Home
http://www.faz.net/-gpf-749xk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

CIA-Chef Petraeus Der ausspionierte Spion

Der Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus wegen einer Liebesaffäre ist der größte Skandal, den Washington seit langem erlebt hat. Für den wiedergewählten Präsidenten Obama kommt er zur Unzeit.

© dapd Vergrößern Glücklichere Zeiten: General David Petraeus im Juni 2010 mit Präsident Obama

Er war Amerikas mächtigster Spion - bis er selbst einem Schnüffelangriff zum Opfer fiel. Es waren ausgerechnet FBI-Agenten, die den CIA-Chef David Petraeus mit ihren Ermittlungen zu Fall brachten. Die „Gegenspionage-Einheit“ der Bundespolizei habe vor Monaten begonnen, das private E-Mail-Konto des Geheimdienstchefs bei Google genauer unter die Lupe zu nehmen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Samstag. Die „Feds“ hätten eigentlich nur die Sicherheit des Accounts überprüfen wollen. Zufällig stießen sie dabei auf kompromittierende Nachrichten über Petraeus’ Liebesaffäre.

Soweit die bislang bekannte Version. Die ganze Wahrheit hinter dem größten Sex-Skandal, den Washington seit langem erlebt hat, wird wohl höchstens bruchstückweise ans Tageslicht kommen. Bereits jetzt reicht der Stoff für einen schlüpfrigen Hollywood-Thriller. Allein der Blick auf die angebliche Liebhaberin liefert den Drehbuchautoren, was sie kaum hätten erfinden können: Eine wunderschöne Frau, Ball-Königin in der Schule, Triathletin, Absolventin der Elite-Militärakademie West Point und der Top-Universität Harvard, Mutter von zwei Kindern. Und dann auch noch einstiges Foto-Modell für einen Maschinenpistolen-Hersteller. Das ist Paula Broadwell, laut amerikanischen Zeitungen die Frau, die den angeblich so disziplinierten Vier-Sterne-General nach 37 Jahren Ehe schwach machte.

Aus der mitreisenden Journalistin wurde die Geliebte

Die 40 Jahre alte Frau Broadwell schrieb eine Biografie über Petraeus und schwärmte in Fernsehinterviews von seiner Führungsstärke. Für die Recherche war sie für rund ein Jahr nach Afghanistan gezogen, wo Petraeus den Anti-Terror-Krieg der Vereinigten Staaten führte. Sie hatte lange Gespräche mit ihm, gemeinsam gingen sie joggen. Die Affäre habe begonnen, als der 60 Jahre alte General die Armee verließ, schreibt das „Wall Street Journal“. Das war im August 2011, kurz vor seinem Wechsel zur CIA. Seit einigen Monaten sei das Tête-à-tête vorbei. Dennoch konnte nicht einmal der Geheimdienstchef die Beziehung verbergen.

Petraeus Resigns © dapd Vergrößern Schrieb eine Petraeus-Biographie - und verliebte sich: die Journalistin Paula Broadwell, hier auf einer Aufnahme aus dem Januar

Was die FBI-Agenten in seinem Google-Konto fanden, löste bei ihnen „Sicherheitsbedenken“ aus. Eine Affäre kann Top-Spione erpressbar machen und sie in ein nationales Risiko verwandeln, heißt es in Washington. Der CIA-Chef ist dabei keine Ausnahme - ganz im Gegenteil. Vor zwei Wochen habe die Bundespolizei Petraeus mit den Untersuchungsergebnissen konfrontiert, schreibt die „New York Times“. Er konnte die Ermittler offenbar nicht beruhigen. Am Mittwoch wurde das Weiße Haus in Kenntnis gesetzt, am Donnerstag der amerikanische Präsident Barack Obama, am Freitag war der Spuk vorbei.

Die ganze Angelegenheit ist für die Weltmacht nicht nur peinlich. Erinnerungen an die Praktikantinnen-Affäre von Ex-Präsident Bill Clinton oder den Schwangerschaftsskandal des Präsidentschaftsbewerbers John Edwards drängen sich auf. Die Affäre ist auch misslich für Obama, dessen Feierlaune nach der Wiederwahl am Dienstag ruiniert sein dürfte. Er sei richtig enttäuscht, verlautete aus dem Weißen Haus.

Schmerzlicher Verlust für Obama

Mit Petraeus verliert Obama eine Säule seines Anti-Terror-Kampfes. Der hochdekorierte Ex-General baute die CIA weiter in eine schlagkräftige Truppe um, die immer mehr internationale Drohneneinsätze steuert und auch bei der Abwehr von Angriffen aus dem Internet eine zunehmende Rolle spielt. Was hinzu kommt: Obama erleidet - wenn sich alle Andeutungen bewahrheiten - ohnehin bald einen massiven Verlust an erfahrenen Führern in der Außen- und Verteidigungspolitik. Außenministerin Hillary Clinton will sich zurückziehen, Verteidigungsminister Leon Panetta ebenso. Jetzt muss der wiedergewählte Präsident auch noch einen Geheimdienstchef finden, der genau diese beiden Behörden mit entscheidenden Infos versorgt.

Mehr zum Thema

Kein Wunder also, dass Amerikas Sicherheitspolitiker von der Nachricht am Freitag regelrecht geschockt waren. Doch bei allen Sorgen: Für die Satiriker des Landes ist der tiefe Fall des bisherigen „amerikanischen Helden“ ein gefundenes Fressen. Der TV-Komiker Jay Leno ermahnte seine Zuschauer am Freitagabend, aus dem Vorfall eine Lehre zu ziehen: „Wenn nicht einmal der CIA-Direktor eine Affäre geheim halten kann, dann habt Ihr ein richtiges Problem“, meinte er.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Lobbyismus Google kommt oft ins Weiße Haus

Google hat beste Verbindungen ins Weiße Haus. Jetzt wird deutlich: Kaum ein anderes Unternehmen hat so viele Termine im Stab des amerikanischen Präsidenten. Mehr Von Roland Lindner

25.03.2015, 17:50 Uhr | Wirtschaft
Bundeswirtschaftsminister Gabriel Die Forderung nach neuen Spielregeln für Google

Bei einem Streitgespräch mit Google-Chef Eric Schmidt forderte Sigmar Gabriel, die Marktmacht des amerikanischen Internet-Giganten zu begrenzen. Mehr

15.10.2014, 09:18 Uhr | Politik
Amerika Agenten der Antidrogenbehörde feierten Sex-Partys

Sie wurden im Auftrag der amerikanischen Regierung nach Kolumbien geschickt, um Drogenkartelle zu bekämpfen. Stattdessen feierten sie Sexpartys. Besonders pikant: Die Prostituierten wurden von den Drogenbossen bezahlt. Mehr

27.03.2015, 12:26 Uhr | Gesellschaft
Kampf gegen Terrorismus Obama und Cameron wollen enger zusammenarbeiten

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Washington haben der amerikanische Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premierminister David Cameron angekündigt, ihre Geheimdienste im Kampf gegen Extremisten noch enger zusammen arbeiten zu lassen. Mehr

17.01.2015, 10:32 Uhr | Politik
Amerikanischer Forscher Google-Algorithmus kann Demokratie gefährden

Können Veränderungen in der Reihenfolge von Google-Suchergebnissen unentschiedene Wähler beeinflussen? Der Forscher Robert Epstein nennt auf der Cebit erstaunliche Zahlen. Und fordert Konsequenzen. Mehr

17.03.2015, 13:51 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.11.2012, 19:13 Uhr

Verschleierung in Kiew

Von Ann-Dorit Boy

Die Regierung müsste durch die Aufklärung der „Majdan-Morde“ das Vertrauen der Bürger gewinnen. Die praktizierte Vertuschung setzt dieses eher aufs Spiel. Mehr 6