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China und Japan Privates und Politisches

 ·  Den vier Geschwistern der Familie Kurihara gehören die Senkoku-Inseln im Ostchinesischen Meer, die auch Japan, China und Taiwan gerne besäßen. Wahrscheinlich wird nun der nationalistische Gouverneur von Tokio neuer Eigentümer.

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Die Familie Kurihara ist eine konservative japanische Familie, die streng auf Tradition achtet. Und sie ist patriotisch. Die vier Familienangehörigen führen ein zurückgezogenes Leben. Oder besser: sie führten es. Seit einigen Monaten berichten vor allem chinesische und japanische Medien immer mehr über die vier Geschwister, denen die zwischen Japan, China und Taiwan umstrittenen Senkoku-Inseln im Ostchinesischen Meer gehören. „Da wird viel Missverständliches über uns berichtet“, klagt Hiroyuki Kurihara, der Sprecher der Familie. Sein älterer Bruder Kunioki, 70, das eigentliche Familienoberhaupt, meidet die Öffentlichkeit. Der jüngere Bruder Hiroyuki, 65, spricht deswegen für die Familie. Warum wollen die Kuriharas die Inseln ausgerechnet jetzt an den Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, verkaufen? Bis März 2013 ist eine der vier Inseln, die den Kuriharas gehören, noch von der japanischen Armee gepachtet. Die nutzt sie aber nicht. Läuft der Pachtvertrag aus, will die Familie die Inselgruppe an die Hauptstadt Tokio verkaufen.

Käufer Ishihara ist ein bekennender Nationalist. Die Kuriharas kennen ihn seit Jahren. Deswegen einigte sich der Gouverneur im April auch schnell mit der Familie über Kaufverhandlungen. Ishihara will mit der Übernahme der Inseln ein Zeichen gegen den maritimen chinesischen Expansionsdrang setzen. „Tokio wird die Senkaku-Inseln schützen“, verspricht er. Hiroyuki Kurihara würde dies so offen nicht sagen. Aber unterschwellig macht auch er deutlich, dass die Familie die Inseln vor allem deswegen verkaufen will, weil sie so den japanischen Anspruch auf die Inselgruppe und die fischreichen Gewässer auch in Zukunft sichern will. „Mein Bruder hat Senkaku vierzig Jahre lang verteidigt“, sagte er. Jetzt seien die Familienmitglieder aber alle um die 70. Erben gebe es nicht. Die chinesischen Gebietsansprüche, die Peking ungeniert aus mittelalterlichen Landkarten ableitet, bezeichnet er als absurd. Der Nationalist Ishihara, so scheint es, ist der Familie in dieser Situation der beste Garant dafür, Japans Hoheitsanspruch zu untermauern.

Dabei zeigt neuerdings auch die Zentralregierung Interesse an der Inselgruppe. Eine der fünf Inseln gehört bereits dem Staat, vier der Familie Kurihara. Sie hat sie von der Familie Konga gekauft, denen die Inseln seit Ende des 19. Jahrhunderts gehörten. Die Kongas nahmen den Käufern das Versprechen ab, die Inseln nicht an Unternehmen oder Privatpersonen weiterzuverkaufen. „Das gilt für uns“, erklärt Kurihara. Mit der Zentralregierung spricht die Familie dennoch nicht. Sie habe die Gespräche mit Ishihara im Frühjahr begonnen, sagt Hiroyuki Kurihara. „Und wir sind eine traditionelle Familie, da wechselt man nicht mal so eben von einem Verhandlungspartner zum nächsten.“ Regierungschef Yoshihiko Noda, der versucht, mit einer eigenen Kaufoption den Konflikt mit Peking zu glätten, indem er so den Nationalisten Ishihara aus dem Rennen nimmt, hat bei den Kuriharas keine Chance.

Hiroyuki Kurihara bemüht sich sichtlich, vor der ausländischen Presse nationalistische Töne zu vermeiden. Im Gegenteil: Er zeigt Fotos eines 250 Kilo schweren Thunfisches, der vor Senkaku gefangen wurde, und entwirft eine gemeinsame japanisch-chinesisch-taiwanische Fischereizukunft. Dass auch Öl- und Gasvorräte unter dem Meeresboden vermutet werden, darauf geht der Sprecher der Familie nicht ein. „Jetzt kommt es darauf an, die Inseln wirtschaftlich zu entwickeln“, sagt er. Derzeit sind sie unbewohnt. Ishihara habe in den zahlreichen Gesprächen mit der Familie konkrete Pläne für die Entwicklung der Inseln gezeigt.

Der Nationalist Ishihara hält weite Teile der Demokratischen Partei für zu chinafreundlich

Die hat er am Tag, an dem Kurihara sprach, auch gleich den japanischen Medien mitgeteilt. Die Zentralregierung müsse sichere Häfen bauen und sicherstellen, dass chinesische Patrouillenboote nicht mehr - wie zuletzt in diesem Monat - japanische Hoheitsgewässer um die Inseln verletzten, fordert Ishihara. Warum er es dennoch ablehnt, dass die Zentralregierung - die auch nach seinen Vorstellungen jede Infrastruktur finanzieren müsste - die Inseln selbst übernimmt, sagt er nicht. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass Ishihara weite Teile der regierenden Demokratischen Partei Nodas für zu chinafreundlich hält.

Ishihara will jetzt so schnell wie möglich städtische Beamte aus Tokio auf die rund 2000 Kilometer entfernten Inseln schicken. Protest aus China ist sicher. Chinesische Korrespondenten sagten Kurihara, 90 Prozent der Chinesen seien bereit, um Senkaku einen militärischen Konflikt zu wagen. „Lasst uns doch nicht von einem Krieg sprechen“, antwortet Hiroyuki. Auch wegen der chinesischen und taiwanischen Befindlichkeiten wolle die Familie lieber an Tokio als an die Zentralregierung verkaufen. „Ich denke, ein Geschäft zwischen unserer Familie und der Hauptstadt Tokio wäre weniger dramatisch als eine Übernahme durch die Zentralregierung“, sagt Kurihara.

Nach dem Willen der Familie wechseln die vier Inseln, die ihr gehören, spätestens im kommenden Jahr den Eigentümer. „Mein Bruder ist jetzt 70“, erklärt Kurihara. Kunioki wolle die Zukunft der Inseln noch sichern, solang er lebe. „Er hat die Inseln 40 Jahre lang geschützt, vielleicht ist er jetzt einfach müde.“

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