16.03.2007 · Dass mehr über die amerikanischen Praktiken der Terrorbekämpfung geredet wird als über die kühl-mörderischen Pläne und Taten der Terroristen, hat die Regierung Bush sich selbst zuzuschreiben. Klaus-Dieter Frankenberger kommentiert.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerVieles von dem, was der Chefplaner von Al Qaida, Chalid Scheich Mohammed, bei einer Anhörung in Guantánamo über seine Rolle zu Protokoll gegeben hat, findet sich bereits in der einschlägigen Literatur. Da zieht sich eine Spur des islamistischen Terrorismus vom ersten Anschlag auf das World Trade Center über den „11. 9.“ bis zu den verheerenden Anschlägen in Bali, Kenia und Djerba.
Chalid bezichtigt sich auch des gescheiterten Attentats auf den Papst in Manila 1995 und der Urheberschaft des Plans, zwölf Flugzeuge über dem Pazifik zum Absturz zu bringen; auch das wusste man bereits. Darüber hinaus brüstet er sich weiterer monströser Anschlagspläne, die bislang nicht bekanntgeworden sind.
Es ist schwer zu beurteilen, ob das der Phantasie eines eitlen, megalomanen Oberterroristen entsprungen ist, der schon 1996 vor einem New Yorker Gericht in Abwesenheit angeklagt worden war, den viele nationale Sicherheitsbehörden verfolgten und dessen man bei größerer Sorgfalt durchaus schon vor jenem Dienstag im September 2001 hätte habhaft werden können - in Pakistan oder am Golf.
Je gigantischer der Massenmord, desto besser.
Aber aus dem Transkript seiner Aussage geht eindeutig hervor, dass dieser Chalid Scheich Mohammed die operative Schlüsselfigur in einem Netz war, das im afghanisch-pakistanischen Grenzraum geknüpft, weltweit gespannt und aus der arabischen Welt finanziert wurde. Und dessen Ziele und Opfer keine Grenze kannten. Je gigantischer der Massenmord, desto besser. Das war Chalids Logik, das hat er selbst zugegeben - vor einer Militärkommission. Die Beweislage ist erdrückend.
Freilich geben der Ort der Aussage und die mutmaßlichen Umstände, unter denen er die Jahre seit der Festnahme 2003 im Gewahrsam der CIA verbracht hatte, seiner Aussage einen rechtsstaatlichen Makel. Ist er genötigt oder gar gefoltert worden? Er selbst suggeriert, er sei gefoltert worden, als er noch nicht in Guantánamo war, seine jetzige Aussage habe er freiwillig gemacht.
Der „feindliche Kämpfer“ - eine unnötige Erfindung
Ob das einem rechtsstaatlich korrekten Verfahren Genüge tut, dürfte umstritten sein, so umstritten, wie es schon die Anhörung war. Dass es so gekommen ist, dass die Taten und Motive der Terroristen in den Hintergrund getreten sind, dafür die amerikanischen Praktiken der Bekämpfung des Terrorismus ins Zwielicht gerieten, das hat sich die Regierung Bush selbst zuzuschreiben, wenigstens zum Teil. Der „feindliche Kämpfer“ war eine Erfindung, auf die man auch hätte verzichten können.
Amerikas Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust ist das eine, das andere freilich ist die kühl-mörderische Perfidie eines Chalid Scheich Mohammed. Den Krieg, der auf ihn zurückschlug, haben er und seine Kumpane vor mehr als einem Jahrzehnt begonnen. Das muss man sich wieder in Erinnerung rufen.
Kampagne gegen USA
Frank Frei (showmekindaguy)
- 16.03.2007, 08:48 Uhr
Glück im Unglück - Recht im Unrecht?
Caroline Böttiger (caroline.boettiger)
- 16.03.2007, 12:21 Uhr
Herr Frankenberger,
Gustav Lebeding (Lebeding)
- 16.03.2007, 12:32 Uhr
@Kampagne: Folter nicht ausgeschlossen
Tom Weber (Tom030)
- 16.03.2007, 13:42 Uhr
@ Frank Frei
Tayfun Ugur (BRIGHT1)
- 16.03.2007, 14:03 Uhr
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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