Home
http://www.faz.net/-gq5-q1th
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bush in Europa Bush will diplomatische Lösung im Streit mit Iran

22.02.2005 ·  Die Vereinigten Staaten planen derzeit keinen Militärschlag in Iran und wollen den Atomstreit friedlich lösen. Dies wurde bei Gesprächen zwischen Präsident Bush und EU-Staats-Chefs in Brüssel deutlich. Das FAZ.NET-Spezial zum Bush-Besuch.

Artikel Bilder (12) Lesermeinungen (0)

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich nach Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten George Bush zuversichtlich gezeigt, daß die Vereinigten Staaten den Atomstreit mit Iran gemeinsam mit den Europäern auf friedlichem Weg beilegen wollen. Bush habe bei den Treffen mit der Europäischen Union (EU) und der Nato am Dienstag in Brüssel deutliche Erklärungen abgegeben, daß er auch eine diplomatische Lösung des Konflikts wolle, sagte der SPD-Politiker.

„Das stimmt mich zuversichtlich, daß wir eine diplomatische, also friedliche Lösung erreichen", betonte Schröder am Abend. Voraussetzung sei, daß der Iran erkenne, daß er nicht über Atomwaffen verfügen könne und dem Land zugleich eine wirtschaftliche Perspektive geboten werde. Die von den Vereinigten Staaten stets als letztes Mittel nicht ausgeschlossene Anwendung militärischer Gewalt habe bei den Gesprächen keine Rolle gespielt. „Es ist ausschließlich über eine friedliche Lösung geredet worden.“ Spekulationen, sein Land bereite einen militärischen Schlag gegen Iran vor, hatte Bush in Brüssel als „lächerlich“ bezeichnet. Dennoch seien alle Optionen denkbar.

Embargo gegen China nicht aufheben

Früher am Tag hatte der amerikanische Präsident die EU aufgefordert, nicht übereilt das Waffenembargo gegen China aufzuheben. Nach einem Nato-Gipfel am Dienstag in Brüssel sagte Bush: „Wir sind sehr besorgt.“ Waffenexporte bedeuteten auch Exporte von Hochtechnologie. Es bestehe zudem das Risiko, daß sich durch europäische Waffenlieferungen das Gleichgewicht zwischen China und Taiwan verschiebe.

Bush zeigte sich zugleich zufrieden darüber, daß mittlerweile alle 26 Nato-Staaten an der Ausbildungsmission im Irak teilnehmen. Die Größe des Beitrags sei dabei nur zweitrangig. „Der größte Beitrag ist, wenn ein Land seine Leute in den Kampf schickt und sie dabei sterben.“ Deshalb müsse man sichergehen, daß sich der Einsatz lohne und daraus Frieden und Demokratie entstünden. Die Nato leiste dabei ihren Beitrag. Unmittelbar vor dem Gipfel in Brüssel hatte Bush gesagt, die Nato sei „eine lebensnotwendige Beziehung für die Vereinigten Staaten und Europa.“

Meeting mit Merkel

Bush kommt am Mittwoch im Rahmen seiner Europa-Visite auch nach Deutschland. Dabei besucht er gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die rheinland-pfälzische Hauptstadt Mainz. Wie am Dienstag bekannt wurde, will Bush in Deutschland auch mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zusammentreffen. Ein CDU-Sprecher bestätigte dies und sagte, es handele sich um ein „persönliches Gespräch“, das auf Wunsch der Amerikaner am frühen Nachmittag in Mainz stattfinde.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer äußerte sich ähnlich wie Bush, über die Rolle der Nato, mahnte aber gleichzeitig einen intensiveren politischen Dialog in der Allianz an. Die Nato müsse das wichtigste Forum für Europa und Amerika sein, sagte der Generalsekretär. „Aber wir können mehr tun. Wir müssen weiter daran arbeiten, den politischen Dialog auszubauen“, fügte er hinzu.

Chirac für starke Nato mit starkem europäischen Arm

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat sich bei dem Gipfeltreffen für eine starke Nato mit einem starken europäischen Arm ausgesprochen. „Angesichts neuer Herausforderungen braucht die Welt eine starke Allianz, in der Europäer und Amerikaner ihre Anstrengungen im Dienste des Friedens vereinigen können“, sagte Chirac. Er sieht Fortschritte in der europäischen Verteidigungspolitik. „Diese Entwicklung ist eine Chance für unsere Allianz, denn ein stärkeres und vereinigtes Europa bedeutet eine stärkere und leistungsfähigere Atlantische Allianz.“

Chirac unterstützte gleichzeitig die Anregung von Bundeskanzler Schröder, wonach die Nato reformiert werden müsse. „Europa und die Vereinigten Staaten sind richtige Partner. Wir müssen deshalb mehr diskutieren und uns mehr zuhören.“ Er äußerte sich nicht zu Schröders Vorschlag, neben der Allianz einen anderen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Europa und Amerika zu suchen. Auch beim Abendessen von Chirac und Bush am Montag abend spielte dieses Thema nach Angaben eines Chirac-Sprechers keine Rolle.

Versöhnliche Worte

Da war es Bush vor allem darum gegangen, sich zu zu einem Schulterschluß mit einem „starken Europa“zu bekennen und - gemeinsam mit Chrirac - die Bereitschaft zu bekräftigen, die Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen. Chirac gehört neben Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu den schärfsten Kritikern des amerikanischen Vorgehens im Irak.

Insgesamt urteilte Chirac am Montag jedoch, die amerikanisch-französischen Beziehungen seien „seit über 200 Jahren exzellent“, auch wenn man sich nicht immer in allem einig sei. Eine Auffassung, die Bush in einer Radioansprache vor seiner Abreise nach Europa geteilt hatte: „Selbst die besten Freunde sind nicht in allem einer Meinung“.

„Keine Macht der Welt kann uns trennen“

Zuvor hatte der amerikanische Präsident während seiner Grundsatzrede deutliche Worte gefunden: „Keine zeitweise Debatte, keine vorübergehende Uneinigkeit von Regierungen, keine Macht der Welt kann uns trennen,“ sagte Bush. Vorrangiges Ziel der transatlantischen Partnerschaft müsse ein Frieden im Nahen Osten sein. „Amerika braucht ein starkes Europa, wir brauchen einen starken Partner, um Freiheit und Frieden in der Welt voranzubringen“, sagte Bush.

Europa und die Vereinigten Staaten seien im neuen Jahrhundert die wichtigsten Säulen der Freiheit und Demokratie. Der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt hatte zuvor eine „neue Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten“ beschworen. „Die Zeit ist gekommen, einen Schlußstrich unter die Spannungen der jüngsten Vergangenheit zu ziehen“, betonte er.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Wahl der Ägypter

Von Wolfgang Günter Lerch

Die Ägypter haben sich in der ersten Runde der Präsidentenwahl für Kandidaten entschieden, die für Sicherheit stehen. Denn seit dem Sturz Mubaraks hat die öffentliche Ordnung im Land gelitten. Mehr 2