Die syrische Regierung hat der Opposition mit einer umfassenden Militäroffensive gedroht. Regierungsnahe Onlinemedien meldeten am Donnerstag, die Widerständler hätten 24 Stunden Zeit, um ihre Waffen niederzulegen. Sollten sie dies nicht tun, werde die Armee die „Terroristen mit militärischen Mitteln“ bekämpfen. Dies haben die Regierung von Baschar al Assad auch dem Syrien-Sondergesandten der Vereinten Nationen, Kofi Annan, mitgeteilt. Regimegegner äußerten die Vermutung, die Regierung wolle sunnitische Araber aus bestimmten Wohngebieten vertreiben, um alawitische Enklaven zu schaffen.
Unterdessen besuchten die UN-Beobachter in Syrien am Donnerstag die Stadt Haffe nahe Lattakia. Zwei Tage zuvor waren sie bei dem Versuch, sich der Stadt zu nähern, beschossen worden. Am Mittwoch hatten sich die Rebellen aus der Stadt zurückgezogen. Die Armee hatte Haffe seit dem 5. Juni beschossen, seit dem 7. Juni hatten die UN-Beobachter versucht, die Stadt zu erreichen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters, der die Beobachter begleitete, sagte, die Stadt sei heftig beschossen worden und wirke wie ausgestorben. Derweil warf die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dem syrischen Regime in einem 70 Seiten umfassenden Bericht vor, gezielt Rache an Bewohnern von Ortschaften zu üben, die sie verdächtigt, Oppositionsgruppen zu unterstützen. Der Bericht basiert auf Interviews mit Bewohnern von 23 Ortschaften und Städten.
Im Damaszener Stadtteil Sayyida Zainab detonierte am Donnerstag eine Autobombe 50 Meter von einer schiitischen Pilgermoschee entfernt; mindestens 14 Menschen wurden verletzt. In Idlib detonierte eine Autobombe in der Nähe eines Straßenkontrollpunkts der regulären Armee und tötete eine unbekannte Zahl an Soldaten. Bei einem Gefecht mit der Armee in Rastan nahe Homs wurde der militärische Führer der Rebellen in Rastan getötet. Die syrische Regierung teilte mit, das Land befinde sich nicht in einem Bürgerkrieg; das hatte am Vortag Hervé Ladsous gesagt, der für Friedenssicherung zuständige UN-Untergeneralsekretär.
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle sagte derweil nach einem Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow anlässlich einer internationalen Konferenz in Kabul, er sehe „vorsichtige erste Zeichen einer gewissen Bewegungsbereitschaft“ auf der russischen Seite. Diese „aufkeimende Flexibilität“ wolle er stärken. Im UN-Sicherheitsrat hat Moskau ein härteres Vorgehen gegen Syrien bislang verhindert. Unterdessen wurde bestätigt, dass Papst Benedikt XVI. vom 14. bis 16. September trotz des syrischen Bürgerkriegs das Nachbarland Libanon besuchen will.
