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Winterspiele in Südkorea : Kim Jong-uns Sister Act

Bastelt am Personenkult ihres mächtigen Bruders: Kim Yo-Jong mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il (Archivbild, 2015) Bild: AP

Nordkoreas Diktator fährt persönlich nicht zur Eröffnung der Winterspiele nach Südkorea. Stattdessen schickt er seinen ältesten Mitarbeiter und seine Chefpropagandistin – seine Schwester. Wer sind die Personen aus dem inneren Zirkel des Machtapparates?

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un macht sich rar. Keine einzige Auslandsreise ist von ihm überliefert, zu groß wohl die Sorge vor einem Anschlag und nicht zu kontrollierenden Szenen, die dann als Fernsehbilder um die Welt gehen. Der Diktator schickt deshalb seine engsten Mitarbeiter nach Pyeongchang, wenn am Freitag die Winterspiele in Südkorea eröffnet werden: Kim Yo-jong und Kim Yong-nam.

          Die interessantere Persönlichkeit von beiden ist Kim Yo-jong. Sie ist die jüngere Schwester Kim Jong-uns, wie er wohl zeitweise auf eine Schweizer Schule gegangen und eine enge Vertraute des scheuen Diktators. Die 28-Jährige ist Vizedirektorin der nordkoreanischen Parteiabteilung für Agitation und Propaganda – in der Funktion so etwas wie die Propagandachefin des Regimes und speziell ihres Bruders. Seit 2016 ist sie zudem Mitglied des Partei-Zentralkomitees, gehört also offiziell zum inneren Zirkel um Kim Jong-un.

          In Windeseile zum Herrscher etabliert

          Das ist insofern bemerkenswert, als Frauen in der patriarchalen Hierarchie des Regimes bisher kaum eine Rolle spielten. Kim Jong-uns Ehefrau, Ri Sol-ju, bekleidet eher die Rolle einer typischen „First Lady“ und hegt bislang kaum politische Ambitionen. Über Kim Yo-jong soll wiederum bereits ihr Vater, der 2011 verstorbene Kim Jong-il, anerkennend gesagt haben, sie sei politisch interessiert und talentiert. Nach Kim Jong-ils – trotz schwerer Krankheit – unerwartetem Tod im Dezember 2011 soll seine Tochter maßgeblich daran mitgewirkt haben, den jungenhaft wirkenden „Kronprinzen“ Kim Jong-un in Windeseile als zukünftigen Herrscher zu etablieren. Mit Erfolg.

          Kim Yo-jong bei einem Termin in Pjöngjang (April 2017)

          Zur Beerdigung ihres Vaters war die 28-Jährige im Staatsfernsehen zu sehen, seitdem taucht sie regelmäßig auf den offiziellen Fotos auf, die den Machthaber bei seinen legendären Vor-Ort-Anleitungen zeigen, also bei Inspektionen von Fabriken, Kindergärten oder Schulen. Sie ist für die PR-Termine ihres Bruders zuständig und baut an dessen Personenkult mit. Dieser – selbst im internationalen Vergleich unter sozialistischen oder postsozialistischen Regimen – in jeder Beziehung extreme Kult war lange vornehmlich auf Staatsgründer Kim Il-sung und in schwächerem Maße auf seinen Sohn Kim Jong-il zugeschnitten. Noch 2013 gab es so gut wie kein Porträt oder Propagandaplakat mit dem Konterfei des jungen Herrschers im Land. Das hat sich seitdem geändert.

          Kim Yo-jong ist eine der wenigen Personen im nordkoreanischen Machtgefüge mit direktem Zugang zum Diktator; zweifellos sind die beiden seit frühesten Kindertagen miteinander vertraut. Sie ist die Tochter von Kim Jong-ils dritter Frau oder Freundin und hat damit die gleiche Mutter wie Kim Jong-un. Wie er soll Kim Yo-jong einen Teil ihrer Kindheit zuerst in einer der abgeschotteten Privatresidenzen der Herrscherfamilie in Pjöngjang verbracht haben, danach ging sie mehrere Jahre auf eine Schweizer Privatschule. Über ihren weiteren Werdegang ist wenig bekannt, vermutet wird aber, dass sie auf der staatlichen Kim-Il-sung-Universität von Pjöngjang studiert und wohl auch zeitweise an einer Militärschule Kurse belegt hat.

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