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Chodorkowskij wehrt sich „Eingeschüchterte Pseudo-Zeugen“

07.02.2007 ·  Der in Sibirien inhaftierte frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowskij hat schwere Anschuldigungen gegen die russische Justiz erhoben. „Diese schändliche Farce hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun“, erklärte er zur neuen Anklage gegen ihn. FAZ.NET dokumentiert.

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Der bereits zu acht Jahren Haft verurteilte ehemalige Yukos-Chef Michail Chodorkowskij hat die neuen Anschuldigungen gegen ihn als „schändliche Farce“ zurückgewiesen, die „mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun“ habe. Die Vorwürfe wegen angeblicher Unterschlagung und Geldwäsche hätten zum Ziel, seine Freilassung zu verhindern, schreibt der ehemals reichste Mann Russlands, der nun in Ostsibirien inhaftiert ist. Gegen ihn und Platon Lebedew eine weitere Anklage erhoben. Chodorkowskij veröffentlichte seine Erklärung am Mittwoch auf der Internetseite seiner Anwälte. FAZ.NET dokumentiert den Text in voller Länge:

Heute ist gegen meinen Freund Platon Lebedew und mich eine neue, unbegründete, absurde Anklage erhoben worden. Uns ist völlig klar, was als nächstes auf uns zukommt: Falsche und gefälschte Beweise, Aussagen von eingeschüchterten oder fehlgeleiteten Pseudo-Zeugen und höchstwahrscheinlich ein Schuldspruch. Diese schändliche Farce hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun.

„Diese Leute haben große Angst“

Auch warum all dies geschieht, ist offensichtlich. Die Leute, die den „Fall Chodorkowskij“ erfunden haben, um Yukos, das florierendste Unternehmen Russlands, zu stehlen, haben große Angst davor, mich in Freiheit zu sehen, und wollen sich gegen die Möglichkeit meiner Freilassung unter Auflagen versichern.

Video: Acht Jahre Haft für Chodorkowskij

Diese armseligen Leute scheinen ernsthaft zu glauben, dass die menschliche und historische Bewertung ihres Tuns von einem weiteren Fehlurteil des Moskauer Gerichts abhänge. Sie verstehen nicht, dass sie ihre eigene Position noch komplizieren und sich mit jedem neuen Schritt selbst weiter in die Ecke drängen. Das gilt nicht nur für sie, sondern auch für ihren Chef, Wladimir Putin. Und ich bin mir gar nicht sicher, ob Putin es ihnen danken wird.

Sie haben allerdings noch einen möglichen Ausweg, der ihnen die Gelegenheit bietet, ihre Stellung mit langfristigen Garantien zu sichern. Ihre einzige Chance besteht darin, die Macht in Russland schnell und freiwillig anzutreten, indem sie das Volk in ehrlichen, fairen und transparenten Wahlen den neuen Präsidenten unseres Landes wählen lassen. Diese Person sollte nichts zu schaffen haben mit der gigantischen Korruptionsmaschine, die Russland gelähmt hat; eine Person, die die Unabhängigkeit der Justiz respektiert.

„Falsche Beschuldigungen aus der Politik“

Meine Aufgabe in diesem bervorstehenden Prozess besteht darin, am eigenen Beispiel zu demonstrieren, dass Russland ein Staat mit einem auf einzelne Personen zugeschnittenen Rechtswesen ist, wo die Strafverfolgungsbehörden und die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet nicht nur zur Bekämpfung der Kriminalität benutzt werden, sondern auch für die politischen und persönlichen Interessen korrupter Beamter. Falsche Beschuldigungen aus dem politischen Raum werden schnell von Ermittlern gestempelt und vom Gericht unterzeichnet.

Die machthabende Elite kennt keine Scham. Das Gericht, das zum integralen Bestandteil der „Machtvertikalen“ geworden ist, wird zweifelsohne einen Schuldspruch unterzeichnen.

Ich habe vor dem neuen Urteil keine Angst. Macht es denn einen Unterschied, wie viele Jahre Gefängnis ich wegen falscher Beschuldigungen bekomme? Auf der ganzen Welt würde ohnehin kein anständiger Mensch meinen Häschern (den Befürwortern einer „zweiten Amtszeit für Chodorkowskij“) glauben. Platons und mein persönliches Schicksal werden allein vom Schicksal unseres Vaterlands und dessen Gesicht nach dem Machtwechsel von 2008 bestimmt.

Ich glaube, dass Wahrheit und Fairness obsiegen werden.

Michail Chodorkowskij

Untersuchungsgefängnis Chita, Moskau, 7. Februar 2007

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