Bei abermaligen schweren Krawallen um ein Kopenhagener Jugendzentrum hat die Polizei in der Nacht zum Samstag knapp 200 Teilnehmer festgenommen. Nach offiziell nicht bestätigten Angaben von Augenzeugen sind darunter zahlreiche Deutsche. Sie hätten bei den Straßenkämpfen eine zentrale Rolle gespielt, hieß es weiter. Ein Demonstrant wurde verletzt. Nach Polizeiangaben wurde er von einem Pflasterstein getroffen.
Nach einer zunächst friedlichen, aber nicht genehmigten Protestaktion mit knapp 1000 Demonstranten setzte die Polizei Tränengas ein, als Angehörige autonomer Gruppen Pflastersteine warfen. Demonstranten errichteten nach Mitternacht im Stadtteil Nørrebro Barrikaden und setzten Autos in Brand.
Polizei konnte Krawalle erst nach Stunden stoppen
In der Nähe des 1971 von Hippies auf einem ehemaligen Kasernengelände gegründeten „Freistaates Christiania“ stürmten Demonstranten eine Schule und verwüsteten das Innere. Die Polizei konnte die Krawalle erst nach mehreren Stunden stoppen. Sie hatte aus ganz Dänemark Verstärkung angefordert.
Am Vorabend waren bei ähnlichen Auseinandersetzungen ein Polizist und vier Demonstranten verletzt worden. Es gab 250 Festnahmen. In zahlreichen deutschen Städten kam es zu Protestdemonstrationen gegen die Räumung des Kopenhagener „Jugendhauses“ („Ungdomshuset“).
Das Autonomenzentrum war seit 1981 besetzt. Es ist von der Stadt Kopenhagen an eine Freikirche verkauft worden und wurde am Donnerstag von der Polizei mit Antiterror-Einheiten geräumt.
Wegen der gewalttätigen Ausschreitungen in Kopenhagen beobachtet die Bundespolizei verstärkt den Grenzverkehr zwischen Deutschland und Dänemark. Es gebe aber keine Grenzkontrollen, betonte ein Sprecher der Bundespolizei am Samstag in Flensburg.
