Home
http://www.faz.net/-gq5-wz51
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

China Tote bei Unruhen in tibetischen Regionen Sichuans

06.04.2008 ·  Bei weiteren Unruhen in den tibetischen Regionen der südwestchinesischen Provinz Sichuan hat es nach unbestätigten Berichten mehrere Tote gegeben. 15 Menschen sollen von der Polizei getötet worden sein. Die chinesische Regierung verschärft ihre „patriotische Erziehungskampagne“.

Von Petra Kolonko, Chengdu
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (7)

Bei weiteren Unruhen in den tibetischen Regionen der südwestchinesischen Provinz Sichuan hat es am Wochenende nach unbestätigten Berichten mehrere Tote gegeben. Nach Angaben des amerikanischen Radiosenders Radio Free Asia wurden 15 Personen getötet, als die Polizei in der Region Kardze (chinesisch: Ganzi) das Feuer auf Demonstranten eröffnete. Mehrere hundert Demonstranten hätten die Freilassung von zwei festgenommenen Mönchen aus dem Kloster Tongkor gefordert, hieß es.

Nach Angaben der in England ansässigen „International Campaign for Tibet“ sind unter den Toten drei Mönche, sechs Frauen und ein Kind. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte, dass es zu Unruhen in Sichuan kam, teilte aber weiter mit, dass die Polizei nur Warnschüsse abgegeben hätte. Es gab keine Angaben über Tote oder Verletzte. Tibetische Mönche in der Provinzhauptstadt Chengdu sprachen von vielen Verletzten.

„Patriotische Erziehungskampagne“

Die Mönche in Tongkor seien festgenommen worden, weil sie sich der „patriotische Erziehungskampagne“ widersetzt hätten, berichtete die „International Campaign for Tibet“. Mönche hätten sich geweigert, den Dalai Lama zu kritisieren. Darauf sei das Kloster nach den verbotenen Dalai-Lama-Fotos untersucht worden. Nachdem ein Bild des Dalai Lama auf den Boden geworfen wurde, sei die Situation eskaliert. In dem Kloster in Tongkor leben etwa 350 Mönche.

Nach Angaben der Exil-Tibeter und ihrer Unterstützungsorganisationen sind die patriotischen Erziehungskampagnen, die die Mönche auf die chinesische Politik und Religionsvorschriften einschwören sollen, seit den jüngsten Unruhen ausgeweitet worden. In diesen „Schulungen“ werde auch verlangt, dass die Mönche den Dalai Lama kritisieren. In manchen Klöstern würde verlangt, eine schriftliche Kritik am Dalai Lama abzugeben. Die ausgeweiteten Erziehungskampagnen hätten den Unmut bei den Mönchen in den vergangenen Tagen noch verschärft.

Der Dalai Lama äußerte am Sonntag im indischen Dharamsala, dass die Proteste in tibetischen Regionen Chinas weitergehen, sei ein Beweis dafür, dass die chinesische Propaganda nicht glaubwürdig sei. Die vielen Proteste hätten die Darstellung der Chinesen widerlegt, nach der die meisten Tibeter nur einen besseren Lebensstandard und ein ruhiges Leben wollten. Jetzt könne die Tibet-Frage nicht länger vernachlässigt werden, sagte das im Exil lebende Oberhaupt der Tibeter.

„Dalai Lama ein Verräter“

Die chinesische Regierung sieht die Region Kardze als ein Gebiet, das besonders dem Dalai Lama anhängt. Die „Dalai-Lama-Clique“ sehe Kardze als Modellgebiet für ihre sezessionistischen Aktivitäten, hieß es in einem Bericht der „Volkszeitung“.

Chinas staatlich kontrollierte Medien setzen derweil ihre Kampagne gegen den Dalai Lama fort, dem sie vorwerfen, die Unruhen organisiert zu haben. Er sei ein Verräter an China, heißt es in einem Kommentar der Nachrichtenagentur Xinhua.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die erste Frau

Von Berthold Kohler

Auch das hat es noch nicht gegeben: Eine Rücktrittserklärung eines Bundespräsidenten mit einer politischen Liebeserklärung an seine Frau. Mehr 17 17