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Kontrollierte Religion : Auf Chinesisch glauben

Chinesisch genug? Tibetische Mönche in Peking Bild: AFP

Chinas Kommunistische Partei will die ideologische und politische Kontrolle über die Bevölkerung ausweiten. Der erste Schlag erfolgt gegen die gläubige Bevölkerung.

          Parteichef Xi Jinping will, dass Chinas Kommunistische Partei die ideologische und politische Kontrolle über die Gesellschaft weiter ausdehnt. Das wird auch das religiöse Leben in China betreffen. In seiner Grundsatzrede vor dem Parteikongress erwähnte Xi Jinping auch die Religion. Die Religionen müssten sich sinisieren, verlangte der Parteichef, und der Führung der Kommunistischen Partei unterordnen. Schon kurz vor dem Kongress der Kommunistischen Partei hatte die staatliche Religionsbehörde bereits Würdenträger der fünf in China offiziell zugelassenen Religionsgemeinschaften nach Peking zitiert, um sie auf das Konzept einzuschwören.

          Petra  Kolonko

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Das Amt befahl den Geistlichen aus Buddhismus, Taoismus, Islam, der katholischen und der evangelischen Kirche, das Konzept der „Sinisierung der Religion“ zu studieren und sich zu ihm zu bekennen. Auftragsgemäß haben sich die Geistlichen unter der Anleitung der staatlichen Religionsbehörde auf den Konsens verständigt, dass sich in China alle Religionen auf eine Weise entwickeln sollten, mit der sie sich in die chinesische Kultur integrieren. Der Vorsitzende der protestantischen Kirchen, Fu Xianwei, sagte zu, dass sich die christliche Religion in der Theologie und der kulturellen Ausrichtung mehr sinisieren müsse, und der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Vereinigung, Imam Mu Kefa, beteuerte, nur durch eine Sinisierung der Religion könne der chinesische Islam blühen und gesund sein. Ma Yinglin, der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz Chinas, kündigte ein Fünfjahresprogramm seiner Kirche für die Sinisierung an, um die örtlichen Kirchen bei dem Vorhaben anzuleiten.

          Religion muss sich „sinisieren“

          Die Anweisung, dass die Religionen sich „sinisieren“ müssten, hatte Parteichef Xi Jinping schon vor einem Jahr ausgegeben. Diese Anweisung wurden nun in den neuen Bestimmungen zur Verwaltung der Religion verankert; sie sollen im kommenden Jahr in Kraft treten. Bislang wurde nichts Konkretes bekannt, was diese „ Sinisierung“ im Einzelnen für die verschiedenen Religionen zu bedeuten hat. Aus den Anweisungen des Parteichefs geht jedoch deutlich hervor, dass es bei der geforderten Sinisierung nicht um bloße kosmetische Veränderungen gehen wird. Xi Jinping verlangt von den Religionsgemeinschaften, dass sie der Führung der Kommunistischen Partei folgen. Sie sollen die sozialistischen Grundwerte und das sozialistische System unterstützen sowie ihre Doktrinen so interpretieren, dass sie für den Fortschritt Chinas „nützlich“ seien und sich in Übereinstimmung mit der traditionellen Kultur befänden.

          Xi Jinpings Konzept der „Sinisierung der Religion“ erweitert die alte kommunistische Doktrin, nach der die Religionsgemeinschaften in China nicht ausländischem Einfluss ausgesetzt sein oder aus dem Ausland geleitet werden dürfen. Schon gleich nach der kommunistischen Machtübernahme 1949 musste die protestantische Kirche aufgrund des Prinzips der Selbstverwaltung ihre Kontakte mit dem Ausland kappen. Die katholische Kirche musste sich vom Papst lossagen, und die tibetischen Buddhisten durften seit der Flucht des Dalai Lama nach Indien diesen nicht mehr als Oberhaupt verehren.

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