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China Ein neuer Kalter Krieg?

 ·  China rüstet auf. Amerika lässt sich davon nicht einschüchtern. Es gibt Anzeichen eines neuen Ost-West-Konflikts. Nur wenn sich Europa einig ist, bleibt es dabei mehr als Zuschauer.

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© AFP In Reih und Glied: China rüstet auf, Amerika reagiert nicht nur mit Diplomatie

Auf dem Parteitag der amerikanischen Demokraten fehlte eines der wichtigsten und im Volk beliebtesten Mitglieder der Regierung von Präsident Obama: Außenministerin Hillary Clinton reiste auf einer zehntägigen Tour durch Asien. Die Rede ihres Ehemannes Bill Clinton verfolgte sie am Computer-Bildschirm in der amerikanischen Botschaft in Osttimor, einem Land mit nur 1,1 Millionen Einwohnern. Sicher gab es auch noch andere Gründe, weshalb Frau Clinton nicht an dem Parteitag in Charlotte, North Carolina, teilnahm. Aber ihre Asien-Reise war das Zeugnis dafür, wie wichtig Washington selbst die kleinsten Mitspieler auf dem Kontinent nimmt.

Das amerikanische Interesse an Asien hat einen simplen Grund: China. Das frühere Reich der Mitte ist auf dem Weg zur Vormachtstellung in Fernost und vielleicht darüber hinaus. Die seit dem Bruch der Sowjetunion herrschende Weltordnung mit der Hegemonialmacht Amerika im Zentrum gerät ins Wanken.

Wenn eine neue Macht aufsteigt, versetzt das die alte Macht in Unruhe. Wie wird sich China, wo bald die politische Führung ausgewechselt wird, in Zukunft verhalten? Immer wieder sprechen amerikanische Offizielle über Unklarheiten, zum Beispiel in Bezug auf die Gründe für die chinesische Aufrüstung. Es gibt Anzeichen für einen neuen Ost-West-Konflikt.

Angst vor dem Nachbar

Besonders stark macht sich die Unsicherheit im Südchinesischen Meer bemerkbar, wo China Gebietsansprüche anmeldet, die sich mit denen einiger südostasiatischer Staaten überschneiden. Die Nachbarländer fürchten den neuen starken Mann und fühlen sich durch dessen immer forscheres Auftreten gegängelt. Für einige liegt daher nichts näher, als sich stärker der einzigen anderen relevanten Macht in der Region zuzuwenden. Dort werden sie mit offenen Armen empfangen. So ist Hillary Clinton seit ihrem Besuch im Sultanat Brunei am Freitag die erste Person in ihrem Amt, die während ihrer Amtszeit alle zehn Mitgliedstaaten der „Vereinigung der Südostasiatischen Nationen“ (Asean) besucht hat.

Amerika reagiert aber nicht nur mit Diplomatie. Washington hat angekündigt, seine Militärpräsenz in der Region zu stärken. Im australischen Darwin werden Soldaten stationiert, in Singapur zwei bis vier amerikanische Kriegsschiffe, auch auf den Philippinen sollen alte Stützpunkte wiederbelebt werden. Sogar mit Vietnam baut Amerika eine Militärkooperation auf. Nicht ganz zu Unrecht betrachtet China das Engagement als Versuch der Einkreisung und Eindämmung. Aber auch Peking hat mit durch seine wirtschaftlichen Macht die Reichweite seiner Marine erweitert und seine eigenen Allianzen geschmiedet.

Stellvertreterkonflikte

Die Rivalität führt schon jetzt zu Stellvertreterkonflikten, wenn auch bisher nur auf diplomatischer Ebene. Im Juli konnten sich die Asean-Mitglieder zum ersten Mal in 45 Jahren nicht auf eine Gipfelerklärung einigen. Vietnam und die Philippinen wollten, dass ihr Territorialstreit mit China wenigstens erwähnt würde. Doch der Gastgeber Kambodscha blockierte das. Als Kambodschas Ministerpräsident Hun Sen nun China besuchte, wurde er von Regierungschef Wen Jiabao für seine wichtige Rolle in den Asean-China-Beziehungen gelobt. Er konnte neue Hilfskredite in Höhe von 420 Millionen Dollar für sein Land abholen.

Ist dies schon eine Art neuer Kalter Krieg? Immerhin geht es auch um die Konkurrenz zwei gegensätzlicher politischer Modelle. In Osttimor teilte Frau Clinton mit, dass die Förderung von Demokratie und Menschenrechten ein zentraler Pfeiler des amerikanischen Engagements in Asien sei. China kooperiert dagegen besonders gut mit bitterarmen und autoritär geprägten Ländern wie Kambodscha und Laos. Aus diesem Grund ist der demokratische Umbruch in Burma auch strategisch wichtig, weil das Land unter dem Militärregime bislang ein Vertrauter Chinas war. Schon schlagen Fachleute vor, man solle Asien einfach aufteilen und Indochina den Chinesen überlassen. Dagegen spricht allerdings nicht nur die anti-chinesische Stimmung in Vietnam.

Natürlich sind die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik heute schon durch Handel und Diplomatie so eng verbunden, wie es Amerika und die Sowjetunion nie waren. Doch die neue Bipolarität prägt die Welt und spielt auch bei Konflikten wie in Syrien und um Iran eine Rolle.

Immerhin erscheint dort auch Europa noch auf der Bildfläche. Doch der Traum von einem multilateralen System mit einem mächtigen Europa scheitert an der Schwäche der alten Welt. Wir seien zu sehr mit uns selbst beschäftigt, zu uneinig, zu wenig präsent, heißt es in Asien allerorten. Deutschland wird als Handelspartner geschätzt, wie die China-Reise Angela Merkels gezeigt hat. Auch Südostasien freut sich über deutsche Besucher. Aber die Region wird beherrscht vom Gerangel zweier Mächte. Es gibt also noch einen Grund, Europa zu stärken. Sonst sind wir nur noch Publikum.

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Von Philip Eppelsheim

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