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Kontrollierte Religion : Auf Chinesisch glauben

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Chinesen werden zunehmend religiös

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich viele Chinesen wieder einer Religion zugewandt. Nach offiziellen Erhebungen – westliche Schätzungen liegen teilweise weit höher – gibt es derzeit in China 23 Millionen Muslime, mehr als 18 Millionen Buddhisten sowie zwölf Millionen katholische und 20 Millionen evangelische Christen. Teilweise sind die Religionsgemeinschaften mit Duldung der örtlichen Religionsbehörden aktiver geworden und pflegten dabei auch Kontakte mit dem Ausland.

Parteichef Xi Jinping will jedoch den Primat der Kommunistischen Partei in allen Bereichen wiederherstellen, und er sieht überall feindliche Einflüsse aus dem Ausland am Werk, die sich angeblich gegen das sozialistische System und die Führung der Kommunistischen Partei richten. Er will verhindern, dass der Partei ideologische Konkurrenz erwächst und dass sich in den Religionsgemeinschaften politischer Widerstand formieren könnte.

„Eindämmung des Extremismus“

Der Taoismus ist die einzige originär chinesische Religion. Die anderen vier anderen offiziell genehmigten Religionsgemeinschaften müssen nun damit rechnen, dass ihnen das Konzept der Sinisierung neue Beschränkungen bringen wird. Zentral sind in den neuen Religionsbestimmungen die Forderungen nach „nationaler Unabhängigkeit“ und nach „Selbstverwaltung“. Als Ziele der staatlichen Religionsaufsicht werden außerdem die „Eindämmung des Extremismus“ und der „Widerstand gegen die Infiltration von außen“ genannt. Religion dürfe nicht benutzt werden, um Separatismus und Abspaltung zu propagieren.

Das richtet sich vornehmlich, wenn auch unausgesprochen, gegen den politischen Islam, der sich nach Ansicht der chinesischen Regierung aus dem Ausland kommend in China ausbreitet und Unabhängigkeitstendenzen in der Provinz Xinjiang fördert. In den Augen der chinesischen Führung fordert auch der Dalai Lama von den Anhängern des lamaistischen tibetischen Buddhismus eine Abspaltung, nämlich die Tibets von China.

Katholische Kirche beklagt Rückschritt

Für die katholische Kirche könnte die geforderte „Sinisierung“ ebenfalls einen Rückschritt bedeuten. Wenn eine chinesische Religionsgemeinschaft nicht vom Ausland aus geleitet werden darf und ausländischen Einfluss abwehren soll, wie können dann die chinesischen Katholiken die Oberhoheit des Papstes anerkennen? Noch immer gibt es eine katholische Untergrundkirche, die dem Papst die Treue hält. Im vergangenen Jahr war die Hoffnung gewachsen, dass der Vatikan und die chinesische Regierung zu einer Übereinkunft über Bischofsernennungen und andere Fragen der katholischen Kirche in China kommen könnten. Die neuen Religionsbestimmungen geben nun aber wenig Anlass für Optimismus.

Die Religionsbehörde verfügt nun auch über Mittel, um sicherzustellen, dass sich Religionsgemeinschaften der staatlichen Aufsicht und Vorgaben zur Sinisierung nicht entziehen. So zielen die neuen Bestimmungen darauf, alle religiösen Aktivitäten, die außerhalb des staatlich sanktionierten Rahmens stattfinden, zu erschweren. Sie sehen beispielsweise hohe Geldstrafen für „illegale religiöse Aktivitäten“ vor. Treffen kann das protestantische Hauskirchen, die katholische Untergrundkirche und nicht zugelassene Moscheen. Organisatoren von „illegalen religiösen Versammlungen“ können mit Strafen bis zu umgerechnet 35.000 Euro belangt werden. Auch wer Veranstaltungsorte für solche Versammlungen zur Verfügung stellt, muss mit hohen Geldstrafen rechnen.

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