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Colonia Dignidad Deutscher Sektenführer Schäfer in Argentinien gefaßt

11.03.2005 ·  Außenminister Fischer begrüßte die Festnahme des Gründers der berüchtigten Siedlung Colonia Dignidad, Paul Schäfer. Der 84jährige galt als einer der meistgesuchten Männer Chiles. Seine Sekte soll Pinochets Folterknechte unterstützt haben.

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Außenminister Joschka Fischer hat die Festnahme des ehemaligen Leiters der deutschen Siedlung „Colonia Dignidad“, Paul Schäfer, als „gute Nachricht“ begrüßt. Dank der „hervorragenden Zusammenarbeit“ zwischen deutschen, chilenischen und argentinischen Behörden bei der Strafverfolgung habe man Schäfer fassen können, sagte Fischer am Freitag in Berlin.

Die „intensiven Bemühungen“ der Bundesregierung, Schäfer zu fassen, hätten zum Erfolg geführt. Jetzt werde eine umfassende Aufklärung und Ahndung aller kriminellen Handlungen in der früheren „Colonia Dignidad“ in Chile möglich, so Fischer.

Unter den Meistgesuchten

Nach neun Jahren Fahndung war der seit 1997 untergetauchte deutsche Sektenführer Paul Schäfer am Donnerstag in Argentinien festgenommen worden. „Chile hofft, ihn sobald wie möglich hier vor Gericht stellen zu können“, sagte der stellvertretende Innenminister des Landes, Jorge Correa.

Der 84 Jahre alte Gründer der berüchtigten deutschen Siedlung Colonia Dignidad in Chile war mit drei Begleitern in der Nähe von Buenos Aires in einem vornehmen Wohngebiet festgenommen worden. Er galt als einer der meistgesuchten Männer Chiles.

Im Herbst vergangenen Jahres war er von einem chilenischen Gericht in Abwesenheit wegen sexuellen Mißbrauchs von 26 Kindern verurteilt worden. Auch in Deutschland liegt ein Haftbefehl wegen Mißbrauchsvorwürfen gegen ihn vor.

Im Visier der Fahnder

Schäfer hatte die geheimnisumwobene Sekte 1961 gegründet. Aus Deutschland war er geflohen, nachdem ihm dort sexueller Mißbrauch vorgeworfen worden war. Zahlreiche Anhänger waren ihm in den sechziger Jahren nach Chile gefolgt.

Das rund 140 Quadratkilometer große und streng abgeriegelte Gelände Colonia Dignidad, das später in Villa Baviera umbenannt wurde, liegt rund vier Autostunden südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago. Die Siedlung stand im Zentrum Dutzender Verfahren unter anderem wegen sexuellen Mißbrauchs und Steuerhinterziehung.

Bonner Staatsanwaltschaft prüft Auslieferungsgesuch

Zudem ermittelte die Justiz wegen Verstoßes gegen die Menschenrechte, weil die Sekte mit der von 1973 bis 1990 herrschenden Militärjunta des früheren Diktators Augusto Pinochet zusammengearbeitet haben soll. Die Sekte soll der Geheimpolizei der Junta auf ihrem Gelände ermöglicht haben, politische Gefangene zu foltern.

Etwa 280 Mitglieder der einstigen Sekte leben noch immer auf dem Gelände. Viele von ihnen sind hochbetagte Deutsche, die des Spanischen nicht mächtig sind und völlig isoliert leben. Schäfer predigte Schweigen, harte Arbeit und körperliche Züchtigung. Er verbot Fernsehen und Telefon. Angehörige der Sekte warfen ihm später vor, er habe ihre Familien zerstört. Die Sekte trennte Männer und Frauen voneinander und nahm Eltern ihre Kinder.

Unterdessen prüft die Bonner Staatsanwaltschaft einen Auslieferungsantrag bei den argentinischen Behörden. Das sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel am Freitag in Bonn. Gegen Schäfer liege seit September 1997 ein internationaler Haftbefehl vor. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn noch wegen sexuellen Mißbrauchs aus seiner Zeit im Rheinland.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters und dpa
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