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Chinesischer Staatsbesuch Dairygold oder wie Xi lernte, Irland zu lieben

20.02.2012 ·  Der designierte Präsident der Volksrepublik China entdeckte auf seiner Reise vieles, was Peking und Dublin verbindet. Potentiell lästigen Fragen von Journalisten musste er sich nicht stellen - dafür aber einem Kälbchen.

Von Johannes Leithäuser, London
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Der stellvertretende chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat in Irland zwei Vereinbarungen über stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit, eine beträchtliche Steigerung irischen Selbstbewusstseins sowie ein Kälbchen der schwarzbunten (friesischen) Rasse zurückgelassen, das fortan seinen Namen trägt. Das Tier, das dem Vernehmen nach weiblichen Geschlechts ist, war in der Nacht vor Xis Besuch auf dem Bauernhof von James Lynch in Sixmilebridge im Westen Irlands zur Welt gekommen; der Rinderzüchter präsentierte dem chinesischen Besucher das Neugeborene am nächsten Morgen im späten Sonnenaufgang gleich mit dem stolzen Hinweis, man werde es nach ihm benennen. Nach einem Rundgang übers Land gab es Tee, Scones und Apfelkuchen in der Bauernhofküche, serviert mit Informationen über die Milchwirtschaft in der EU und über das irische Bauerngenossenschaftswesen.

Xi Jinping äußerte sich anerkennend: Dass jeder Hof einzeln produziere, die Erträge aber gemeinsam, also quasi im Kollektiv, weiterverarbeitet würden, das funktioniere doch offenbar sehr gut. Und es stellte sich dann auch noch heraus, dass die irische Molkereikette Dairygold, die jährlich Milchprodukte im Wert von zehn Millionen Euro nach China exportiert, ihre Wurzeln in einer Genossenschaftsgründung am Anfang des 19. Jahrhunderts hat, die von präkommunistischen Reformern wie William Thompson ideologisch inspiriert war.

Heimatliche Bezüge

Aus solchen Anekdoten speist sich der beiderseitige Nutzen dieser außergewöhnlichen Visite: Die Iren - eine nicht durch Eroberer, aber durch Auswanderer eine weltgewandte kleine Nation - finden noch für jeden wichtigen internationalen Gast ein paar heimatliche Bezüge, die ihn zu einem der Ihren werden lassen; der amerikanische Präsident Barack Obama wurde im vergangenen Jahr in die Heimatkneipe seiner irischen Vorfahren geführt. Und die Chinesen lernen umgekehrt, wie gelassen und heiter sich ihr künftiger großer Führer in entfernten (kleinen) Ländern zu bewegen weiß.

Zwar begleitete den chinesischen Gast auch in Irland eine Protestkulisse aus Menschenrechtsaktivisten und Exilchinesen, aber sie blieb doch überschau- und von der irischen Polizei leicht kontrollierbar. An den Klippen von Moher, der bekanntesten Steilküste der irischen Insel, suchte ein einzelner Demonstrant mit dem Ruf „Freiheit für Tibet“ die Kette der Sicherheitskräfte zu durchbrechen; vor dem Dubliner Schloss demonstrierten später einige Dutzend Mitglieder der in China unterdrückten religiösen Gemeinschaft Falun Gong.

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© dapd ... im Croke Park Stadion

Auch in Irland wurden die politischen Gesprächspartner Xis nach ihrer Begegnung mit dem chinesischen Gast von den irischen Journalisten routinehalber befragt, ob sie denn die Menschenrechtslage in China angesprochen hätten - und der irische Außenminister Eamon Gilmore ließ in seiner Antwort erkennen, dass dieser Punkt im beiderseitigen Einvernehmen, aber ohne irisches Bedrängen des chinesischen Gastes, erledigt wurde: „Ja“, über die Menschenrechte sei gesprochen worden, „im Zusammenhang mit der irischen Bewerbung für einen Sitz im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen.“ Gilmore berichtete weiter, er habe die Bedeutung hervorgehoben, die Irland den Menschenrechten beimesse, und dass aus irischer Sicht die Menschenrechte universell seien.

Der chinesische Gast blieb während seiner dreitägigen Visite auf der „grünen Insel“ - wie Xi sein Gastland gleich zur Begrüßung liebevoll titulierte - von Reporterfragen unbehelligt; im Besuchsprogramm, das neben Bauernhofinspektionen und Aussichtsplattformbesichtigungen auch Tanzshows, Staatsessen und Handelsmessen auch das Dabeisein bei Handelsabkommensunterzeichnungen enthielt, waren Pressekonferenzen nicht vorgesehen.

Trotzdem musste Xi offenbar nicht fürchten, dass sein irischer Aufenthalt in der chinesischen Heimat unbemerkt bliebe. Die irischen Medien jedenfalls registrierten aufmerksam, wie viele chinesische Kollegen (insgesamt 40) in Xis Delegation mitreisten und was und wie viel sie über Irland heimwärts nach China berichteten - über das Grüne, die Dichter, das Guinness und die Lieder. Gleich vier Minister, der Ministerpräsident an der Spitze, wurden vom chinesischen Gast während der drei Tage zum Gegenbesuch eingeladen. Vielleicht werde schon im nächsten Monat etwas daraus, mutmaßte die „Irish Times“. Eigentlich reisen die irischen Ministerpräsidenten zum St. Patricks Day am 17. März ja traditionell nach Washington, in das wichtigste irische Freundesland auf der Welt. Vielleicht führt dieses Mal ja die Rückreiseroute des „Taoiseach“ Enda Kenny, des irischen „Häuptlings“, über den Pazifik?

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in London.

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