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China : Peking weist Journalisten der „New York Times“ aus

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Die „New York Times“ hatte über die geschäftlichen Aktivitäten und Vermögen der Verwandten von Regierungschef Wen Jiabao berichtet. Bild: dpa

Nach Berichten über Vetternwirtschaft und Selbstbereicherung in der chinesischen Führungsspitze muss der Korrespondent der „New York Times“ jetzt das Land verlassen.

          Die Ausweisung des „New York Times“-Korrespondenten Chris Buckley aus China hat Sorgen ausgelöst, dass die chinesischen Behörden den Druck auf ausländische Journalisten noch verschärfen. Nach seiner Ankunft in Hongkong äußerte der 45 Jahre alte Australier am Dienstag die Hoffnung, bald wieder nach China zurückkehren und seine Berichterstattung fortsetzen zu können. Der langjährige China-Korrespondent wollte sich nicht dazu äußern, ob seine Ausweisung mit den Enthüllungen der Zeitung über die riesigen Reichtümer der Familie des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zusammenhängt.

          Ein Kommentar der „International Herald Tribune“, der weltweiten Ausgabe der „New York Times“, fragte allerdings: „Übt China Vergeltung an westlichen Journalisten?“ Das Blatt sprach von einem „Kalten Krieg gegen Nachrichtenorganisationen“, die mit ihren Berichten die chinesischen Führer verärgert hätten. „Ich hoffe, dass diese Angelegenheit gelöst werden kann, damit ich nach China zurückkehren und meine journalistische Arbeit fortsetzen kann“, sagte Buckley telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

          Mit seiner Frau und zwölfjährigen Tochter musste der Journalist am Vortag nach Hongkong ausreisen, weil ihm eine Verlängerung seines Visums zum Jahresende verweigert worden war. Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) äußerte sich „besorgt“. Asiendirektor Bob Dietz sagte: „Wir drängen die chinesischen Behörden, seine Akkreditierung so schnell wie möglich zu bewilligen.“ Die chinesischen Behörden verschärften den Druck auf ausländische Journalisten, stellte das Komitee fest.

          Blockade der Webseite der „New York Times“

          Dietz verwies unter anderem auf die Ausweisung der amerikanischen Journalistin Melissa Chan im Mai sowie die Blockade der Webseiten der „New York Times“ und der amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg, nachdem sie über die geschäftlichen Aktivitäten und Vermögen der Verwandten von Regierungschef Wen Jiabao und des neuen Parteichefs Xi Jinping berichtet hatten. Auch verweigert China dem designierten künftigen Bürochef der „New York Times“ in Peking, Philip Pan, seit Monaten bereits ein Journalistenvisum.

          „Die Visumprobleme erfolgen vor dem Hintergrund des Drucks der Regierung auf ausländische Nachrichtenmedien wegen der Recherchen in die Finanzen führender chinesischer Führer, die eine heikle Angelegenheit sind“, schrieb die „New York Times“. „Über Korruption wird in China umfangreich berichtet, aber die hohen Führer werden als unantastbar betrachtet.“

          Buckley selbst war an den Enthüllungsgeschichten nicht einmal beteiligt. Er arbeitete seit zwölf Jahren als akkreditierter Journalist in China - erst für die „New York Times“, dann seit 2005 für die Nachrichtenagentur Reuters, bevor er im September wieder zu der Zeitung zurückkehrte.

          Quelle: DPA

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