13.05.2008 · EU-Kommissionspräsident Barroso hat die Bundeskanzlerin vor deren Lateinamerika-Reise gegen die verbalen Attacken des venezolanischen Präsidenten in Schutz genommen. Chávez hatte Frau Merkel in eine geistige Nähe zu Adolf Hitler gerückt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Dienstag zur längsten Auslandsreise ihrer bisherigen Amtszeit nach Lateinamerika aufgebrochen. Innerhalb einer Woche will sie Brasilien, Peru, Kolumbien und Mexiko besuchen. Im Mittelpunkt steht die Teilnahme am EU-Lateinamerika-Gipfel am Freitag, zu dem Delegationen aus 27 europäischen und 33 lateinamerikanischen Staaten erwartet werden.
Dabei wird Merkel voraussichtlich dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez begegnen, der sie am Wochenende scharf angegriffen und sie in die Nähe Adolf Hitlers gerückt hatte. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso stellte sich während eines Mexiko-Besuchs demonstrativ hinter die Bundeskanzlerin.
Frau Merkel sei eine große Demokratin, sagte er und fügte mit einem Seitenhieb auf Chávez hinzu: „Aufrührerische, populistische und aggressive“ Bemerkungen dienten kaum den Bemühungen, die Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika auszubauen.
Erste Kanzler-Reise durch den Kontinent seit 2002
Ziel der Reise Merkels ist die Intensivierung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Lateinamerika, das mit 540 Millionen Einwohnern bevölkerungsreicher als die EU und die viertwichtigste Wirtschaftsregion der Welt ist. Es ist die erste große Reise eines deutschen Regierungschefs durch den Kontinent seit sechs Jahren.
Frau Merkel war allerdings in den 90er Jahren schon einmal als Umweltministerin dort. Die Kanzlerin wird von einer kleinen, elfköpfigen Unternehmerdelegation begleitet, der überwiegend Mittelständler angehören. Zudem nehmen mehrere Bundestagsabgeordnete an der Reise teil.
Unterzeichnung eines Energieabkommens in Brasilien
Erste Station ist die brasilianische Hauptstadt Brasilia, in der Merkel am (morgigen) Mittwoch Präsident Luiz Inácio Lula da Silva treffen wird. Brasilien ist der größte Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. 2007 wurden Waren im Wert von 15,1 Milliarden Euro zwischen beiden Ländern ausgetauscht. 1.200 deutsch-brasilianische Unternehmen beschäftigen in Brasilien 250.000 Menschen. Sao Paolo, das Merkel ebenfalls besuchen wird, ist der größte Standort der deutschen Wirtschaft im Ausland.
Während des Besuchs soll ein Energieabkommen mit Brasilien unterzeichnet werden, das vor allem die Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien und der effizienten Energienutzung stärken soll. Die Vereinbarung soll auch die Nachhaltigkeit beim Anbau von Biokraftstoffen sichern. Kritiker befürchten, dass der Anbau von Energiepflanzen den Bestand des Regenwalds gefährden könnte. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ will sich die Bundesregierung gleichzeitig in einem Notenwechsel zum mehr als 30 Jahre alten deutsch-brasilianischen Abkommen über eine technologische Zusammenarbeit in der zivilen Atomtechnik bekennen.