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China besorgt über Nordkorea : Pensionierter General: Krieg kann jederzeit beginnen

„Ein Krieg ist jederzeit möglich“, warnte ein pensionierter chinesischer General mit Blick auf Nordkorea. Erst Ende November hatte Pjöngjang eine neuartige Interkontinentalrakete getestet. Bild: dpa

In China wächst die Nervosität über die Lage in Nordkorea. Der Einfluss auf den einstigen Schützling schwindet. Und ein ranghoher Militär macht Schlagzeilen – mit dem Aufruf zur Mobilisierung von Truppen in der Grenzregion.

          In Peking wächst offenbar die Sorge über eine mögliche Eskalation der Lage im benachbarten Nordkorea. Ein früherer stellvertretender Kommandeur des chinesischen Regionalkommandos Nanjing rief am Wochenende auf einer Veranstaltung in Peking dazu auf, die Truppen in der Grenzregion zu mobilisieren. Ein Krieg könne „jederzeit zwischen jetzt und März kommenden Jahres“ ausbrechen, sagte der pensionierte Generalleutnant Wang Hongguang laut Berichten der parteinahen Zeitung „Global Times“ und der in Hongkong ansässigen „South China Morning Post“.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der pensionierte Militär ist bekannt für seine schlagzeilenträchtigen Aussagen; dennoch ist zu vermuten, dass sie mit der Führung abgestimmt sind. Im vergangenen Jahr rief Wang die Volksbefreiungsarmee dazu auf, in Manövern die Wiedereroberung Taiwans zu proben. Und schon 2014, als Nordkorea offiziell noch als Verbündeter Chinas galt, mit dem Peking seit 1961 ein Verteidigungsbündnis eingegangen ist, erklärte er, man werde dem Nachbarn militärisch nicht zur Seite stehen, wenn das Regime kollabiere.

          Eine deutliche Warnung

          Die „Global Times“ zitiert zudem einen Militärexperten mit der Aussage, eine solche Mobilisierung zum Zwecke der Verteidigung bedeute etwa die Stationierung von Raketenabwehr und die Vorbereitung humanitärer Hilfe für potentielle Kriegsflüchtlinge aus Nordkorea. Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass in dem ansonsten verschwiegenen Peking derlei Vorbereitungen zur Sprache kommen. Zuvor war in den sozialen Netzwerken ein Dokument des Telekommunikationsanbieters China Mobile aufgetaucht, dem zufolge die Errichtung von fünf Flüchtlingslagern in der Grenzregion geplant ist.

          Der Politikwissenschaftler Zhu Feng von der Nanking-Universität hält das für einen „sehr bedeutenden Vorgang“ und eine deutliche Warnung an das nordkoreanische Regime. Damit wolle Peking sagen: „Wenn ihr so weitermacht, werden wir die Grenze für eure hungrigen Leute öffnen.“ Ein solcher Schritt würde die Legitimität des Regimes mit einem Schlag in Frage stellen. Denn bislang schickt Peking Flüchtlinge und Überläufer aus Nordkorea, die in China aufgegriffen werden, zurück über die Grenze.

          Die „Global Times“ zitiert den genannten Militärexperten Song Zhongping gar mit der Aussage, falls das mögliche amerikanische Vorgehen in Nordkorea die Kerninteressen Chinas bedrohe, könne es zu einem militärischen Eingreifen Chinas kommen.

          „Ein Regimewechsel ist unvermeidlich“

          Erst kürzlich hatte der amerikanische Außenminister Rex Tillerson China öffentlich zugesichert, dass amerikanische Truppen im Falle eines Zusammenbruchs des nordkoreanischen Regimes dessen Atomwaffen sichern würden, sich dann aber wieder südlich des 38. Breitengrads zurückziehen würden. Das habe man auch mit Peking besprochen. Das war insofern ungewöhnlich, als dass die chinesische Führung es – zumindest öffentlich – bisher abgelehnt hat, über einen solchen Fall zu sprechen, um sich nicht dem Vorwurf der Kollaboration auszusetzen.

          Die China-Expertin Oriana Skylar Mastro von der Georgetown University geht davon aus, dass auch China im Fall eines Regimesturzes versuchen würde, die Kontrolle über nordkoreanische Gebiete zu erlangen. „Einschließlich der nordkoreanischen Nuklearwaffen“, schreibt die Wissenschaftlerin in einem aktuellen Beitrag für die Zeitschrift „Foreign Affairs“. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass chinesische Truppen auf Seiten Nordkoreas in einen potentiellen Konflikt eingriffen. Sie würden lediglich eingreifen, um die Halbinsel nach Pekings Interessen zu gestalten, sollte Kims Diktatur enden.

          Auch der Wissenschaftler Zhu Feng spricht im Gespräch mit dieser Zeitung für chinesische Verhältnisse bemerkenswert offen über die Notwendigkeit, zusammen mit Amerika „einen Fahrplan für die Wiedervereinigung Koreas“ zu erarbeiten. „Ein Regimewechsel ist unvermeidlich“, sagt er. Von der offiziellen Position Pekings liegt er damit weit entfernt.

          Von einer Ernüchterung über den schwindenden Einfluss Chinas auf den einstigen Schützling Nordkorea ist in Peking derweil allerorten die Rede. Ein erstes Zeichen für die wachsende Nervosität auf chinesischer Seite war auch ein Bericht Anfang Dezember in der lokalen Parteizeitung in der Provinz Jilin, die ihre Leser darüber informiert, wie man sich vor radioaktiver Strahlung schützen könne. Unter anderem wurde empfohlen, Jodtabletten zu nehmen und radioaktiven Staub abzuwaschen.

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