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Chinas Norden Die große Dürre

07.02.2009 ·  Im Norden Chinas hat es seit Monaten nicht geregnet. Dort wird viel Weizen angebaut. Das Wasser ist zu einem kostbaren Gut geworden und die Furcht vor den Folgen für die Wirtschaft ist groß. Hart trifft es vor allem die Wanderarbeiter.

Von Till Fähnders, Peking
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Den ländlichen Gegenden im Norden Chinas machen nicht nur die Folgen der Wirtschaftskrise zu schaffen, sondern auch eine Dürre. Die chinesische Regierung hat wegen der Trockenperiode, die schon seit November vergangenen Jahres herrscht, einen Notstand ausgerufen. In den Weizenanbaugebieten seien mehr als 40 Prozent der Ernte bedroht, berichtete am Donnerstag die staatliche Presse. Fast vier Millionen Menschen müssten ohne ausreichendes Trinkwasser auskommen.

Die chinesischen Zeitungen zeigten Fotos von ausgetrockneten Flüssen, Feldern mit tiefen Furchen und Bauern, die verkümmerte Pflänzchen in die Kameras halten. In der Geschichte Chinas habe selten eine Dürre so lange gedauert, kaum jemals seien die Auswirkungen so schlimm wie jetzt gewesen, sagte der Leiter des staatlichen Wetteramts, Zheng Guoguang, nach Angaben der Zeitung „China Daily“.

Zu wenig Wasser

Der Norden Chinas wird häufig von Trockenheit heimgesucht, aber dieses Mal dauert die Dürre außergewöhnlich lang, und das betroffene Gebiet ist besonders groß. In der Hauptstadt Peking hat es den Berichten nach schon seit mehr als 100 Tagen nicht mehr geregnet. So wenig Niederschlag soll es dort seit 38 Jahren nicht gegeben haben. Im ganzen Land haben knapp zehn Millionen Hektar Ackerfläche zu wenig Wasser.

Besonders hart ist die Provinz Henan getroffen, durch die der Gelbe Fluss fließt, der zweitgrößte Strom Chinas. In dem alten Weizenanbaugebiet herrscht nach Angaben der örtlichen Wetterämter die schlimmste Dürre seit 1951. Seit mindestens 105 Tagen soll es weder geschneit noch geregnet haben. Aus der mit fast 100 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Provinz stammen 30 Prozent der nationalen Weizenproduktion. Wie auch in der Nachbarprovinz Anhui seien nun mehr als 60 Prozent der Weizenernte gefährdet. Unter der Dürre leiden außerdem die landwirtschaftlich ebenfalls bedeutenden Provinzen Hebei, Shanxi, Jiangsu, Shandong, Shaanxi und Gansu.

Höchste Alarmstufe

Zum Glück habe die Regierung große Getreidereserven angelegt, heißt es. In einigen Gegenden haben die Behörden schon vor Tagen die höchste Alarmstufe ausgerufen. Denn auch für die nächsten zehn Tage haben Chinas Meteorologen trockenes Wetter vorausgesagt. Staats- und Parteichef Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao forderten dazu auf, gemeinsam gegen die Dürre anzukämpfen.

Die staatliche Presse zeigte wie fast immer bei Naturkatastrophen in China den heldenhaften Einsatz von Soldaten der Volksbefreiungsarmee sowie von Bauern, die aus dicken Schläuchen Wasser auf die zersplitterte Erde pumpen. Zehntausende Hilfskräfte sollen schon im Einsatz sein, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das Finanzministerium habe 100 Millionen Yuan (11 Millionen Euro) an Hilfsgeldern bereitgestellt.

Künstlicher Regen

Die Trockenheit hält das Land zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt im Griff. Aus der Dürreregion stammen viele der offiziell 130 Millionen Wanderarbeiter. Viele haben in den Städten ihre Jobs verloren und sind nun auf die Erträge aus der Landwirtschaft angewiesen. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise seien schon 20 Millionen Wanderarbeiter in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt, hatte zu Beginn der Woche ein für die Bauern zuständiger Regierungsbeamter mitgeteilt. Er warnte gleichzeitig vor einer Zunahme sozialer Unruhen.

Fachleute sind besorgt, dass die Trockenperiode eine zusätzliche Belastung für die chinesische Wirtschaft sein könnte, die seit Ende vergangenen Jahres deutlich langsamer wächst. Mehrere Expertenteams seien schon in die Region gereist, um die Bauern bei der Bewässerung ihrer Felder zu beraten, berichtete Xinhua weiter. Die örtlichen Wetterbehörden warteten außerdem auf die richtigen Bedingungen, um Chemikalien in Wolken zu schießen und diese so künstlich abregnen zu lassen. Aber dafür müssten erst einmal Wolken aufziehen.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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