03.09.2009 · Zwei Monate nach den blutigen Unruhen in der nordwestchinesischen Stadt Urumtschi ist es dort wieder zu Protesten gekommen. Die Menschen gingen gegen eine rätselhafte Serie von Angriffen mit Injektionsnadeln auf die Straße, bei der offenbar mehrere hundert Menschen verletzt worden waren.
Von Till Fähnders, PekingZwei Monate nach den blutigen Unruhen in der nordwestchinesischen Stadt Urumtschi ist es dort wieder zu Protesten gekommen. Die Menschen gingen gegen eine rätselhafte Serie von Angriffen mit Injektionsnadeln auf die Straße, bei der offenbar mehrere hundert Menschen verletzt worden waren.
Mindestens 1000 Demonstranten forderten die örtlichen Behörden auf, für mehr Sicherheit zu sorgen. An verschiedenen Orten in der Stadt hätten sich am Donnerstag die Bürger versammelt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ein Großteil der Demonstranten gehörte Berichten nach nicht zur Minderheit der muslimischen Uiguren, die China für die Ausschreitungen vor acht Wochen verantwortlich macht, sondern zur Bevölkerungsmehrheit der Han-Chinesen.
Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, sie habe 15 Verdächtige festgenommen, die Passanten mit medizinischen Nadeln angegriffen haben sollen. Vier davon wurden schon vor Gericht gestellt. Es war unklar, ob es sich bei den Verdächtigen um Han-Chinesen oder Uiguren handelte. Inoffizielle Angaben über die Zahl der bei der Angriffsserie verletzten Personen variierten stark, von rund 400 bis zu 1000 Menschen. Unter den Verletzten waren Angehörige verschiedener Volksgruppen, darunter Uiguren, Han-Chinesen, Kasachen und Mongolen. Die Gesundheitsbehörden teilten mit, dass durch die Nadelstiche bisher niemand infiziert oder vergiftet worden sei.
Es gab auch Berichte, wonach sich die Demonstrationen am Donnerstag gegen die Uiguren gerichtet hätten, die für die Attacken mit Injektionsnadeln verantwortlich gemacht wurden. Wegen der Proteste verschärften die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt der Autonomen Region Xinjiang.
Einige Anwohner machen offenbar die örtlichen Behörden dafür verantwortlich, dass sich die Sicherheitslage in Urumtschi seit den Unruhen Anfang Juli nicht entscheidend verbessert hat. Bei den Ausschreitungen zwischen Uiguren und Han-Chinesen waren nach offiziellen Angaben 197 Menschen getötet worden. Exil-Uiguren glauben jedoch, dass deutlich mehr Angehörige dieser muslimischen Minderheit bei dem Einsatz der Sicherheitskräfte und bei Racheakten getötet wurden. Auch nach Ende der schweren Unruhen hatte es weiter starke Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen gegeben.