameron, gleich zu Beginn des Gesprächs, ob er „viele doofe amerikanische Fragen“ loswerden dürfe. „Schießen Sie los!“, antwortete Cameron selbstbewusst. Wer, wollte Letterman wissen, habe eigentlich das Lied „Rule, Britannia“ geschrieben? Der Refrain ist auf der Insel mindestens so bekannt wie „Freude, schöner Götterfunken“ in Deutschland, also eine Art musikalisches Nationalerbe, weshalb Cameron leicht errötete, als er ausweichend zurückfragte: „Sie wollen mich wohl prüfen?“ Zögerlich wagte er schließlich einen Namen - aber mit Edward Elgar verschätzte er sich um fast 200 Jahre. Der Liedtext stamme von James Thomson, belehrte ihn Letterman, und die Vertonung wiederum geht auf Thomas Arne zurück.
Das war, in Camerons eigenen Worten „kein guter Start“ - dabei dürfte er sich genau den gewünscht haben, denn sein parteiinterner Rivale, der Londoner Bürgermeister Boris Johnson, hatte erst kürzlich einen rundum gelungenen Auftritt bei Letterman absolviert. Johnson war es im Juni auf charmante Weise gelungen, London als bessere Alternative zu New York verkaufen und Lettermans Fragen zu parieren, wie es sich für einen Briten gehört: mit Witz. Als er gefragt wurde, warum er in New York geboren wurde, antwortete Johnson: „Meine Mutter lebte in New York, und ich war damals recht eng mit ihr.“
Dagegen der unglückliche Cameron. Kaum hatte er sich von seiner Liedgut-Schlappe erholt, da schoss Letterman ein zweites Mal los. Wie genau, wollte der Talkmaster nun wissen, übersetzt man „Magna Carta“ ins Englische? Abermals musste der Oxford-gelehrte Regierungschef - er hatte dort unter anderem Politik studiert - passen. „Great Charter“, löste Letterman das Rätsel auf, und Cameron nickte verständig. Daraufhin machte der Gastgeber eine Kunstpause, blickte Cameron prüfend in die Augen und fragte: „Aber Sie kennen Texas und Nebraska?!
