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Calipari-Untersuchung Berlusconi will mit Bush sprechen

30.04.2005 ·  Zwei Monate nach dem Tod des italienischen Agenten Calipari im Irak durch Schüsse amerikanischer Soldaten nach der Befreiung der entführten Journalistin Sgrena ist es zum offenen Dissens zwischen Rom und Washington gekommen. Nun wird die Angelegenheit „Chefsache“.

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Zwei Monate nach dem Tod eines italienischen Geheimdienstagenten bei einer Geiselbefreiung in Bagdad belastetet die schleppende Aufklärung zunehmend die Beziehungen zwischen Rom und Washington.

Rom könne die Arbeit der gemeinsamen italienisch- amerikanischen Untersuchung nicht akzeptieren, sagte Außenminister Gianfranco Fini. Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte am Samstag an, er wolle in der Angelegenheit mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush sprechen.

Keine Unterschrift

„Man kann von der italienischen Regierung nicht verlangen, daß sie eine Rekonstruktion (der Vorfälle) unterschreibt, die nicht mit unserer übereinstimmt“, sagte Fini. Berlusconi will zudem dem Parlament über die Angelegenheit berichten. Italienische Zeitungen sprachen von offenen Spannungen zwischen Rom und Washington. Calipari hatte seinerzeit nach langen Verhandlungen die Freilassung der Journalistin erreicht.

Die gemeinsame italienisch-amerikanische Kommission gab zunächst keine Einzelheiten ihrer Arbeit bekannt. „Die Ermittler sind nicht zu gemeinsamen abschließenden Ergebnissen gekommen, obwohl sie sich nach der Beurteilung der Beweislage auf viele der Fakten, Einschätzungen und Empfehlungen einigen konnten“, hieß es offiziell.

Keine einvernehmliche Erklärung

Beide Länder hatten sich zum Abschluß der Arbeit der Untersuchungskommission am Freitag nicht auf eine einvernehmliche Erklärung über den Tod des Geheimdienstoffiziers Nicola Calipari einigen können. Die Ermittler aus Italien und den Amerika seien nicht „zu gemeinsamen Schlußfolgerungen“ gelangt, hieß es in einer am Freitag in Washington veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der beiden Außenministerien. Die Einigung sei ausgeblieben, obwohl die Beweislage gemeinsam untersucht worden sei und es Konsens über zahlreiche „Fakten“ und „Empfehlungen“ gegeben habe.

Calipari war getroffen worden, als er am 4. März die kurz zuvor aus Geiselhaft freigelassene italienische Journalistin Guiliana Sgrena im Auto zum Flughafen Bagdad bringen wollte. Die Reporterin hatte auch für die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ aus dem Irak berichtet. Calipari war in Italien mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt und als Held gefeiert worden.

CBS: Wagen mit Sgrena 100 Stundenkilometer schnell

Die Ermittler würden nun entsprechend ihren jeweiligen Gesetzgebungen an ihre Regierungen berichten, hieß es in der Erklärung weiter. Trotz der Differenzen wurde die „starke und lebhafte Freundschaft“ zwischen beiden Regierungen betont. Die gemeinsamen Werte zwängen Italien und die Vereinigten Staaten dazu, sich weiterhin gemeinsam für den Aufbau eines demokratischen Irak zu engagieren.

CBS meldete, die Auswertung von Satellitenfotos habe ergeben, daß der Wagen mit Calipari, einem weiteren Agenten sowie Sgrena zum Zeitpunkt der Todesschüsse mehr als 100 Stundenkilometer gefahren sei. Diesen Schluß ließen zwei unterschiedliche Satellitenfotos zu, die im Abstand einer halben Minute aufgenommen worden seien. Nach bisheriger Darstellung der italienischen Seite fuhr der Wagen nur rund 40 Stundenkilometer.

Ein Beamter im Außenministerium in Washington bekräftigte die amerikanische Version des Vorfalls: Die Italiener hätten das amerikanische Militär nicht unterrichtet, daß Calipari der Agent und die Journalistin zum Flughafen fahren wollten. Zudem hätten die Soldaten berichtet, der Wagen sei sehr schnell gefahren. Der Fahrer habe auch die Aufforderungen zum Anhalten ignoriert.
Dagegen hieß es in Italien immer wieder, die Soldaten hätten das Auto völlig überraschend unter Feuer genommen. Es habe zuvor keine Warnungen gegeben. Der Wagen sei auch nicht zu schnell gefahren.

Beteiligten Soldaten angeblich nichts vorzuwerfen

Zu Beginn dieser Woche war aus ranghohen amerikanischen Militärkreisen verlautet, eine amerikanische Kommission sei zu dem Schluß gelangt, daß den beteiligten Soldaten nichts vorzuwerfen sei. Dies hatte in Italien wütende Proteste ausgelöst. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi kündigte an, seine Regierung werde keinem Bericht zustimmen, von dem sie nicht überzeugt sei.

Berlusconi gehört zu den engsten Verbündeten des amerikanischen Präsidenten George W. Bush im Irak. Das dort stationierte italienische Militärkontingent umfaßt 3.300 Soldaten und ist damit viertstärkster Truppensteller nach den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Südkorea.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/AFP
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