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F.A.Z.-exklusiv : Referendum in Katalonien – „demokratischer Tsunami“?

Katalanische Landwirte demonstrieren am Freitag in Barcelona für die Unabhängigkeit Kataloniens. Bild: dpa

Der katalanische Regionalpräsident Puigdemont erwartet eine hohe Beteiligung an der Volksabstimmung, bei der die Bürger am Sonntag über die Loslösung ihrer Region von Spanien entscheiden sollen. Nach der Abstimmung will er sofort den Dialog mit Madrid suchen.

          Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont erwartet, dass sich am Sonntag in einem „demokratischen Tsunami“ Millionen Wähler an dem Referendum über einen unabhängigen Staat beteiligen werden. Die jüngsten Polizeiaktionen, bei denen mehr als zehn Millionen Stimmzettel beschlagnahmt worden waren, könnten die Katalanen nicht aufhalten, sagte Puigdemont in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Freitag in Barcelona: „Wir haben viel mehr Wahlurnen als wir eigentlich benötigen.“ Er zeigte sich zuversichtlich, dass nach einer Zustimmung am Sonntag die Europäische Union „pragmatisch“ der neuen Lage anpassen werde; die sich schon immer durch großen „politischen Realismus“ ausgezeichnet.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach Puigdemonts Worten wird Katalonien nicht sofort seine Unabhängigkeit erklären. Bis zum endgültigen Ergebnis werde es sicher einige Tage dauern. Nach dessen Bekanntgabe sieht das Wahlgesetz eine Frist von 48 Stunden bis zur Unabhängigkeitserklärung vor. Der katalanische Regionalpräsident erklärte sich jedoch dazu bereit, sofort nach dem Ende der Abstimmung am Sonntagabend mit Spanien in einen Dialog zu treten. „Wir wollen besser mit Spanien zusammenarbeiten, aber im gegenseitigen Respekt und unter Gleichen“, sagte Puigdemont. Auch gegenüber Vermittlungsbemühungen zeigte er sich offen.

          Madrid: Das ist kein Referendum

          Die spanische Regierung hatte sich in der Vergangenheit zu Gesprächen bereit erklärt, sofern sie nicht die Volksabstimmung betrafen, die das Verfassungsgericht für illegal erklärt hatte. Was am 1. Oktober in Katalonien stattfinde, sei kein Referendum, sagte am Freitag ein Regierungssprecher in Madrid. Dafür fehlten jegliche Garantien. Die verantwortlichen Katalanen würden vor Gericht „persönlich und mit ihrem Vermögen“ zur Rechenschaft gezogen, sagte der Sprecher. Von diesen Drohungen unbeeindruckt präsentierte die katalanische Regionalregierung die erste Wahlurne in der Öffentlichkeit. Die in China hergestellten Plastikbehälter sind so gut versteckt, dass die Polizei bisher keine Urne fand. Sie sollen am Sonntag in insgesamt 2300 Wahllokalen aufgestellt werden. Trotz einer Anordnung der spanischen Justizbehörden versiegelte die katalanische Polizei bis zum Abend keine der Schulen, die als Wahllokale dienen sollen.

          Am Freitagnachmittag begannen Dutzende Katalanen damit, sich in Schulen zu begeben, die als Wahllokale dienen sollen. Sie wollen dort bleiben, bis am Sonntag die Abstimmung beginnt und auf diese Weise verhindern, dass die Polizei die Schulen schließt und abriegelt. Zuvor brachte ein Konvoi von Traktoren, die mit der katalanischen Nationalflagge geschmückt waren, im Zentrum den Verkehr zeitweise zum Erliegen. Mehr als 30.000 Polizisten werden am Wochenende im Einsatz sein. Die spanische Regierung entsandte gut 10.000 zusätzliche Polizisten in  die Region. Das Auswärtige Amt empfahl Katalonien-Reisenden vorsichtig zu sein und größere Menschenansammlungen zu meiden. Eine Eskalation könne nicht ausgeschlossen werden, heißt es in einem aktuellen Reisehinweis.

          Das komplette Interview lesen Sie in der Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, heute Abend ab 20 Uhr digital oder ab morgen früh am Kiosk.

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