04.09.2007 · Die dänische Polizei hat acht „ausnahmslos militante Islamisten“ festgenommen. Sie standen nach Angaben der Polizei in „engem Kontakt“ zum Terrornetz Al Qaida. Bei Razzien wurde auch Sprengstoff gefunden.
Dänische Sicherheitskräfte haben am Dienstagmorgen in Kopenhagen und Umgebung acht mutmaßliche Islamisten mit Verbindungen zu Al Qaida festgenommen. Die Männer „ausländischer Herkunft“ werden verdächtigt, Sprengstoffanschläge vorbereitet zu haben. Bei der großangelegten Aktion wurde die dänische Sicherheitspolizei PET von der Polizei und Sprengstofffachleuten unterstützt. In fünf Stadtteilen wurden insgesamt elf Häuser durchsucht.
PET-Chef Jakob Scharf sagte, zu der Aktion sei es nach monatelangen Überwachungen gekommen, da man nun genügend Beweise gehabt habe. Ein Eingreifen sei wegen der Herstellung „unstabilen Sprengstoffs in Wohngegenden“ nötig geworden. Bei den acht Festgenommenen, die aus Afghanistan, Pakistan, Somalia und der Türkei stammten, handele es sich um Männer im Alter von 19 bis 27 Jahren, von denen sechs die dänische Staatsbürgerschaft hätten. Zwei würden am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt.
Die Hauptverdächtigen seien militante Islamisten mit ausländischen Verbindungen, auch mit direkten Kontakten zu hochstehenden Führern von Al Qaida. Die Polizei habe keinen Grund zu einer Änderung der generellen Gefahreneinschätzung, nach der es in Dänemark einzelne Personen gibt, die zu Anschlägen in der Lage seien.
Bisher zwei größere Verfahren gegen Islamisten
In Dänemark hat es bisher zwei größere Verfahren gegen Islamisten gegeben. Im sogenannten Glostrup-Fall waren vier junge dänische Islamisten verhaftet und vor Gericht gebracht worden, nachdem in Sarajevo am 19. Oktober 2005 zwei Personen festgenommen waren, die im Besitz von Waffen und Sprengstoff waren und ein „Selbstmordvideo“ angefertigt hatten: ein Däne türkischer Herkunft und ein schwedischer Staatsbürger, genannt „Maximus“.
Die Zusammenarbeit der bosnischen und schwedischen Sicherheitsbehörden führte Ende Oktober 2005 zu Hausdurchsuchungen in Frederiksberg und Glostrup; vier „dänische“ Unterstützer der Terroristen von Sarajevo wurden verhaftet. Während das Gericht in Sarajevo den Dänen wegen Vorbereitung eines Terroranschlags zu 13 Jahren Haft verurteilte und den Schweden „Maximus“ zu 15 Jahren, genügte den dänischen Richtern die von PET vorgelegte Beweislage, meist Abhöprotokolle von Telefonaten, die unterschiedliche Auslegungen zuließen, nicht.
Im Februar 2007 wurden, obwohl die Geschworenen alle vier verurteilen wollten, drei der Angeklagten von den Berufsrichtern freigesprochen, einer erhielt sieben Jahre Haft. Der Reichsankläger plant jedoch eine neue Anklage gegen einen der Freigesprochenen.
Außerordentlich umstrittene Kronzeugen
Im sogenannten Valsmose-Fall geht es um sieben junge Muslime aus Valsmose, einem Problem-Stadtteil von Odense, von denen vier jetzt vor Gericht stehen. Sie waren nach längerer PET-Überwachung im Oktober 2006 verhaftet worden. Bei Wohnungsdurchsuchungen hatte man Sprengstoff und Metallsplitter gefunden. Zentral in diesem juristisch noch zweifelhafteren Verfahren ist die Rolle des außerordentlich umstrittenen Kronzeugen, der sich der Polizei angedient hatte und möglicherweise die jungen Muslime zu ihren Plänen und Vorbereitungen anstiftete.