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Veröffentlicht: 11.11.2012, 19:24 Uhr

CIA-Chef Petraeus Gefährliche Liebschaft

Die Affäre mit seiner Biografin hat CIA-Chef David Petraeus die Karriere gekostet. Fraglich ist, ob mehr dahintersteckt.

von , Washington
© AFP Die Affäre mit Paula Broadwell kostete den CIA-Chef David Petraeus den Job

Die glänzende Karriere des David Petraeus kam zu einem abrupten Ende, weil Paula Broadwell gegen das erste Gebot für Geliebte verstieß: Du sollst keine Besitzansprüche stellen. Paula Broadwell feierte am Freitag im Restaurant „Inn at Little Washington“ gerade mit ihrem Mann Scott und mit Freunden ihren vierzigsten Geburtstag, als die Nachricht vom Rücktritt des Kriegshelden und CIA-Direktors wie eine Bombe in der amerikanischen Hauptstadt einschlug. Ob Scott Broadwell, Vater der beiden gemeinsamen Kinder und von Beruf Radiologe, von der Affäre seiner Frau mit dem vielleicht bedeutendsten General seiner Generation gewusst hat, ist nicht bekannt. Man weiß auch nicht, ob Holly Petraeus, seit 38 Jahren Ehefrau von David Petraeus und die erwachsenen Kinder Anne und Stephen, über den Fehltritt des Ehemanns informiert war.

Matthias Rüb Folgen:

Man weiß aber inzwischen, wie die Affäre von Petraeus und der zwanzig Jahre jüngeren Broadwell ans Licht kam. Dabei ist eine weitere Frau im Spiel, deren Identität und Rolle in der Causa Petraeus bisher im Dunkeln geblieben ist. Die betroffene Frau, die mit Petraeus privat oder beruflich in Verbindung stand, erhielt per E-Mail immer wieder beunruhigende Drohungen, so dass sie sich an das FBI wandte. Die Bundespolizei nahm sich schon in diesem Frühjahr der Sache an - und stieß nach mehrere Monate dauernden Ermittlungen angeblich zufällig auf die Affäre von David Petraeus und Paula Broadwell. Die Überwachung des E-Mail-Verkehrs zwischen Patraeus und Broadwell über deren private Google-Mail-Konten brachte nicht nur die intime Verbindung ans Licht, sondern ergab auch, dass vertrauliche und geheime Dokumente in den Besitz der Geliebten und Vertrauten des einstigen Generals und CIA-Direktors gelangt waren. Es heißt, diese Dokumente seien aber nicht von Petraeus an Broadwell weitergegeben worden.

Petraeus als Dissertationsgegenstand

Die Verbindung zwischen Petraeus und Broadwell reicht mindestens sechs Jahre zurück. Die damals 34 Jahre alte Frau stellte sich Petraeus an der Kennedy School an der Harvard-Universität vor, wo der General einen Vortrag gehalten hatte. Broadwell absolvierte dort einen Postgraduierten-Studiengang, Petraeus polierte mit dem Vortrag sein Image als maßgeblicher intellektueller Kopf der amerikanischen Streitkräfte. Petraeus ist Absolvent der Militärakademie West Point und der Elite-Universität Princeton. Broadwell ist Absolventin der Militärakademie West Point und der Elite-Universität Harvard. Petraeus ist von großem Ehrgeiz beseelt und ein Fitnessfanatiker, dasselbe sagt man von Broadwell. Jedenfalls gab Petraeus damals Broadwell seine Visitenkarte, und es begann eine lange Verbindung.

Paula Broadwell strebte nach dem Master-Abschluss in Harvard eine Dissertation an, und deren Gegenstand war - General David Petraeus. Der stieg derweil auf der Karriereleiter weiter nach oben. 2005 hatte Petraeus mit anderen Offizieren das neue Feldhandbuch des Heeres für den Kampf gegen Aufständische verfasst. Dort heißt es, dass „Soldaten zugleich kämpfen und Nationen aufbauen müssen“. Im Irak, wo Petraeus während der Invasion vom Frühjahr 2003 die 101. Luftlandedivision kommandiert hatte und von 2007 als Kommandeur aller Truppen nach der amerikanischen Truppenverstärkung die Wende im Zweistromland herbei zwang, sowie in Afghanistan von Juni 2010 an konnte er als Kommandeur der internationalen Truppen die neue Doktrin zur Anwendung bringen.

Stolz auf das enge Verhältnis

Petraeus lud Paula Broadwell mehrfach nach Afghanistan ein, gewährte ihr Zugang, forderte sie beim Joggen heraus. Inzwischen hatte Broadwell einen Verleger gefunden für ihre geplante Dissertation, statt einer akademischen Arbeit sollte es nun eine Biografie des Generals werden. Das Buch, das sie mit Hilfe eines Journalisten der „Washington Post“ verfasste, erschien 2011 unter dem Titel „All In: The Education of General David Petraeus“. Die Autorin sprach bei Auftritten zur Vorstellung ihres Buches mit Stolz über ihr enges Verhältnis zu Petraeus.

Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan Mitte 2011 strebte Petraeus den Posten des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs im Pentagon an, doch Präsident Barack Obama wollte den General, der einst das Vertrauen von George W. Bush genossen hatte, nicht weiter befördern. Stattdessen legte Petraeus im September 2011 nach 37 Jahren Dienst im Heer seine Uniform ab und wurde Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA. Er kehrte nach Washington zurück, bezog mit Ehefrau Holly Quartier in einem Haus in einem Vorort der Hauptstadt in Virginia. Und traf offenbar bald wieder auf Paula Broadwell, die es dank ihres Buches bald zu gewisser Berühmtheit bringen sollte. Amerikanische Medien berichten, die intime Beziehung habe kurz nach Petraeus’ Rückkehr nach Washington begonnen und soll in diesem Sommer beendet worden sein.

Offene Fragen

Die Affäre zwischen zwei kompetitiven Typen und verwandten Seelen ist aufregend genug. Hier der General, dem politische Ambitionen bis zum Präsidentenamt nachgesagt wurden, dort die jüngere attraktive Frau, die einst Schönheitskönigin in ihrer Schule war und sogar als Fotomodell für einen Waffenhersteller reüssierte. Steckt aber noch mehr hinter dem Fall Petraeus-Broadwell? Warum spionierte das FBI hinter dem Chefspion der CIA nach? Welche Rolle spielte FBI-Chef Robert Mueller dabei? Wann wurde das Weiße Haus von der Affäre unterrichtet? Gibt es einen Zusammenhang mit der Reaktion auf den Anschlag von Benghasi, für welche Petraeus kritisiert worden war? Die Affäre hat gerade erst begonnen.

Quelle: F.A.Z.

 

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