17.12.2005 · John McCain gilt für 2008 als wahrscheinlicher Kandidat der Republikaner für den Kampf ums Weiße Haus. Sein hohes Alter und die fehlende Begeisterung der religiös-konservativen Wählerbasis für ihn sind Schwächen im persönlichen Kalkül.
Von Matthias RübDie beiden Männer haben Frieden miteinander geschlossen. Das ist nicht selbstverständlich, denn der eine stand bisher dem Lebenstraum des anderen im Weg. Bei den ersten Vorwahlen der Republikaner im Kampf um die Präsidentschaft im Jahr 2000 hatte John McCain zunächst noch vor George W. Bush gelegen, doch dann setzte sich der Gouverneur aus Texas gegen den Senator aus Arizona durch. Mit Samthandschuhen wurde dieser Kampf nicht geführt, doch die Wunden sind offenbar verheilt.
Der Rest der Präsidentenwahlen von 2000 ist Geschichte, und es bleibt müßig, darüber zu spekulieren, ob sich auch ein Kandidat McCain gegen Vizepräsident Al Gore hätte durchsetzen können. Vier Jahre später, im August 2004, hielt McCain im New Yorker Madison Square Garden eine flammende Rede für George W. Bush, in welcher er den Präsidenten für seine Entschlossenheit pries, „die Welt zu einem besseren, sichereren, freieren Ort zu machen“.
Avancen des demokratischen Herausforderers John Kerry vom Frühjahr 2004, mit diesem als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten in den Wahlkampf gegen den alten Rivalen Bush zu ziehen, hatte McCain zurückgewiesen. Den Einmarsch im Irak hat er von Beginn an unterstützt, im Krieg gegen den Terrorismus steht er unerschütterlich an des Präsidenten Seite.
Fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft
In Verteidigungsdingen ein „Falke“ zu sein ist für den Sohn und Enkel von Admirälen gleichen Namens kein Wunder. John Sidney McCain III. wurde am 29. August 1936 in Coco Solo in der damals amerikanisch kontrollierten Panamakanal-Zone geboren und schrieb sich an der Marineakademie in Annapolis in Maryland ein. Prägend war sein Einsatz im Vietnam-Krieg, wo der Marineflieger 1967 über Hanoi abgeschossen, schwer verwundet und von den Nordvietnamesen gefangengenommen wurde.
Mehr als fünfeinhalb Jahre verbrachte er in Kriegsgefangenschaft, während mindestens eines Jahres wurde McCain unter Folter verhört. Seine Peiniger versuchten aus ihm die Namen weiterer Angehöriger seiner Fliegerstaffel herauszupressen. Anstatt sich fortgesetzt den Qualen zu widersetzen, nannte McCain bereitwilligst Namen - und zwar jene der legendären Angriffsreihe des Football-Teams „Green Bay Packers“ aus dem Bundesstaat Wisconsin.
Kandidat für den Kampf ums Weiße Haus
„Ich halte es für wahrscheinlich, daß auch die Terroristen, die wir derzeit unter weniger als menschlichen Bedingungen vernehmen, ebenfalls Zuflucht zu Täuschungen nehmen“, schrieb McCain kürzlich zur Begründung seines nach zähem Widerstand vor allem des Vizepräsidenten Cheney jetzt auch vom Weißen Haus akzeptierten Gesetzentwurfes zum Verbot der Folter und jeder Art von grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung von Gefangenen in amerikanischem Gewahrsam.
McCain vertritt seit 1987 den Bundesstaat Arizona im Senat, und für 2008 gilt er als wahrscheinlicher Kandidat der Republikaner für den Kampf ums Weiße Haus. Sein hohes Alter und die fehlende Begeisterung der religiös-konservativen Wählerbasis für den sozialpolitisch gemäßigten Senator sind aber Schwächen in dem persönlichen Kalkül.
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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