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Bush und Schröder Keine Männerfreunde

23.02.2005 ·  Schröder trifft den amerikanischen Präsidenten nicht seltener als Putin. Doch wohliges Einvernehmen im Sinne von persönlich-privater Übereinstimmung ist zwischen Bush und dem Bundeskanzler bislang nicht zustande gekommen.

Von Günter Bannas
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Die These gibt es, Bundeskanzler Schröder sehe den russischen Präsidenten Putin oder auch die chinesische Führung öfter als den amerikanischen Präsidenten Bush

Das ist ein auf die deutsche Innenpolitik gemünzter Vorwurf, der untermauern soll, Schröder und die rot-grüne Bundesregierung insgesamt seien von einem latenten Antiamerikanismus geprägt. Die Zahl der Treffen gibt das, sofern man die Begegnungen anläßlich multilateraler Konferenzen berücksichtigt, nicht her.

Fast zwanzigmal haben sich - seit dem Amtsantritt George W. Bushs im Januar 2001 - die Wege des amerikanischen Präsidenten und des deutschen Bundeskanzlers gekreuzt, wenn sie sich an diesem Mittwoch in Mainz treffen. (Siehe auch FAZ.NET-Spezial: Bush in Europa)

Kein Abendessen in kleinerer Runde

Doch wohliges Einvernehmen im Sinne von persönlich-privater Übereinstimmung ist zwischen ihnen nicht zustande gekommen. Ein Abendessen der beiden in kleinerer Runde hat es nicht gegeben. Mit Bill Clinton, Bushs Vorgänger, pflegte Schröder ein anderes Verhältnis. Hoch über dem Rhein südlich von Bonn hatten die beiden sich einst getroffen, und es war ein lustiger Abend.

Die Begegnung Bushs und Schröders in Mainz ist die erste zwischen den beiden, die abseits der Regierungs- und Kongreßzentralen stattfindet, weshalb manche - mit der Pflege der Beziehungen - Beauftragte auch eine Verbesserung des persönlichen Verhältnisses erwarten. Einer von ihnen, der Amerika-Beauftragte der Bundesregierung Karsten Voigt, wurde jetzt so zitiert: „Da der Wille auf beiden Seiten groß ist, sehe ich auch hier große Chancen.“ Seit langem ist daran gearbeitet worden, und schon ehedem hieß es, die beiden seien sich im Umgang mit Ironie und Witz durchaus ähnlich. Politische Differenzen sollten auf diese Weise durch persönliche Facetten gemäßigt werden. Es war die Zeit, da die deutsche Diplomatie die Aufgabe sah, das - wegen der Irak-Differenzen - angespannte Verhältnis der beiden wieder zu reparieren.

Politische Freundschaften, private Gesten

Seit je verstehen sich Staats- und Regierungschefs darauf, Privatheit und das politische Geschäft in einem Zusammenhang zu sehen - oft mit dem Ziel, Konflikte zu dämpfen und gegenläufige Interessen wenigstens für das Publikum in Einklang zu bringen. Gerne werden Gelegenheiten genutzt, die persönlichen Beziehungen zum Zwecke der Politik einzusetzen, und entsprechend ist es kein Zufall, daß deutsche Bundeskanzler seit Adenauers Zeiten ein besonderes Verhältnis zu französischen Staatspräsidenten und Jahrzehnte später auch zur Führung in Moskau pflegten.

Politische Freundschaften mit privaten Gesten zu dokumentieren und zu fördern ist der internationalen Diplomatie nicht fremd. Es werden Zeichen gesetzt, wenn der Gast nicht bloß in den Fluren der Regierungszentralen, sondern in den offiziellen Gästehäusern oder gar im privaten Ambiente empfangen wird - sei es auf einer Ranch in Texas, in Oggersheim oder in Hannover. So weit ist es zwischen Bush und Schröder bislang nicht gekommen. Chirac, Putin und auch der frühere chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji sind schon bei den Schröders zu Haus zu Besuch gewesen, und gerne wird erzählt, wie sparsam die Repräsentanten der Großmächte das Privatheim ihrer Gastgeber empfanden. Chirac pflegt, wenn er Schröder außerhalb trifft, mit dessen Frau zu telefonieren.

Konservativer Republikaner trifft Nachfahr der 68er

Schon die erste Begegnung Schröders und Bushs stand unter anderen Vorzeichen, was auch mit den unterschiedlichen Lebensstilen zu tun hatte. Es trafen sich ein konservativer Republikaner und ein sozialdemokratischer Nachfahr der 68er-Opposition. Im März 2001 war das, als Schröder seinen Antrittsbesuch beim neu gewählten Präsidenten abstattete. Vor, während und nach dem Treffen im Weißen Haus hoben die beiden die Meinungsverschiedenheiten über das Klimaschutzabkommen von Kyoto hervor. Schröder sagte vorab zur ablehnenden Haltung der Vereinigten Staaten in der „Los Angeles Times“: „Das ist ein Vorgang, der uns natürlich beunruhigt.“ Ein Brief von ihm an Bush hatte nichts bewirkt. „Wir stimmen darin überein, daß wir nicht übereinstimmen“, hatten seine Berater dann auch gesagt. Bush zementierte auf einer Pressekonferenz vor dem Treffen mit Schröder seine Position.

In der hernach verbreiteten gemeinsamen Erklärung wurde das ohne Verbrämung nochmals veröffentlicht. Einserseits: „Die Bundesrepublik Deutschland, die die Konferenz zum Klimawandel in Bonn im Juli ausrichten wird, betont, daß die in Kyoto vereinbarten Zielgrößen zur Verringerung der Treibhausgase für die wirksame Bekämpfung des weltweiten Klimawandels unerläßlich sind.“ Andererseits: „Die Vereinigten Staaten lehnen das Kyoto-Protokoll ab, weil es viele Länder von seiner Anwendung ausnimmt und der amerikanischen Wirtschaft schweren Schaden zufügen würde.“ Eine Annäherung hatte das Gespräch nicht gebracht. Ob die „persönliche Chemie“ zwischen beiden stimme, war Schröder hernach gefragt worden. „Stimmt“, hatte die kurze Erwiderung gelautet. Es war ein ziemlich verregneter Tag in Washington gewesen.

Vorläufer der Irak-Debatte?

Vom Sommer 2002 an hatte Schröder mehr als vorher zu versichern, die grundsätzliche Freundschaft zwischen beiden Nationen werde nicht durch sachpolitische Differenzen im Detail gefährdet, und gut sei die Zusammenarbeit zwischen Ministern beider Regierungen. Es war die Zeit, da die Beobachter internationaler Konferenzen weniger auf die Inhalte, sondern mehr auf die Umgangsformen zwischen beiden schauten. Ob sie sich die Hand geben? Der Kanzler wolle nicht „Bittsteller“ sein, sagten damals des Kanzlers Leute. Länger als zwölf Monate dauerte es, bis Bush und Schröder wieder ein intaktes Arbeitsverhältnis hergestellt hatten. Nun soll es besser werden. „Ich freue mich, mit ihm über alle wichtigen Fragen zu reden“, wurde Schröder dieser Tage vernommen.

Quelle: F.A.Z., 23.02.2005, Nr. 45 / Seite 3
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Jahrgang 1952, Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

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