23.12.2004 · Der frühere chilenische Diktator, der mit einem Mordverfahren rechnen muß, ist aus dem Militärkrankenhaus in Santiago entlassen worden. Die Kläger halten die angebliche Erkrankung Pinochets für ein Manöver.
Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet ist aus dem Militärkrankenhaus in Santiago entlassen worden. Am vergangenen Samstag war er wegen einer Gefäßerkrankung im Gehirn bewußtlos in vorgeblich lebensgefährlichem Zustand in die Klinik eingeliefert worden. Nach Angaben der Familie erteilte ihm ein Priester die Letzte Ölung.
Schon am Sonntag gaben die Ärzte jedoch an, der Zustand sei nicht ernst. In diesen Tagen muß der Oberste Gerichtshof in letzter Instanz darüber entscheiden, ob das kürzlich von Richter Juan Guzman gegen Pinochet angestrengte Verfahren wegen dessen mutmaßlicher Verantwortung für neun Entführungen und einen Mord im Rahmen der "Operation Condor" fortgeführt werden kann. Außerdem muß der gegen den früheren General verhängte Hausarrest überprüft werden.
Nur ein Manöver?
Die Kläger halten die angebliche Erkrankung Pinochets für ein Manöver. Sie erinnerten daran, daß Pinochet bislang immer das Krankenhaus aufsuchte, wenn ihm ein juristisches Verfahren drohte.
Unter den fünf Richtern des Obersten Gerichts herrscht dem Vernehmen nach Uneinigkeit darüber, in welcher Weise der Gesundheitszustand Pinochets bei ihrer Entscheidung zu berücksichtigen sei. In Chile schützt nur geistige Verwirrung, nicht jedoch körperliche Gebrechlichkeit vor Strafverfolgung.