http://www.faz.net/-gpf-749xk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.11.2012, 19:13 Uhr

CIA-Chef Petraeus Der ausspionierte Spion

Der Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus wegen einer Liebesaffäre ist der größte Skandal, den Washington seit langem erlebt hat. Für den wiedergewählten Präsidenten Obama kommt er zur Unzeit.

© dapd Glücklichere Zeiten: General David Petraeus im Juni 2010 mit Präsident Obama

Er war Amerikas mächtigster Spion - bis er selbst einem Schnüffelangriff zum Opfer fiel. Es waren ausgerechnet FBI-Agenten, die den CIA-Chef David Petraeus mit ihren Ermittlungen zu Fall brachten. Die „Gegenspionage-Einheit“ der Bundespolizei habe vor Monaten begonnen, das private E-Mail-Konto des Geheimdienstchefs bei Google genauer unter die Lupe zu nehmen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Samstag. Die „Feds“ hätten eigentlich nur die Sicherheit des Accounts überprüfen wollen. Zufällig stießen sie dabei auf kompromittierende Nachrichten über Petraeus’ Liebesaffäre.

Soweit die bislang bekannte Version. Die ganze Wahrheit hinter dem größten Sex-Skandal, den Washington seit langem erlebt hat, wird wohl höchstens bruchstückweise ans Tageslicht kommen. Bereits jetzt reicht der Stoff für einen schlüpfrigen Hollywood-Thriller. Allein der Blick auf die angebliche Liebhaberin liefert den Drehbuchautoren, was sie kaum hätten erfinden können: Eine wunderschöne Frau, Ball-Königin in der Schule, Triathletin, Absolventin der Elite-Militärakademie West Point und der Top-Universität Harvard, Mutter von zwei Kindern. Und dann auch noch einstiges Foto-Modell für einen Maschinenpistolen-Hersteller. Das ist Paula Broadwell, laut amerikanischen Zeitungen die Frau, die den angeblich so disziplinierten Vier-Sterne-General nach 37 Jahren Ehe schwach machte.

Aus der mitreisenden Journalistin wurde die Geliebte

Die 40 Jahre alte Frau Broadwell schrieb eine Biografie über Petraeus und schwärmte in Fernsehinterviews von seiner Führungsstärke. Für die Recherche war sie für rund ein Jahr nach Afghanistan gezogen, wo Petraeus den Anti-Terror-Krieg der Vereinigten Staaten führte. Sie hatte lange Gespräche mit ihm, gemeinsam gingen sie joggen. Die Affäre habe begonnen, als der 60 Jahre alte General die Armee verließ, schreibt das „Wall Street Journal“. Das war im August 2011, kurz vor seinem Wechsel zur CIA. Seit einigen Monaten sei das Tête-à-tête vorbei. Dennoch konnte nicht einmal der Geheimdienstchef die Beziehung verbergen.

Petraeus Resigns © dapd Vergrößern Schrieb eine Petraeus-Biographie - und verliebte sich: die Journalistin Paula Broadwell, hier auf einer Aufnahme aus dem Januar

Was die FBI-Agenten in seinem Google-Konto fanden, löste bei ihnen „Sicherheitsbedenken“ aus. Eine Affäre kann Top-Spione erpressbar machen und sie in ein nationales Risiko verwandeln, heißt es in Washington. Der CIA-Chef ist dabei keine Ausnahme - ganz im Gegenteil. Vor zwei Wochen habe die Bundespolizei Petraeus mit den Untersuchungsergebnissen konfrontiert, schreibt die „New York Times“. Er konnte die Ermittler offenbar nicht beruhigen. Am Mittwoch wurde das Weiße Haus in Kenntnis gesetzt, am Donnerstag der amerikanische Präsident Barack Obama, am Freitag war der Spuk vorbei.

Die ganze Angelegenheit ist für die Weltmacht nicht nur peinlich. Erinnerungen an die Praktikantinnen-Affäre von Ex-Präsident Bill Clinton oder den Schwangerschaftsskandal des Präsidentschaftsbewerbers John Edwards drängen sich auf. Die Affäre ist auch misslich für Obama, dessen Feierlaune nach der Wiederwahl am Dienstag ruiniert sein dürfte. Er sei richtig enttäuscht, verlautete aus dem Weißen Haus.

Schmerzlicher Verlust für Obama

Mit Petraeus verliert Obama eine Säule seines Anti-Terror-Kampfes. Der hochdekorierte Ex-General baute die CIA weiter in eine schlagkräftige Truppe um, die immer mehr internationale Drohneneinsätze steuert und auch bei der Abwehr von Angriffen aus dem Internet eine zunehmende Rolle spielt. Was hinzu kommt: Obama erleidet - wenn sich alle Andeutungen bewahrheiten - ohnehin bald einen massiven Verlust an erfahrenen Führern in der Außen- und Verteidigungspolitik. Außenministerin Hillary Clinton will sich zurückziehen, Verteidigungsminister Leon Panetta ebenso. Jetzt muss der wiedergewählte Präsident auch noch einen Geheimdienstchef finden, der genau diese beiden Behörden mit entscheidenden Infos versorgt.

Mehr zum Thema

Kein Wunder also, dass Amerikas Sicherheitspolitiker von der Nachricht am Freitag regelrecht geschockt waren. Doch bei allen Sorgen: Für die Satiriker des Landes ist der tiefe Fall des bisherigen „amerikanischen Helden“ ein gefundenes Fressen. Der TV-Komiker Jay Leno ermahnte seine Zuschauer am Freitagabend, aus dem Vorfall eine Lehre zu ziehen: „Wenn nicht einmal der CIA-Direktor eine Affäre geheim halten kann, dann habt Ihr ein richtiges Problem“, meinte er.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Cyberspionage FBI deckt Hackerangriffe auf amerikanisches Wahlsystem auf

Die Wahlsysteme zweier amerikanischer Bundesstaaten waren dem FBI zufolge Ziel von ausgeklügelten Cyber-Attacken. Spuren führen offenbar nach Russland. Die Sorge vor einer Manipulation der Präsidentenwahlen wächst. Mehr

30.08.2016, 07:43 Uhr | Politik
Japan Entwicklerteam stellt Mondfahrzeug vor

Das japanische Entwicklerteam Hakuto hat sein neues Mondfahrzeug vorgestellt. Mit dem Rover will das Team das von Google ausgelobte Rennen zum Mond gewinnen. Es besteht aus Karbonfasern und wiegt bloß vier Kilogramm. Zudem verfügt jedes Rad über einzelne Motoren, damit das Fahrzeug möglichst flexibel über die steinige Mondoberfläche gesteuert werden kann. Mehr

30.08.2016, 14:42 Uhr | Wissen
Manager verlässt Führung Streit zwischen Google und Uber

Die Rivalität zwischen dem Technologiekonzern Google und dem Fahrdienst-Vermittler Uber spitzt sich zu: Ein ranghoher Manager verlässt den Verwaltungsrat. Es gibt einen Vorläufer. Mehr

30.08.2016, 09:33 Uhr | Wirtschaft
Angriff in Syrien Sprecher des Islamischen Staats Adnani getötet

Wie die dem Islamischen Staat nahe stehende Nachrichtenagentur Amak meldet, ist Abu Muhammed Adnani tot. Der Propaganda-Chef des IS sei in der syrischen Provinz Aleppo getötet worden. Das amerikanische Verteidigungsministerium bestätigte einen Luftschlag, der Adnani gegolten habe, auf die syrische Stadt al-Bab. Mehr

31.08.2016, 15:45 Uhr | Politik
Wahl in Amerika Ehemaliger Anführer des Ku-Klux-Klans will Trump helfen

Als ehemaliger Anführer des Ku-Klux-Klans hat David Duke in der Vergangenheit oft lobende Worte für den Präsidentschaftsbewerber Trump gefunden. Nun hat er offenbar versucht, weitere Unterstützer zu gewinnen. Mehr

30.08.2016, 11:54 Uhr | Politik

Recht im Zirkus

Von Reinhard Müller

Der Bundesjustizminister will die Justiz der Öffentlichkeit näher bringen und Übertragungen von Prozessen ermöglichen. Das wird zu einer Live-Justiz führen – mit Showmastern, Clowns und Opfern. Mehr 15 37