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China Internationale Sorge um verschwundenen Bürgerrechtler

19.01.2010 ·  Der inhaftierte chinesische Anwalt Gao Zhisheng ist verschwunden. Die Polizei behauptet, er habe sich bei einem Spaziergang verlaufen und sei nicht wieder aufgetaucht. Menschenrechtler befürchten dagegen, dass er nicht mehr lebt. Schon früher war Zhisheng Opfer von Folter durch die Polizei.

Von Till Fähnders, Peking
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Seit fast einem Jahr wird der chinesische Anwalt Gao Zhisheng vermisst. Bisher vermutete seine Familie ihn in den Händen der Polizei. Erst in der vergangenen Woche hatte der Bruder Gao Zhiyi einen der Polizisten, die damals bei der Verhaftung Gaos dabei waren, ausfindig machen können. Doch der berichtete nun, Gao Zhisheng sei schon im September nach einem Spaziergang verschwunden. Er habe sich verlaufen und sei nicht wieder aufgetaucht. Menschenrechtler befürchten nun, dass der 45 Jahre alte Anwalt möglicherweise gar nicht mehr am Leben ist. Sein merkwürdiges Verschwinden ist besonders alarmierend, weil Gao Zhisheng schon in der Vergangenheit Opfer von Misshandlungen durch die Polizei geworden war.

Die Organisation ChinaAid berichtete von Gerüchten, die seit Dezember kursierten und „darauf hinweisen, dass Gao Zhisheng durch brutale Folter in der Haft gestorben ist“. Die amerikanische Botschaft in Peking sagte der Agentur dpa, sie sei sehr besorgt über das Schicksal des Bürgerrechtlers. Offenbar kurz vor seinem Verschwinden hatte Gao Zhiyi noch einmal mit seinem Bruder telefonieren können. „Mir geht es gut“, soll er gesagt haben. Aber Gao hatte schon früher Zeit im Gefängnis verbracht und war nach eigenen Angaben dort schwer gefoltert worden.

Die Ein-Parteien-Herrschaft nannte er „barbarische Tyrannei“

Sein schockierender Bericht darüber war vor einiger Zeit von Menschenrechtlern veröffentlicht worden. „Wir haben allen Grund zu der Befürchtung, dass die chinesische Regierung etwas sehr Schwerwiegendes zu verbergen hat“, teilte ChinaAid-Präsident Bob Fu mit. Gao hatte sich einst für enteignete Bauern, verfolgte Christen, Aktivisten sowie Anhänger der verbotenen Falun Gong-Bewegung eingesetzt. Wie bei vielen anderen Menschenrechtsanwälten in China hatte sich das von der Partei kontrollierte Justizsystem schließlich gegen ihn gewendet.

Schon seit Mitte der neunziger Jahre hatte Gao Zhisheng Bedürftige und Opfer von Menschenrechtsverletzungen vertreten. Im Jahr 2001 wurde er bei einem Wettbewerb des Justizministeriums wegen seines Einsatzes sogar zu einem der zehn besten Anwälte des Landes gekürt. Doch indem er immer mehr politisch heikle Fälle annahm, brachte Gao die Staatsmacht gegen sich auf. Im Jahr 2005 schrieb der damals dem Christentum beigetretene Anwalt einen Brief an Präsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao. Er sprach sich darin für Religionsfreiheit in China und gegen die Verfolgung der Falun-Gong-Anhänger.

Im selben Jahr trat Gao Zhisheng den Berichten nach außerdem öffentlich aus der Kommunistischen Partei aus. Seine Kritik an der chinesischen Ein-Partei-Herrschaft, die er eine „barbarische Tyrannei“ nannte, wurde schärfer. Im November 2005 schlossen die Behörden seine Anwaltskanzlei Shengzhi, und einen Monat später verlor Gao Zhisheng seine Lizenz. Wegen „Subversion“ verurteilte ein Gericht Gao Zhisheng im Jahr 2006 zu drei Jahren Haft. Die Strafe wurde zwar zur Bewährung ausgesetzt, Gao Zhisheng aber weiter unter Hausarrest gestellt. Die ständige Überwachung wurde für die Familie zur Qual.

Zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert

Vor einem Jahr flüchtete seine Frau Geng He mit den zwei gemeinsamen Kindern aus China nach Thailand und von dort aus weiter in die Vereinigten Staaten. Familie und Mitstreiter bangen nun um das Schicksal des prominenten Bürgerrechtlers. Die jugendliche Tochter war nach Angaben von ChinaAid nun so erschüttert über die Nachricht vom Verschwinden ihres Vaters, dass sie in einem New Yorker Krankenhaus behandelt werden muss.

Gao Zhisheng war bereits im Jahr 2008 für den Friedensnobelpreis nominiert. Er war auch im vergangenen Jahr mit den inhaftierten Bürgerrechtlern Liu Xiaobo und Hu Jia als aussichtsreicher Anwärter gehandelt worden. Eine Petition im Internet, in der die Freilassung des Anwalts gefordert wird, haben seit dessen ersten Verschwinden vor fast einem Jahr schon mehr als 125.000 Menschen unterzeichnet.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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