In der chilenischen Hauptstadt Santiago haben rund 10.000 Menschen der Opfer der Militärdiktatur (1973-1990) gedacht. An einem Gedenkmarsch in der Innenstadt nahmen am Sonntag (Ortszeit) auch viele Schüler, Lehrer und Studenten teil. In Sprechchören wurde eine Reform des Bildungssystems gefordert, das von der Pinochet-Diktatur geprägt ist.
Die Chilenen seien aufgewacht, sagte die Menschenrechtlerin Lorena Pizarro mit Blick auf die seit Monaten anhaltenden Demonstrationen für ein bessere und kostenlose Bildung. „In der Erinnerung jener, die nicht mehr hier sind, werden wir anfangen, Chile zu einem gerechteren, wirklich demokratischen Land zu machen“, sagte Pizarro. Studenten der staatlichen Universität von Chile erinnerten auf einem Transparent an 60 Kommilitonen, die seit der Rückkehr zur Demokratie 1990 von Polizei und Militär getötet wurden.
Am Rande der Schlusskundgebung im Zentralfriedhof kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Vermummten und der Polizei. Ein Polizist wurde verletzt, 20 Demonstranten wurden festgenommen. Die offizielle Zahl der Folteropfer während der Diktatur von Augusto Pinochet war Mitte August von einer staatlich eingesetzten Menschenrechtskommission um 9.800 auf 37.055 Menschen erhöht worden. Hinzu kommen 3.225 Ermordete und „Verschwundene“. Menschenrechtler schätzen die Zahl der Opfer aber auf über 100.000. Schüler, Lehrer, Studenten, Umweltschützer und Gewerkschafter demonstrieren seit Mai gegen das neoliberale Wirtschafts- und Bildungssystem, das auf das Pinochet-Regime zurückgeht. An der Regierungskoalition von Präsident Sebastián Piñera sind zahlreiche frühere Gefolgsleute Pinochets beteiligt. Erste Gespräche zwischen Piñera und den Studenten kommen nur schleppend voran. An diesem Montag wollen die Studenten neue Vorschläge präsentieren.
