Home
http://www.faz.net/-gq5-v9uw
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Burma UN-Sondergesandter eingetroffen

29.09.2007 ·  Nach fast zweiwöchigen Protesten in Burma herrschte am Samstag in der Metropole Rangun gespannte Ruhe. Der Sondergesandte der Vereinten Nationen traf ein, um sich um eine Entschärfung der Lage zu bemühen.

Artikel Bilder (3) Video Lesermeinungen (1)

Nach fast zweiwöchigen Protesten in Burma herrschte am Samstag in der Metropole Rangun gespannte Ruhe. Hunderte Soldaten patrouillierten nach Augenzeugenberichten durch die Straßen und verschanzten sich an strategisch wichtigen Punkten. Es habe keine Berichte über Schusswaffengebrauch des Militärs wie in den Vortagen gegeben, die Soldaten seien zur Zurückhaltung aufgefordert worden, berichtete der Oppositionssender Democratic Voice of Burma unter Berufung auf den staatlichen birmanischen Rundfunk.

Unterdessen traf der Sondergesandte der Vereinten Nationen, Ibrahim Gambari, im Burma ein, der sich um eine Entschärfung der Lage bemühen soll. Neben Gesprächen mit Vertretern der herrschenden Militärjunta wollte Gambari auch Religionsführer und Oppositionelle treffen. Vom Flughafen Rangun fuhr er direkt weiter in die 300 Kilometer nördlich gelegene Stadt Naypyidaw, die von der Junta zum neuen Regierungssitz erklärt worden ist.

Von Soldaten eingekreist

In Rangun kam es am Samstag wieder zu vereinzelten Protesten. Hunderte Demonstranten versuchten, zum Trader-Hotel vorzudringen, da sie vermutet hatten, dass Gambari dort wohnen würde. Ein Großaufgebot von Soldaten blockierte allerdings die Zufahrtstraße. Vor dem Hotel gingen Sicherheitskräfte gegen etwa 40 Demonstranten vor. Nach Augenzeugenberichten wurden die Menschen von Soldaten eingekreist und dann in Lastwagen an einen unbekannten Ort gebracht.

Der Sender Democratic Voice of Burma, der von der norwegischen Hauptstadt Oslo aus ausgestahlt wird, berichtete, dass am Samstag wie am Vortag keine Mönche auf den Straßen zu sehen gewesen seien. Diese seien nach ihrer anfänglich führenden Rolle bei den Demonstrationen entweder interniert oder in ihren Klöstern eingeschlossen.

China „sehr besorgt“

China, einer der engsten Verbündeten der Militärführung in Burma, äußerte sich „sehr besorgt“ über die Lage im Nachbarland. Ministerpräsident Wen Jiabao sagte nach Regierungsangaben in einem Telefongespräch mit dem britischen Premierminister Gordon Brown am Freitagabend, Peking hoffe, dass die Konfliktparteien in Burma Zurückhaltung übten. In Berlin bekundeten etwa 150 Demonstranten vor der chinesischen Botschaft ihre Unterstützung für die Demokratiebewegung in Burma. Sie appellierten an Peking, die Führung in Burma zum Einlenken zu bewegen.

Die Regierung in Tokio verurteile unterdessen die Erschießung eines japanischen Videojournalisten in Burma und forderte eine Aufklärung des Vorfalles. Außenminister Masahiko Komura protestierte bei einem Treffen mit seinem burmanischen Amtskollegen Nyan Win am UN-Hauptquartier in New York scharf gegen die Tötung des 50 Jahre alten Journalisten Kenji Nagai, wie japanische Medien berichteten. „So weit wir nach Medienberichten sagen können, wurde er aus kürzester Entfernung erschossen und wurde von keinen Irrläufern getroffen“, sagte Komura. Nyan Win habe sich bei Komura für den Tod des Japaners entschuldigt, hieß es.

Menschen in die Flucht getrieben

In Washington veröffentlichte Satellitenaufnahmen zeigen Wissenschaftlern zufolge unterdessen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte auch außerhalb der großen Städte: Die bereits vor Monaten aufgenommenen Bilder zeigen niedergebrannte Dörfer der ethnischen Minderheit der Karen im Osten. Die Aufnahmen stammen vom April und wurden von der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) analysiert (Burma: Satellitenbilder zeigen Menschenrechtsverletzungen).

Ein Bild zeigt die Fundamente von Gebäuden an einer Stelle, an der noch vor zwei Jahren ein Dorf stand. Das Dorf soll im April von der Armee gestürmt worden sein. Den Karen-Bewohnern wurde vorgeworfen, Rebellen zu unterstützen. AAAS-Projektleiter Lars Bromley zufolge wurden zwölf Menschen getötet, die übrigen flohen. Insgesamt schossen drei Satelliten Bilder von 31 sogenannten „Angriffsorten“, wo sich zwischen Mitte 2006 und Anfang 2007 Menschenrechtsverletzungen ereignet haben sollen.

Es gebe „ziemlich umfassende Beweise“, daß Menschen in großem Stil in die Flucht getrieben worden seien. Nach Angaben der Organisation „Campaign for Burma“ (Kampagne für Burma) hat die Armee mehr als 3000 Ortschaften im Land zerstört, rund 1,5 Millionen Menschen hätten ihr Zuhause verloren. „Wir versuchen, der Militärjunta mitzuteilen, daß wir sie aus der Luft beobachten“, sagt der Chef der „Campaign for Burma“, Aung Din. Inzwischen haben die AAAS-Forscher die Satelliten auf die großen Städte Burmas ausgerichtet, um die dramatischen Ereignisse dort zu dokumentieren.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wider den Billigprofessor

Von Heike Schmoll

Das Bundesverfassungsgericht stärkt die finanziellen Ansprüche von Professoren. Es ist gut, dass wenigstens die Karlsruher Richter eine deutsche Hochschule noch von innen kennen. Mehr 14 20