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Grasland: Der Kampf gegen die Marihuana-Mafia in Albanien

Grasland

Text und Fotos: DAVID KLAUBERT

05.09.2017 · Das kleine Albanien ist zum größten Marihuana-Lieferanten Europas geworden. Wie ernst meint es die Regierung mit ihrem „Krieg gegen die Drogenmafia“?

D ie Koordinaten für den Einsatz hat Kriminalhauptkommissar Saimir Rrustemi direkt vom Innenministerium bekommen. Im Licht einer Straßenlaterne blättert er, bevor es gleich losgeht, die Ausdrucke noch einmal durch: Satellitenbilder von Google Earth, bewaldete Bergrücken und darauf verteilt gelbe Stecknadeln.

Kriminalhauptkommissar Saimir Rrustemi

Es ist nachts um kurz nach vier, und Shkodra, die größte Stadt im Norden Albaniens, schläft. Nur vorm Polizeirevier erwacht schon Leben. Immer mehr Männer schlappen aus der Dunkelheit. Hauptkommissar Saimir Rrustemi hakt in seinen Unterlagen die Namen zu den müden Gesichtern ab. 50 Mann hat er aus den Polizeiwachen der Gegend angefordert, ein bunter Haufen in dunkelblauen Uniformen. Und weil dort, wo die Stecknadeln eingezeichnet sind, im vergangenen Jahr auf Polizisten geschossen wurde, kommt zusätzlich ein Spezialeinsatzkommando: drei kantige Mannschaftswagen voll ebenso kantiger Kerle. Jeder mit einer Kalaschnikow.

„Es wird anstrengend“, sagt Rrustemi, als er vor die Männer tritt. Hellwach, die Schatten eines Bartes auf den Wangen, die Beine militärisch breit. „Keiner wird in die Stadt zurückkehren, bevor wir unseren Job nicht erledigt haben.“ Er ist 36, jünger als die meisten seiner Männer. Chef Saimir nennen sie ihn, seit er im vergangenen Jahr zum obersten Kriminalpolizisten der Stadt befördert worden ist. Seine wichtigste Mission seither: Unkrautvernichtung. Jede der zwölf Stecknadeln steht für ein Cannabisfeld.

Grafik: F.A.Z. / stepmap

Albanien, im Südwesten des Balkans. An bis zu 300 Tagen im Jahr scheint die Sonne. Trotzdem führen die Flüsse, die aus den Gebirgen ins Mittelmeer strömen, viel Wasser. Beste Bedingungen nicht nur für die heimische Flora und Fauna, sondern auch für die ursprünglich aus Zentralasien stammende Hanfpflanze, lateinisch: Cannabis sativa. Die wächst in Albanien so gut, dass das kleine Land zum wichtigsten Produzenten und Lieferanten von Marihuana in Europa geworden ist. Mit Abstand, heißt es bei Europol.

Eine Auswahl der Beschlagnahmungen von albanischem Marihuana in den vergangenen Monaten: zwei Tonnen an Bord einer Luxusjacht südlich der Peloponnes, 25 Kilogramm in einem Reisebus in Wien, 674 Kilogramm in einem Transporter bei Amsterdam, 2,3 Tonnen auf einem Schnellboot vor Apulien, 550 Kilogramm in einem Lastwagen auf der Autobahn 9 bei Hof. Es war einer der größten Rauschgiftfunde, die der bayerische Zoll je gemacht hat.

Eines der großen Anbaugebiete lag im vergangenen Jahr in den Dukagjin-Bergen, nicht weit von Shkodra. Albanien ist hier so wie es Karl May einst beschrieben hat, ohne je dagewesen zu sein: unwegsam, schroff und wunderschön. „Die Hölle“ sagen die Männer von Chef Saimir.

Die Koordinaten für ihren Einsatz stammen ursprünglich von der italienischen Guardia di Finanza. Die Finanz- und Zollpolizei überfliegt regelmäßig albanisches Territorium und macht Fotos, die sie anschließend auswertet. Das Grün von Cannabis-Feldern ist intensiver als das der übrigen Vegetation, und wenn die Italiener solche Flecken entdecken, leiten sie die Informationen ans Innenministerium in Tirana weiter. Dann müssen Polizisten wie Saimir Rrustemi ausrücken. Am Boden, denn Hubschrauber haben sie nicht.

Und der Weg ins Dukagjin ist tatsächlich eine Höllenfahrt. Die Stoßdämpfer der Polizeigeländewagen sind längst totgeritten. Die Schotterpiste hängt über einer tiefen Schlucht und alle paar Kilometer stehen Kreuze und Gedenksteine mit Namen, die von ganzen Familien erzählen, die in den Tod gestürzt sind. Die Dörfer sind nicht mehr als weit verteilte Bergbauernhöfe, irgendwo eine Kirche und eine Schule mit eingestürztem Dach. Nach viereinhalb Stunden wird der Weg so steil, dass einer der Polizeiwagen Rauch spuckt und stehen bleibt. Der Fahrer versucht es noch einmal mit Anlauf, dann mit Anschieben, aber der Motor packt es nicht. „Baujahr 1998“, sagt ein Polizist. „So sollen wir den Cannabis-Anbau bekämpfen? Die haben doch viel mehr Geld als wir.“

Kriminalhauptkommissar Saimir Rrustemi und seine Männer auf dem Weg in die unwegsamen Dukagjin-Berge

Das organisierte Verbrechen hat in Albanien fruchtbaren Boden gefunden. Der Übergang vom totalitären Regime zur Demokratie in den frühen neunziger Jahren war geprägt von gewaltvollen Unruhen, Gesetzlosigkeit und Korruption. Mafiöse Clans mit engen Verflechtungen in die Politik begannen, ihr Geld mit Zigaretten-, Waffen-, Heroin- und Menschenschmuggel zu verdienen. Bald stiegen sie auch ins Cannabisgeschäft ein. In Lazarat, nicht weit von der griechischen Grenze, nahm der Anbau industrielle Ausmaße an. Die Dorfbewohner pflanzten in Hinterhöfen, Gärten und auf Feldern. Zur Weiterverarbeitung gab es mehrere Labore. Nach Schätzungen der Guardia di Finanza wurden in Lazarat pro Jahr bis zu 900 Tonnen Cannabis produziert.

Die Regierung in Tirana ließ Lazarat gewähren, als wäre es eine Drogenfreihandelszone. Die Einwohner stimmten geschlossen für die Demokratische Partei, die zuletzt in den Jahren von 2005 bis 2013 an der Macht war. Ein knappes Jahr nach dem Regierungswechsel – und wenige Tage, bevor die Europäische Union entscheiden sollte, ob sie Albanien den Status eines Beitrittskandidaten zuspricht – ordnete der neue sozialistische Ministerpräsident Edi Rama die Erstürmung an. 800 Polizisten und Spezialkräfte in Panzerfahrzeugen belagerten das Dorf. Sie wurden mit Maschinengewehren und Panzerfäusten beschossen. Nach fünf Tagen konnte die Polizei dann 80 Tonnen Marihuana und etwa 130.000 Stauden vernichten. Doch der Krieg gegen den Cannabisanbau hatte damit erst begonnen. Denn die Plantagen breiteten sich danach im ganzen Land aus.

Verhaftet wurden in Lazarat nur Handlanger. Die Hintermänner kamen davon – mit all ihrem Geld, ihrem Fachwissen, ihren guten Verbindungen zu Politikern und Polizisten. Wie wichtig diese Verbindungen sind, das bestätigt auch einer, der selbst auf Cannabisfeldern im Dukagjin gearbeitet hat. Seinen Namen will er nicht nennen, und er will auch nicht in dem Café in Shkodra sprechen, das er als Treffpunkt gewählt hat, sondern im fahrenden Auto. „Ich habe das nur getan, weil ich das Geld für meine Familie gebraucht habe“, sagt er immer wieder. 17 ist er, in die Höhe geschossen, aber noch kindlich schmal. Vor zehn Jahren sei er mit seinen Eltern und den fünf Geschwistern aus einem Bergdorf im Dukagjin an den Stadtrand von Shkodra gezogen. Ein Jahr lang war er in der Schule, hat gelernt, seinen Namen zu schreiben, mehr nicht. Er begann, Autos zu waschen und verdiente damit 300 Lek am Tag. Umgerechnet keine 2,50 Euro.

Cannabisplantagen im Dukagjin und zu deren Bewässerung ein künstlicher Teich

Vor zwei Jahren sprach ihn dann ein junger Kerl aus der Nachbarschaft an, einer, der ebenfalls aus dem Dukagjin stammte und immer Markenklamotten trug. „Willst du für mich auf dem Feld arbeiten?“, fragte er. Und weil er 3000 Lek am Tag versprach, willigte der Junge ein. Vier Felder hatte sein neuer Boss, versteckt auf Waldlichtungen in den Bergen. Fünf, sechs Halbstarke arbeiteten dort den Sommer über. Sie setzten Samen, düngten, schleppten Wasser heran, sprühten Gift. Und im Herbst ernteten sie. Nur zum Wacheschieben sei er nie eingeteilt worden, erzählt der Junge. Die Kalaschnikow, fand der Boss, sei noch zu schwer für ihn.

Vor allem kurz vor der Erntezeit seien immer wieder Polizisten in die Berge gekommen, um Cannabisstauden zu vernichten. Ihre eigenen Felder aber, sagt der Junge, seien sicher gewesen. „Mein Boss hat Freunde in der Politik. Und er hat viel Geld gezahlt.“

Ministerpräsident Edi Rama Foto: Reuters

Die Regierung der Sozialisten in Tirana, die bei den Wahlen im Juni dieses Jahres bestätigt worden ist, streitet nicht ab, dass auch hohe Staatsbedienstete in die Machenschaften der Drogenbanden verwickelt sind. Aber sie beansprucht für sich, kompromisslos dagegen vorzugehen. „Das ist ein richtiger Krieg, das ist nicht wie Rasenmähen im eigenen Garten“, sagt Ministerpräsident Edi Rama. „Da gibt es Momente, in denen man zum Angriff übergeht, und dann gibt es wieder eine Gegenoffensive der Kriminellen. Aber jetzt haben wir allen Grund zu glauben, dass diese Geschichte noch in diesem Jahr ein Ende haben wird.“

Alle Polizeidirektoren der zwölf albanischen Regionen sind seit Beginn des Jahres ausgetauscht worden. Die Operationen zur Zerstörung der Cannabisfelder begannen anders als sonst schon zur Aussaat im Frühjahr. Und tatsächlich zeigen gemeinsame Recherchen dieser Zeitung mit dem ARD-Magazin „Report München“ in mehreren Landesteilen: Es wird weniger Cannabis angebaut als im vergangenen Jahr und wenn, dann in sehr abgelegenen Gebieten. Dorfbewohner, Lokaljournalisten und Beteiligte bestätigen das. „Mein Boss hat heuer keine Felder“, sagt der Junge aus Shkodra. „Ich wasche jetzt wieder Autos.“ Und Hauptkommissar Saimir Rrustemi sagt: „Cannabis hat in diesem Jahr die höchste Priorität.“ Dann schiebt er nach: „Diesmal wirklich.“

Zwei Tonnen Cannabis, die die griechische Polizei auf einer Yacht südlich der Peloponnes beschlagnahmt hat. Fotos: griechische Polizei

Das Angebot an albanischem Marihuana ist durch die Offensive allerdings noch nicht zurückgegangen – im Gegenteil: Europäische Zoll- und Polizeibehörden beschlagnahmen derzeit so viel wie nie. Allein in der ersten Jahreshälfte hat die Guardia di Finanza auf Schiffen in der Adria gut 25 Tonnen sichergestellt, mehr als im ganzen Jahr 2016. Trotz der medial bestens inszenierten Vernichtungen durch die albanische Polizei muss die Ernte der Drogenmafia im vergangenen Herbst also ziemlich gut gewesen sein.

Investigativjournalist Artan Hoxha

Artan Hoxha, der bekannteste Investigativjournalist Albaniens, vermutet, dass die Regierung der Sozialisten den Cannabisanbau im Jahr vor den Wahlen bewusst toleriert hat. Hoxha ist ein bulliger Typ mit Bürstenhaarschnitt, der schon lange über das organisierte Verbrechen recherchiert und sich von Todesdrohungen per SMS ebenso wenig aufhalten lässt wie von Einschüchterungsversuchen durch korrupte Staatsorgane.

Im vergangenen Frühjahr, sagt Hoxha, seien mehrere Regionaldirektoren der Polizei auf ihn zugekommen und hätten ihn aufgefordert, weniger über den Cannabisanbau zu berichten. „Sie haben mir gesagt: ,Wir respektieren dich sehr und wir beschützen dich. Damit wir aber Freunde bleiben können, müssen wir dich bitten: Recherchiere nicht in unseren Regionen.“ Die Polizeidirektoren, sagt Hoxha, hätten angedeutet, dass es Abmachungen zwischen den Rauschgiftbanden und staatlichen Institutionen gegeben habe. Und tatsächlich sei dann in den entsprechenden Regionen auch besonders viel Cannabis angebaut worden – und besonders unverfroren. Auf seinem Handy zeigt Hoxha ein selbst aufgenommenes Video: ein Schwenk über eine Cannabisplantage mit mehr als 10.000 Stauden, nicht weit vom nächsten Dorf, als wäre es ein üppiger Weinberg.

Cannabisplantage im Jahr 2016 Foto: albanische Polizei

Das albanische Innenministerium will sich zu Hoxhas Vorwürfen nicht direkt äußern. Ein Sprecher teilt aber mit: Trotz aller Fortschritte bei der Stärkung der Polizei leide diese noch immer unter dem tiefgreifenden Einfluss der politischen Parteien.

Neben korrupten Polizisten profitierten vom ausufernden Cannabisanbau im Jahr vor der Wahl auch viele Menschen, die in rückständigen Gebieten wie dem Dukagjin keine Aussicht auf ein ordentliches Einkommen oder staatliche Unterstützung haben. Das große Geld in dem Milliardengeschäft freilich machten die Mafiabosse und deren Familienclans, die auf lokaler Ebene noch immer großen Einfluss haben. Und die, politisch flexibel, mit ihrer Macht und ihrem Geld diejenigen Parteien und Kandidaten unterstützen, die ihre illegalen Geschäfte nicht behindern.

Wie eng diese Verflechtungen noch immer sind, zeigt der Fall Klement Balili: Im Mai 2016 zerschlug die griechische Polizei zusammen mit Europol und der amerikanischen Antidrogenbehörde eine Bande, die über Jahre Cannabis und Kokain nach Westeuropa geschmuggelt und so Hunderte Millionen Euro verdient haben soll. Als Hintermann und Finanzier identifizierten die Ermittler Klement Balili. Er war Direktor des Verkehrsministeriums in Saranda in Südalbanien. Außerdem hatte seine Familie dort das „Santa Quaranta“ gebaut, ein Luxushotel direkt am Strand. Trotz etlicher Berichte über fehlende Baugenehmigungen nahmen an dessen Einweihungsfeier zahlreiche Politiker teil, unter ihnen der Sozialist Arben Ahmetaj, heute Finanzminister, und Ilir Meta, der jetzige Staatspräsident.

Grafik: EMCDDA & Europol EU Drug Markets Report 2016 / F.A.Z. / stepmap

Als die griechischen Behörden dann ihren Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Drogenbaron an die Albaner weiterleiteten, passierte zunächst einmal: nichts. Balili bestritt die Vorwürfe im Fernsehen. Er wurde vom Staatsdienst suspendiert. Aber erst Monate später, auf viel internationalen Druck, rückte die Polizei in Saranda zu einem Großeinsatz aus – konnte den Gesuchten aber angeblich nicht finden. „Es gibt eindeutige Beweise, dass sich Balili in dieser ganzen Zeit frei in Albanien bewegte und trotzdem nicht verhaftet wurde“, sagt Ylli Manjani, der damals Justizminister in Tirana war und nach kritischen Äußerungen über den Umgang der eigenen Regierung mit der Drogenmafia entlassen wurde. Klement Balili ist noch immer auf freiem Fuß.

Die oppositionellen Demokraten machten den Fall Balili und den Cannabisanbau zum Wahlkampfthema. Die EU, in die Rama sein Land unbedingt führen will, kritisierte in ihrem Fortschrittsbericht deutlich das Versagen der albanischen Polizei und der Justiz, die Rauschgiftbanden zu zerschlagen. Es dürfte aber noch einen weiteren Grund geben, weshalb der Cannabisanbau 2017 zurückgegangen ist: Das Interesse der Mafiabosse ist gering. Die Preise sind durch das Überangebot am Boden. Und die Lager noch immer voll. Erst im Juli entdeckte die albanische Polizei im Küstenort Vlora mehr als 15 Tonnen Marihuana, Schwarzmarktwert: 160 Millionen Euro. Ein stolzer Fund. Falls im vergangenen Jahr aber, wie von westeuropäischen Ermittlern geschätzt, mehr als 1000 Tonnen geerntet worden sind, kein allzu großer Verlust für die Mafia.

Ob es die Regierung Rama mit ihrem Krieg gegen Cannabis wirklich ernst meint und ob sie sich gegen die mächtigen Clanchefs durchsetzen kann, wird sich also erst im kommenden Jahr zeigen, wenn die Nachfrage wieder höher und die internationale Aufmerksamkeit geringer ist.

Die Clans investieren ihre Millionen aus dem Cannabisanbau derweil anderweitig, in Hotels und Immobilien, in die Landwirtschaft und Unternehmen aller Branchen. Und sie erweitern ihre illegalen Geschäfte. Seit ein paar Jahren sind sie zunehmend im Kokainschmuggel aktiv – mit direkten Kontakten zu den Kartellen in Lateinamerika. Albanischstämmige Banden hätten inzwischen „sehr großen Einfluss im organisierten Verbrechen in Großbritannien“, warnt die britische National Crime Agency. Schwerpunkt sei der oftmals von Gewalt begleitete Kokainhandel. Das Bundeskriminalamt verzeichnet in seinem Lagebild 2016 zur organisierten Kriminalität in Deutschland einen Anstieg von 85,4 Prozent bei Tatverdächtigen mit albanischer Staatsangehörigkeit. Der Vorwurf auch hierzulande meist: internationaler Rauschgifthandel.

Die Männer von Hauptkommissar Saimir Rrustemi zerstören ein Cannabisfeld.

Nach insgesamt fünf Stunden erreichen Hauptkommissar Saimir Rrustemi und seine Männer endlich das Gebiet auf den Satellitenbildern. Weiter geht es zu Fuß, aufgeteilt in mehrere Gruppen. Durchs Unterholz, über Wiesen, Berghänge hoch, Berghänge runter. Eine gute Stunde, dann entdecken sie die erste Spur: einen künstlichen Teich, zehn auf zehn Meter etwa, als Zufluss ein dicker Schlauch. Die Polizisten folgen dem Abfluss, einen felsigen Abhang entlang. Und wenig später stehen sie zwischen brusthohen Stauden, die auf steinigen Terrassen wachsen.

Die Spezialkräfte mit ihren Kalaschnikows stellen sich oberhalb des Feldes auf, doch weit und breit ist niemand zu sehen. Das nächste Dorf liegt anderthalb Stunden Fußmarsch entfernt. Einer von Rrustemis Männern zieht eine Sichel mit langem Holzgriff aus dem Rucksack und beginnt, die Stauden kurz über dem Boden abzuschlagen. Die anderen türmen sie mit herumliegenden Ästen und dem zerschnittenen Wasserschlauch auf. Dann stecken sie ein paar trockene Blätter in Brand und schon nach wenigen Minuten steigt dichter Qualm zum Himmel. Einige der jüngeren Polizisten nutzen das brennende Cannabis als Selfie-Hintergrund. Dann geht es auch schon weiter auf die Suche nach der nächsten Stecknadel.

Erst weit nach Einbruch der Dunkelheit rumpeln die Polizeigeländewagen wieder vors Revier in Shkodra. 100 Mann kehren zurück, fast 18 Stunden waren sie im Einsatz. Ihre Bilanz: keine Schießerei, keine Verhaftungen, alle zwölf Felder vernichtet. 1785 Stauden insgesamt. Chef Saimir ist zufrieden. Eine ordentliche Menge Unkraut.

Albanien und das Gras – im Fernsehen

Report München: „Der Kampf gegen die Drogen-Mafia an der Adria“
arte: „Re: Gegen die Marihuana-Mafia“

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 05.09.2017 16:22 Uhr